Sondergebiet an Bad Iburger B51 Protest gegen Möllering: „Häuser fingerdick eingepudert“

„Staubentwicklung“ warnt ein rechteckiges Schild unter dem Tempo-10-Gebot auf dem Betriebsgelände der Firma Möllering an der Bundesstraße 51 in Richtung Glandorf. Foto: Jörn Martens„Staubentwicklung“ warnt ein rechteckiges Schild unter dem Tempo-10-Gebot auf dem Betriebsgelände der Firma Möllering an der Bundesstraße 51 in Richtung Glandorf. Foto: Jörn Martens

Bad Iburg. Noch drei Wochen dürfen die Iburger ihre Meinung zum geplanten Gewerbegebiet in Ostenfelde sagen. Die ersten nutzten die Gelegenheit schon am Dienstag im Stadtentwicklungsausschuss. Mit einer klaren Ansage: „Zentimeterdicker Staub auf unseren Häusern, Lärm bis in den späten Abend und Gestank durch volle Container: Das wollen wir auf keinen Fall“. Äußerlich unbewegt hörte sich Unternehmer Christian Möllering die Vorwürfe an – und ließ dann seinen Planer sprechen.

Worum geht‘s? Die Firma Heinrich Möllering will ihr Betriebsgelände an der Münsterschen Straße in ein Gewerbegebiet und ein Sondergebiet für eine Steinbrechanlage mit Sortierung, Lagerhallen, -boxen- und -plätze für Schuttgüter, Containerstellplätze und Verwaltungsgebäude umwandeln. Aktuell sind die zwölf Hektar als Landwirtschaft ausgewiesen. Bis 2008 hatte die Firma Pokörn hier Sand abgebaut.

Der Stadtentwicklungsausschuss gab den Iburgern 20 Minuten Zeit, ihre Bedenken zu erläutern und sich informell mit den Kommunalpolitikern auszutauschen, zusätzlich zur frühzeitigen Bürgerbeteiligung. Die Anlieger nutzten die Gelegenheit - sachlich, aber auch mit viel Emotion. Deutlich spürbar wurde, dass sich in den letzten Jahren viel angestaut hatte – nicht nur Sand auf Straßen und Dächern. Die Nerven liegen blank.

Unberechenbar

„Wir sind für die Entwicklung von Unternehmen“, machte die Sprecherin der Anlieger, Maria Gerwesmann gleich am Anfang deutlich. Dann kam das Aber. „Aber aufgebracht hat uns das Sondergebiet, dessen Nutzung uns sehr unberechenbar scheint.“ Denn beim Stichwort „Steinbrechanlage“ würden die Anwohner hellhörig: „Wir wissen sehr genau, was dieses Wort bedeutet. Wir kennen die Begleiterscheinungen und werden alles tun, um es zu verhindern.“

Dass es dort laut sei, sei ja vielleicht noch zu verkraften. „Aber plötzlich hatten wir fingerdicken Staub auf unseren Häusern, ohne zu wissen, woraus er besteht und woher er kommt.“ Alle hätten wie wild geputzt, um die gleiche Schicht in der kommenden Woche wieder vorzufinden. „Das ganze Haus war eingepudert.“ Unangenehm sei auch die Geruchsentwicklung, die wohl in vollen Containern entstehe.

Staub auf Solarzellen

Massive Bedenken hat Mark Winkelmann. Als Geschäftsführer eines Fotovoltaikbetriebs sieht er schwarz, wenn sich Gesteinsstaub auf die Solarzellen legt. „Und Staub entsteht dort jeden Tag, auch bei der Lagerung von Steinen. Für uns hat die Planung existenzbedrohende Ausmaße.“

Der Donnerbrink würde durch Transporte der Baumaterialien regelmäßig verschmutzt. Die Bitte an den Unternehmer, sie zu reinigen, sei regelmäßig verpufft. „Er habe damit nichts zu tun, hieß es nur.“

Sorgen hat auch Hähnchenmäster Clemens Wesselkock: Er fürchtet um die Genehmigungsfähigkeit seines Stammbetriebs, „für uns ist das eine echte Bedrohung“. Ein direkter Nachbar des Betriebs Möllering berichtete: „Unsere Terrasse liegt 25 Meter entfernt. Es soll aber keiner glauben, dass dort ab sechs Uhr abends Ruhe herrscht. Das war die letzten fünf Jahre nicht so. Der Erdschieber arbeitet weiter, und wenn er rückwärts fährt, piept er natürlich.“

Der kleine Finger und die ganze Hand

Man habe dem Unternehmen den kleinen Finger gereicht, in der Hoffnung, dass die Belastungen zeitlich begrenzt sein würden. Jetzt aber drohe ein Gewerbegebiet mit vier Gewerken auf kleinster Fläche, „Steinbrechanlage, Metallbau, Mülllager und Bauhof“.

Nein, Streit möchten die Nachbarn alle nicht. Aber ihre Haut ist dünn geworden in den letzten Jahren. „Ostenfelde ist zum Müllabladeplatz von Bad Iburg geworden.“ „Wir sind ziemlich leidensfähig, aber irgendwo ist eine Grenze.“

Bei diesem Satz waren die 20 versprochenen Minuten längst um, die Sitzung musste fortgesetzt werden, aber „die Politik hat verstanden, worum es geht. Wir sprechen nach der Sitzung weiter“, versicherte der Ausschussvorsitzende Hannes Geesen.

Garantierte Rücksichtnahme

Dann sprang Möllerings Planer Hanno Garthaus für seinen Auftraggeber in die Bresche: Dem sei an einem guten Kontakt zu den Nachbarn gelegen, schließlich habe er diese schon vor einem guten Jahr in den Betrieb eingeladen. Auch nähmen Möllering senior und junior die Bedenken der Anlieger sehr ernst. „Beide haben auch gesagt, wir gehen nicht an einen Standort, an dem die Nachbarn alle gegen uns sind“. Also Problem gelöst?

Nein. Denn der Bauhof sei schon genehmigt. Aber Rücksichtnahme von Möllering garantiert, so Garthaus: „Ich warne davor, die Diskussion auf eine persönliche Ebene zu ziehen. Das ist gefährlich.“ Die Nachbarn blieben bei ihrer Meinung. „Es ist einfach schon zu viel passiert.“

Die Stadt steht dem Projekt bisher positiv gegenüber. Für eine Steinbrechanlage biete sich kein Standort im Ort an, dafür aber das ehemalige Sandabbaugelände, weil es ohnehin kein intakter Landschaftsraum mehr sei. Auch aus städtebaulicher Sicht habe die Möllering-Fläche mit ihrer Lage an der Bundesstraße gute Bedingungen für ein neues Gewerbegebiet.


0 Kommentare