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Lesung im Gymnasium Literaturabend mit Rasha Khayat in Bad Iburg

Von Claudia Sarrazin


Bad Iburg. Seine zweite Lesung veranstaltete das Literaturlabor, eine neue Arbeitsgemeinschaft (AG) des Gymnasiums Bad Iburg: Diesmal war die Autorin Rasha Khayat zu Gast und stellte ihren Debütroman „Weil wir längst woanders sind“ vor.

Dank passender Dekoration hatte die Mensa des Gymnasiums Bad Iburg am Abend der Lesung wenig Kantinencharakter: Beispielsweise war die Bühne vor dem Tisch, an dem die Autorin und die beiden Moderatoren Sophia Maag und Nicolas Philipps saßen, liebevoll mit Büchern dekoriert. Gleich zu Beginn erklärte Khayat: „Ich bin noch nie so nett empfangen und gepampert worden.“ Später lobte sie die besonders gute Vorbereitung der Moderatoren.

Schüler-AG bereitet die Lesung vor

Diese beiden Moderatoren hatten sich sowohl in ihrer AG, dem Literaturlabor, als auch in einem zweitägigen Projektworkshop mit Khayats Buch befasst. „Wir waren knapp 20 Leute. Und die Fragen kamen in Teilen aus der Gruppe, und einiges kam von uns Moderatoren“, so Philipps, während Maag berichtete, dass sich die AG aus einem Workshop mit Hauke Hückstädt, dem Leiter des Frankfurter Literaturhauses, entwickelt habe. Hückstädt habe ihnen auch Khayat als Gast empfohlen.

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Das Buch und die Autorin

Rund 100 Zuhörer waren gekommen, um mehr von Khayats Geschichte von der Geschwistern Layla und Basil zu hören. Ebenso wie die Autorin waren ihre Figuren sowohl in Saudi Arabien als auch in Deutschland aufgewachsen. Die beiden funktionierten immer als untrennbare Einheit – bis Layla eine Entscheidung trifft, die alles verändert, und die niemand versteht: Sie beschließt zu heiraten. Einen Mann in der alten Heimat, Saudi-Arabien. Keine Entscheidung aus Liebe, sondern aus Prinzip.

Nun stellt sich heraus, dass die Geschwister ihre Kindheit sehr unterschiedlich erlebt haben und aus ihren Erfahrungen sehr unterschiedliche Konsequenzen ziehen. Es geht somit um die Frage der kulturellen Identität, und es geht darum, wie es ist, in zwei Welten zu leben. Stichwort: Entortung. Diese Erfahrung kennt auch Khayat, die 1978 als Tochter einer Deutschen und eines Saudi-Arabiers in Dortmund geboren wurde und ihre Kindheit in der Heimat des Vaters verbrachte. „Ich erinnere mich an eine sehr glückliche Kindheit, aber wenn ich aus deutscher Sicht darauf gucke, bekomme ich ein sehr zwiespältiges Ergebnis.“

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Die Autorin über ihre Arbeit

Am Abend in Bad Iburg las Khayat einige Szenen aus ihrem Buch, aber die Zuhörer erfuhren aufgrund der Fragerunden dazwischen auch viel über die Autorin und deren Arbeitsweise. Khayat erklärte zum Beispiel, warum sie das Erzählpräsens so mag und im Buch nutzte: „Weil man schnell in der Geschichte drin ist.“

Die Autorin verriet, dass sie beim Schreiben viel Folk-Musik gehört und sie ursprünglich aus Laylas Sicht geschrieben habe: „Das hat überhaupt nicht geklappt.“ Außerdem wies die Autorin ihre Leser auf einige Feinheiten hin: „Bei der Schneeszene habe ich sehr dumpfe Vokale gewählt.“

Khayats Meinung nach könne man in „in Saudi Arabien so gut leben, wie in Deutschland schlecht“. Das Leben sei nirgendwo schwarz-weiß. Dazu kam in Deutschland: „Erst war ich eine halbe Wüstenprinzessin, nach dem 11. September waren wir auf einmal alle Terroristen“, so Khayat. Und was den Schleier angehe, so wünsche sie sich: „Dass er irgendwann mal nur noch ein Stück Stoff ist.“ Auf die Frage, ob oft Zuhörer mit Migrationshintergrund in ihre Lesungen kämen, antwortete Khayat: „Die Leute glauben, dass das zu elitär ist. Sie glauben nicht, dass sie im deutschen Literaturbetrieb vorkommen können.“

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