Kostenübernahme ungeklärt Spur der Steine: Heimatverein Iburg verärgert über Stadt

Von Stefanie Adomeit


Bad Iburg. Grenzsteine gehören auf die Grenzen, die sie markieren sollen. Dieser Überzeugung ist auch der Iburger Heimatverein. Doch weil schon 2003 40 Prozent der Steine aus den Wäldern verschwunden waren, sichert der Verein besonders typische im Kneipperlebnispark. Sechs stehen dort schon, für sechs weitere ist Platz. Was fehlt, ist das Geld für die Überführung.

Der Heimatverein kann die Kosten von 10000 Euro nicht stemmen. Muss er auch nicht, denn Stadt und Verein haben vor zwei Jahren vereinbart, dass die Stadt Trägerin des Grenzsteinkreises ist und dieser vor der Landesgartenschau vervollständigt werden soll. Im Grenzsteinkreis seien die Steine geschützt und gut sichtbar, sind Stadt und Verein überzeugt. Mit Blick auf das Schloss lasse sich an ihnen Iburger Geschichte anschaulich erklären.

Der Verein hat die Stadt deshalb um Hilfe für das Platzieren der fast 300 Jahre alten Steine im Erlebnispark gebeten. Allzu lange Zeit darf sich Iburg nicht nehmen, denn die Erlaubnis, die Steine zu verlegen, ist zeitlich begrenzt. Nach schwierigen Verhandlungen mit dem Denkmalschutz sei dem Verein die Entnahme von sechs Grenzsteinen aus den Iburger Wäldern erlaubt worden. „Diese Entnahmegenehmigung ist in Niedersachsen vermutlich einmalig und sollte nicht ungenutzt bleiben“, findet der Vereinsvorsitzende Volker Paul. Eigentümer der Steine ist das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung (LGN).

Der Stadtentwicklungsausschuss beriet über den Antrag, mochte ihm jedoch nicht folgen. Erst müssten die Kosten ermittelt werden. Die seien doch längst bekannt, wunderte sich Paul in der Einwohnerfragestunde nach der Sitzung.

Förderungsfähig seien sie aber nicht, merkte Marion Bunten vom Bauamt an. Möglich sei eventuell ein Zuschuss über ILEK (Integriertes Ländliches Entwicklungs-Konzept). „Aber das ist alles noch heiße Luft.“ Daniel Schneider von den Grünen schlug vor, es als Sponsoring-Projekt der Laga vorzustellen: „Der Grenzsteinkreis ist absolut förderwürdig.“ Bürgermeisterin Annette Niermann bremste: Die Stadt müsse den Förderantrag stellen und dann die kompletten Kosten übernehmen – oder gar keine.

„Die Geschichte Iburgs sollte uns etwas wert sein“, betonte Heinz Wallenstein für die SPD. Deshalb solle man zunächst die Kosten ermitteln. Das fand auch Hans-Otto Petersmann von der FDP: „Die Steine verrotten zu lassen, wäre grundfalsch.“ „Nicht so spannend“ fand Bernhard Heringhaus von der WBG das Projekt. „Was erfährt der Besucher denn da“, fragte er.

Niermann verwies auf die Hannoverschen Grenzen, die die Steine markierten, die jetzt ungesichert in den Wäldern kaputt gingen. „Es sind markante Punkte, die verloren gehen, wenn sie nicht gerettet werden.“ Deshalb sei das Engagement des Heimatvereins für die bildliche Geschichtsdarstellung vorbildlich.

Es blieb dabei: Der Ausschuss verschob eine Entscheidung bis zur Ermittlung der Kosten – sehr zum Ärger von Volker Paul und dem Grenzsteinexperten Joachim Vogelpohl. Der Rat sei bei diesem Thema wohl kenntnisfrei, so Paul. „Der Grenzsteinkreis ist ein Unikat in Deutschland.“ Zehn Jahre habe der Verein dafür gearbeitet, vor allem Joachim Vogelpohl. Und nur ihm würden die neuen Steine zur Verfügung gestellt.

Außerdem habe der Verein eine Vereinbarung mit der Stadt, dass die Grenzsteine in zwei Bauabschnitten in den Kreis eingefügt werden. Die anfallenden Kosten seien Verwaltungs- und Katastergebühren: „Wenn das Katasteramt 1000 Euro für jeden Stein an Verwaltungskosten ansetzt, kann das nicht mehr unsere Sache sein“, betonte Paul. Vogelpohl hat 350 Grenzsteine dokumentiert und einen Bildband über die Denkmäler verfasst, die Iburger Geschichte und Geschichten erzählen.