Hilter weiter gegen Nordtrasse Im Tunnel durch den Freden: Ortsumgehung für Bad Iburg

Die Ortsdurchfahrt Bad Iburg: Teilweise sind dort 20000 Fahrzeuge unterwegs. Die Umgehungsstraße soll das Heilbad entlasten. Foto: Archiv/WestdörpDie Ortsdurchfahrt Bad Iburg: Teilweise sind dort 20000 Fahrzeuge unterwegs. Die Umgehungsstraße soll das Heilbad entlasten. Foto: Archiv/Westdörp

Bad Iburg. Der Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans birgt Überraschungen. Die eine: Eine Ortsumgehung für Bad Iburg rückt einen Siebenmeilenstiefelschritt näher.

Die zweite: Den Freden soll die geplante Trasse in einem 915 Meter langen Tunnel durchqueren. Und die dritte: Hilter muss weiterhin mit einer Nordumgehung durch Natrup bis zur A 33 rechnen.

Im Referentenentwurf des Bundesverkehrswegeplans (BVWP) taucht eine Umfahrung des Iburger Stadtkerns mit dem Kürzel VB, Vordringlicher Bedarf auf. „Das Projekt ist aufgrund des hohen Nutzen-Kosten-Verhältnisses vordringlich“, heißt es. Das bedeutet: Bis 2030 soll die Umgehung fertig oder zumindest begonnen sein. Kostenpunkt für die sieben Kilometer: 57,2 Millionen Euro. ( Weiterlesen: Land merkt mögliche Verlegung der B 51 vor )

Im Entwurf verläuft die Trasse von der Bundesstraße 51 in Höhe von Brockmeyers Weg rechts abzweigend über den Visbecker Ring, die Laerer Straße, die Bielefelder Straße in Höhe Albershöfen quer durch den Freden, bis sie auf dem Dörenberg in Höhe der Borgloher Straße wieder auf die B 51 stößt. ( Weiterlesen: Gedankenspiele zum Bundesverkehrswegeplan – Über Bad Iburg und Hilter von A1 zu A33 )

Die Begründung des Bundes: Die Ortsdurchfahrt habe Mängel. Teilweise beführen 19.400 Fahrzeuge die Straße. Auffällig oft komme es zu Unfällen, Abgas- und Lärmbelastung seien zu hoch. Auf der Umgehungsstraße erwarten die Planer 13.000 Fahrzeuge am Tag, davon zwölf Prozent Lkw.

Und plötzlich rückt die Tunnellösung wieder in den Fokus, die bisher als zu teuer galt: „Der Bund hat offenbar erkannt, dass er ohne nicht auskommt“, interpretiert Dr. Frank Engelmann den BVWP-Entwurf. Für den stellvertretenden Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Osnabrück ist vor allem der hohe Nutzen-Kosten-Wert von 7,5 im Entwurf auffällig. „Das ist ein Topwert, der zeigt, dass dem Bund das Projekt sehr wichtig ist.“

Die Variante des Verlaufs durch Glane und den Freden sei auch die von der Landesbehörde favorisierte. Deshalb sei die Trasse auch schon 2003 für den BVWP gemeldet worden. Sie wurde damals noch mit „Weiterer Bedarf“ gekennzeichnet. ( Weiterlesen: Zehnjahresplan für Verkehrslösung im Südkreis )

„Der Kurort soll entlastet werden“, sagt Engelmann, der das Projekt für einen Glücksfall für Iburg hält. Die städtebauliche Bedeutung der Umgehung sei hoch, so der Bund, die „Umweltbetroffenheit“ mittel. 3665 Einwohner würden entlastet, niemand neu oder stärker betroffen als bisher, so heißt es im Entwurf. Gut 26 Hektar Land verbraucht die neue Straße, die auch durch Ackerland, Waldflächen und FFH-Gebiet verläuft. ( Weiterlesen: „Die Ortsumgehung muss kommen“ )

„Die Trasse liegt nördlich der L 97 in einem Großsäugerfunktionsraum und schneidet einen Kern- und Großraum im Netzwerk der Waldlebensräume an. Auch hier wurden aufgrund der Tunnelführung Eingriffe bereits vermindert“, so der Entwurf.

