Bauern mit gläserner Nährstoffbilanz Bad Iburger Gerd Brinkmann ist Ferkelzüchter mit 230 Sauen


Bad Iburg. Landwirt Gerd Brinkmann hat einen der 15 landwirtschaftlichen Vollerwerbshöfe in der Region um Bad Iburg. Er ist außerdem Vorsitzender des Ortslandvolkverbandes Glane-Bad Iburg.

Teilt er das Kommunalgebiet in seine Ortschaften Bad Iburg, Ostenfelde, Glane-Visbeck und Sentrup auf, gibt es außer im Kurort noch jeweils fünf Landwirte in den Ortschaften.

Für Gerd Brinkmann sind diese Zahlen auch deshalb von Bedeutung, weil er Vorsitzender des Ortslandvolkverbandes Glane-Bad Iburg ist. Schon in der Benennung zeigt sich, dass der Hauptort in der Landwirtschaft eine eher unbedeutende Rolle einnimmt. 93 Mitglieder zahlen noch ihre Verbandsbeiträge, vor 20 Jahren gab es noch etwa 40 Vollerwerbsbetriebe.

Kein Erntedankfest mehr

Es liegt auch wohl an der Arbeitsbelastung auf den Höfen, dass gemeinschaftliche Aktionen weniger werden. Brinkmann erinnert sich daran, dass seit zehn, fünfzehn Jahren kein Erntedankfest mehr gefeiert wird. Nur die Kirchen würdigen diesen Tag entsprechend. Wie in anderen Bereichen der Gesellschaft geht die Begeisterung für den ehrenamtlichen Einsatz auch beim Landvolk zurück. Der letzte Bauernmarkt fand im September 2012 in Bad Laer statt. Wann die nächste Veranstaltung dieser Art stattfindet, steht noch nicht fest. Brinkmann hat den Bauernmarkt 2005 auf seinem Hof ausgerichtet und weiß um seinen Wert: In den Gesprächen können Brücken zwischen Landwirtschaft und Kritikern gebaut und den Stadtmenschen deutlich gemacht werden, dass Gülle ein Naturdünger ist und nicht aus Jux und Dollerei auf die Felder ausgebracht wird.

Nach dem Bauernmarkt auf Brinkmanns Hof beteiligte sich die Familie am Projekt Sommerflimmern des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land. 2014 kamen 230 Besucher zur abendlichen Filmvorführung unter freiem Himmel, im letzten Jahr waren es 280. In diesem Jahr haben sich Brinkmanns ausgeklinkt, weil mehrere Familienfeste anstehen. Nun findet das Sommerkino auf dem Hof Obermeier in Sentrup statt.

Seit drei Jahren ist Gerd Brinkmann Vorsitzender des örtlichen Landvolks. Seine Mitglieder sieht er zur Jahreshauptversammlung und zu drei Feldbegängen, von denen einer traditionell mit Gästen erfolgt. Zu einer Südkreisversammlung mit den Verbänden Bad Rothenfelde, Dissen, Hilter und Bad Laer kommen 50 bis 60 Berufskollegen, um sich von Fachleuten informieren zu lassen.

230 Schweine

Brinkmann ist Ferkelzüchter mit 230 Sauen. Er bewirtschaftet 75 Hektar Land und sechs Hektar Wald. Er baut Futtergetreide wie Gerste, Weizen, Triticale und Mais an, das er in der hauseigenen Mühle schrotet. Dadurch ist er in der Lage, das Futter nach eigener Rezeptur selbst zu mischen. Im Ortsverbandsgebiet (etwa 2500 Hektar) gibt es weitere sieben Schweinebetriebe, drei Milchviehhöfe, vier Bullenmäster, daneben Gemüse- und Spargelanbauer sowie Pferdehöfe.

Kommt das Gespräch auf Themen wie Massenviehhaltung, Gülle, Unkrautvernichter Glyphosat und Pflanzenschutzmittel wiegelt Brinkmann nicht ab. Er kennt die Sorgen in der Bevölkerung, hat aber festgestellt, dass zu oft zu undifferenziert argumentiert wird. Die öffentliche Debatte dieser Themen sei von Misstrauen geprägt, das sich kaum auflösen lasse, obwohl die Nährstoffbilanzen transparent sind. Ferkelzüchter Brinkmann öffnet die nach der Düngeverordnung behördlich verlangten Nährstoffnachweise, in denen er alle Bestandstoffe in der Gülle haarklein notiert. Das sind die für die Pflanzen wichtigen Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphat, Kalium, Magnesium sowie Spurennährelemente.

Im Nährstoffvergleich wird dokumentiert, wieviel Dünger auf die landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht wurde und wieviel davon die jeweiligen Feldfrüchte verbraucht haben. Passt die Kalkulation nicht, weil Grenzwerte überschritten werden, drohen Betriebsüberprüfungen, im schlimmsten Fall Bußgelder oder Prämienkürzungen. Brinkmann: „Kein Landwirt will das“.

Die meisten Kollegen würden den Naturdünger mit modernen Schleppschuh- oder Schlitzscheiben-Systemen in die obere Bodenschicht einbringen, wo er der Pflanze direkt zur Verfügung steht. Immer mehr Landwirte gehen dazu über, denn mit den alten Systemen wie Prallteller und Schwenkdüsen gehen wertvolle Düngestoffe auf dem Weg in den Boden verloren. Weiterer Vorteil: Es stinkt nicht mehr zum Himmel, wenn gedüngt wird.


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