Scheventorf - Ein Haus mit Geschichte Ehemalige Wasserburg in Bad Iburg

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Die Burg Scheventorf in Bad Iburg war bis ins 19. Jahrhundert hinein eine Wasserburg. (Foto Helmut Schmidt)Die Burg Scheventorf in Bad Iburg war bis ins 19. Jahrhundert hinein eine Wasserburg. (Foto Helmut Schmidt)

Bad Iburg. Zu den versteckten Sehenswürdigkeiten Bad Iburgs gehört die leider nicht öffentlich zugängliche ehemalige Wasserburg Scheventorf am südlichen Ortsausgang - östlich der vielbefahrenen Bundesstraße 51 von Bad Iburg nach Glandorf, die man sich ein Stück weiter am linken Bildrand vorstellen muss. Bekannt wurde Scheventorf vor allem wegen des Schicksals der schönen Anna von Hake, aber die jahrhundertealte Historie des Hauses ist auch ohne die traurig-schaurige Geschichte interessant.

Die Anfänge des Rittersitzes liegen im Dunkeln, indes findet das namensgebende Geschlecht derer von Scheventorf erstmals 1252 und danach häufiger in Osnabrücker Urkunden Erwähnung. Wigger von Scevintorpe war vermutlich als Ministeriale im Dienst des Bischofs von Osnabrück. Ministeriale oder auch Burgmannen, zumeist adelige Ritter, sicherten die im elften Jahrhundert entstandene fürstbischöfliche Iburg und das Kloster.

Bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts bewirtschafteten die Scheventorfs das Gut, das früher in einer teils sumpfigen, schwer zugänglichen Ebene lag und zusätzlich mit Türmen, massiven Mauern, Wassergräben und Zugbrücke befestigt war. Auf einer Karte von 1716 ist sowohl eine unmittelbar um die Burg gezogene Graft erkennbar als auch eine zweite, die sich nach Westen, also zur Straße hin, zu einem großen Teich erweiterte. Das Wasser für die schützenden Burggräben, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts zugeschüttet wurden, kam aus dem Glaner Bach.

Als Johann von Scheventorf die Wasserburg zunächst an Lubbert van Budde verkaufte, der sie 1365 an Ludwig von Hake veräußerte, blieb der Name Scheventorf dem Gebäude und den damit verbundenen Rechten erhalten. Fast 300 Jahre saß die Burgmannsfamilie Hake auf Scheventorf; ihr Wappen ist noch heute am Gebäude erkennbar. Ludwig Hake und sein Sohn Lübbert sollen als Obleute eines Schlichtungsausschusses bei Streitigkeiten zwischen dem Domkapitel und der Stadt Osnabrück erfolgreich vermittelt haben. Auch die Hakenstraße in Osnabrück und der von einem Urenkel Ludwigs 1476 gegründete Hakenhof (damals eine Armenstiftung) verdanken ihnen den Namen.

Und die Hakes waren es auch, die in der Mitte des 16. Jahrhunderts der Burg Scheventorf die heutige bauliche Gestaltung gaben. In der rechteckigen Burganlage dominiert das von üppigem Weinlaub überwucherte Haupthaus am südwestlichen Rand (rechts). Auf massiven Fundamentresten eines alten Wohnturms errichtete man das den Schönheitskriterien der Renaissance verpflichtete Gebäude mit Empfangsdiele und Saal im Hochparterre sowie Stube, Kammern und Küche. Anstelle des heute zur Straße vorgelagerten Stallgebäudes sicherte früher eine Burgmauer mit Wehrgang den Innenhof. Dieser Hof wurde besonders prächtig gestaltet; vor allem der im rechten Winkel zum Haupthaus liegende Verbindungsbau wird wegen seines ungewöhnlich alten Fachwerks aus dem Jahr 1578 geschätzt.

Auf drei steinernen Säulen ruht das Taubenhaus, das mit besonders schmuckvollen Rosetten verziert ist. An den Zwischenbau schloss sich früher ein Gefangenenturm an, der aber genausowenig wie Pforthaus, Brauhaus, Pferdestall oder der große Mühlenteich samt Garteninsel die Zeiten überdauert hat.

1662 verkaufte die Familie das Gut an den bischöflichen Hofmarschall Georg Christoph von Hammerstein, der es nur zwei Jahre später zusammen mit der benachbarten Schleppenburg gegen die bischöfliche Burg Gesmold eintauschte. So kam Scheventorf in den Besitz des Fürstbischofs Ernst August I., der mit seiner Frau Sophie von der Pfalz auf der Iburg wohnte und für die herrschaftliche Hofhaltung einen hohen Bedarf an Lebensmitteln hatte.

Zwar zog Ernst August schon wenige Jahre später mit seiner Familie nach Osnabrück, die Burg Scheventorf jedoch blieb Kammergut. Nach der Säkularisierung 1803 wurde sie Staatsgut, bevor sie Mitte des 19. Jahrhunderts in Privatbesitz kam.

Einen ganz besonderen Ruhm erhielt die einstige Wasserburg, als bei Umbauarbeiten im 19. Jahrhundert im Bereich der ehemaligen Küche ein geheimes Gelass entdeckt wurde - das Annekenloch. Ein Stuhlbein, Tonscherben und Überreste menschlicher Knochen sollen dort gefunden worden sein. Im Nachhinein schien sich die in der Bevölkerung kursierende Sage vom tragischen Schicksal der schönen Anna von Hake zu bestätigen: Es muss in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges gewesen sein, als das Burgfräulein eine unstandesgemäße Liason mit einem Knecht eingegangen war und den von ihrem Vater vorgesehenen Bräutigam, einen Ritter von Bar, verschmähte.

Außer sich vor Zorn soll der Vater selbst - so die Legende - die unbeugsame Schöne bei lebendigem Leibe eingemauert haben. 1924 veröffentlichte der Glandorfer Pfarrer Bernhard Köster den Geschichtsroman „Die schöne Anna von Hake auf Scheventorf“, der noch 1977 in dritter Auflage erschien. Und im Bad Iburger Stadtteil Ostenfelde ist der Anna-Hake-Weg nach der Unglücklichen benannt.

Dieses Motiv ist in den Geschäftsstellen der Neuen OZ in Osnabrück (Große Straße und Breiter Gang) sowie in Georgsmarienhütte (Am Rathaus 12) erhältlich. Ein Abzug (20 x 30 cm) kostet 14 Euro, das Format 40 x 60 cm 26,50 Euro.


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