Iburgs Bürgermeisterin Annette Niermann will vor einer Stellungnahme zum Entwurf zunächst mit der Politik reden. Was die Glaner, Iburger und Sentruper von dem Schriftstück halten, können sie per Internet oder Brief bis 2. Mai ans Bundesverkehrsministerium melden .

Genau wie die Hilteraner. Die werden von einem anderen Projekt im BVWP-Entwurf tangiert: Einer Ortsumgehung von der L 97 zur A 33, die mitten durch Natrup führt, konkret ab Höhe Auf der Waldheide nach Nordosten verschwenkend, über die Straße An der Horst, die Natruper Straße, Danziger Straße und Ludwig-Hartmann-Straße bis hin zur Autobahnauffahrt Hilter.

Dieses 41,4-Millionen-Projekt ist als „Weiterer Bedarf*“ eingestuft. Mit dem Sternchen gibt der Bund dem 9,7 Kilometer langen zweistreifigen Bau Planungsrecht und dem Land den Auftrag „Da kannst Du Dir jetzt Gedanken machen“, so Engelmann.

Der Bund rechnet auf der Hilteraner Nordumgehung mit 9000 Fahrzeugen pro Tag, davon 13 Prozent Lastwagen.

Auch hier wird die städtebauliche Bedeutung als hoch, die Umweltbetroffenheit als mittel eingestuft. Der Schaden für die Umwelt liege bei 6,7 Millionen Euro, das Nutzen-Kosten-Verhältnis bei 4,3. Damit ist das Projekt wirtschaftlich. Innerörtliche Entlastungen stellten sich auf einem Kilometer Länge ein.

Im Entwurf heißt es: „Der Landkreis Osnabrück und die Gemeinden haben eine Neuordnung des Straßennetzes und Straßenneubaumaßnahmen im Südkreis Osnabrück gefordert, die nach ihrer Auffassung zur Entlastung von Ortsdurchfahrten – insbesondere von Bad Iburg – erforderlich ist. Der Landkreis hat dazu ein Verkehrskonzept entwickelt, das eine Verlegung der B 51 von südlich Bad Iburg bis nach Hilter mit einem Anschluss an die A 33 vorsieht. Dazu gehören die Ortsumgehungen für Bad Iburg, Glane und Hilter im Zuge der L 97 und L 98.“

Die Hilteraner hatten schon 2008 deutlich gemacht, dass sie von einer Umgehung nichts halten: „Mit unserem einstimmigen Ratsbeschluss haben wir ganz klar kundgetan, dass Hilter sowohl den Bau einer Nord- wie auch einer Südumgehung ablehnt“, betonte der damalige Bürgermeister Wilhelm Wellinghaus mit Blick auf das Verkehrskonzept für das südliche Osnabrücker Land. ( Weiterlesen: Wellinghaus – Für Hilter ist keine Umgehungsstraße geplant )

„Es bleibt bei der ganz entschiedenen Ablehnung dieser Trassenführung“, erklärt auch sein Nachfolger Marc Schewski. Eine Trasse durch die Hügellandschaft mit einer Durchtrennung von Natrup sei „nicht erbaulich“ und „kaum verständlich“, das Konzept des Landkreises in die Jahre gekommen. „Wir müssen über Alternativen nachdenken und dafür mit allen Beteiligten sprechen“, so Schewskis Appell.

Niermann hat Verständnis für die Hilteraner Ablehnung. „Wir müssen mit allen Nachbarn reden, auch mit Lienen“, sagt sie. Eine Entlastung der B 51 durch die neuen Trassen hält sie in Zeiten von Navis für einen Trugschluss. „Ich glaube nicht, dass sich Nord-Süd-Verkehr in West-Ost-Richtung umleiten lässt.“

2011 stufte der BUND die Hilteraner Ortsumgehung als „besonderes ökologisches Risiko“ ein. Aber, heißt es in der Erläuterung zum BVWP-Entwurf: „Für Vorhaben des Weiteren Bedarfs werden hingegen voraussichtlich erst nach 2030 Investitionsmittel zur Verfügung stehen.“

Bundestag und Bundesrat sollen im Herbst über den Entwurf abstimmen. Damit ist für 2017 ein rechtskräftiger Bedarfsplan zu erwarten.


3 Kommentare