Startschuss für Berufsschule in Kenia Bad Iburger regt Bau von Solar-Haushaltstechnik an


Bad Iburg. Fehlender Zugang zu modernen Koch-, Licht-, oder Heizquellen und zur Kommunikationstechnik mindert die Lebensqualität der Menschen in Ostafrika. Das erkannte der Bad Iburger Hans-Georg Klaphake. Seit vier Jahren setzt er sich für den Bau von energieeffizienter Haushaltstechnik in Kenia ein und ist Mitbegründer einer Berufsfachschule für erneuerbare Energien am Mount Kenia Nationalpark.

Von seinem ersten Lehrergehalt flog Hans-Georg Klaphake 1975 nach Kenia. Die damalige Urlaubsreise wirkte nach, 37 Jahre später entschließt der inzwischen pensionierte Techniklehrer, wieder in das Land zu fliegen, das ihn damals so faszinierte. Dieses Mal mit mehr Zeit und um zu helfen. Jahre lang hatte er Schüler in Georgsmarienhütte im Bereich regenerative Energien unterrichtet. Warum dieses Wissen nicht auch an die Menschen in Kenia weiter geben, die es direkt im Alltag einsetzen und davon sehr profitieren können.

Er recherchierte, wo er mit seinem Technikwissen am sinnvollsten helfen könnte, bildete sich im Solarkocher-Bau weiter. Die mit Sonnenenergie betriebenen Kocher ersparen Frauen und Kindern das mühsame Holzsammeln, das ungesunde Rauch-Einatmen und schonen die Umwelt. „In Kenia wird sonst mit Holz auf offenem Feuer gekocht. Durch die damit verbundene Abholzung geht mehr Wald verloren als aufgeforstet wird. Die Folgen - Erosion von fruchtbarem Boden und Klimaveränderung, sind für das landwirtschaftlich geprägte Land verheerend“, weiß Klaphake.

2013 errichtete er mit Unterstützung einer kenianischen NGO und dessen Vorsitzendem Mugo Dauti eine kleine Werkstatt in der Stadt Chuko am Mount Kenia und bildete einige afrikanische Handwerker in der Kocher-Produktion aus. Zurück in Bad Iburg ist er weiterhin mit Mitgliedern der Hilfsorganisation in Kontakt und beobachtet die Entwicklungen. Zusammen mit dem Verein Lernen-Helfen-Leben e.V. (LHL) und den kenianischen Freunden plante er, auch auf Wunsch der afrikanischen Behörden, ein Berufsbildungszentrum für grüne Energien am Mount Kenia.

Mit dem Bau einer solchen Berufsschule wurde im Dezember 2015 begonnen. „Eigentlich sollte schon im November gebaut werden, aber heftige Regenfälle verhinderten das. Der Lehmboden war so aufgeweicht, dass ihn die LKWs mit Baumaterial nicht befahren konnten“, berichtet Hans-Georg Klaphake. Im Februar 2016 wurde das erste Gebäude des Berufsbildungszentrums fertig gestellt. In den kommenden Wochen wird ein weiteres Schulgebäude hinzu kommen. Geplant ist außerdem ein Lehrlingswohnheim mit Küche.

Aber was nutzen Berufsschulräume ohne Arbeitsmaschinen und Handwerkszeug? Zusammen mit dem LHL-Verein beschloss der engagierte Bad Iburger nötige Dinge wie qualitativ hochwertige Tafelblechscheren, Abkantbänke und Blechbiegemaschinen in Deutschland zu kaufen, damit die Afrikaner diese Materialien nicht aus China beziehen müssten. Zahlreiche Unternehmen, wie die Metallwerkstatt Georgsmarienhütte, Firma Strautmann Bad Laer, der Georgsmarienhütter Verein technischer Erfinder oder die Berufsschule am Brink Osnabrück unterstützen Hans-Georg Klaphake. Im März wurde ein riesiger Container gefüllt mit Arbeitsmaterialien aus Deutschland nach Afrika verschifft.

Weitere Hilfe für das nachhaltige Projekt kam von Regina und Hans Schlotheuber aus Bad Iburg. Bei einem Familienfest sammelten sie 5300 Euro Spendengelder. „Eine große Hilfe um das Projekt für dieses Jahr finanziell zu stemmen“, freut sich Klaphake. Das Projekt, das Jugendlichen einen Ausbildungsplatz bietet, die Landflucht verringern soll und die Umwelt entlastet wird bis Ende 2018 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. Danach soll es selbstständig weiter laufen. Ein Siebtel der 140.000 Euro Projektkosten muss Hans-Georg Klaphake mit dem LHL-Verein aber selbst aufbringen.

Jetzt ist der Bad Iburger wieder nach Kenia. Dieses Mal in Begleitung des Photovoltaik Fachmanns Alois Plüsterer aus Osnabrück, der seine Erfahrung in derartigen Projekten und dem Aufbau von Photovoltaikanlagen einbringen wird. Zusammen werden sie weitere zehn Afrikaner zu Lehrkräften für die Berufsschule ausbilden. Bei vorherigen Aufenthalten hatte Klaphake bereits sechs Lehrer für den Solarkocherbau angelernt. Im Januar 2017 startet dann der Lehrbetrieb im Berufsbildungszentrum in Kiini. 15 Lehrlinge können ausgebildet werden, die nächsten 15 dann im Mai.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN