Schlägerei in Iburger Kneipe Auf bewusstloses Opfer eingetreten: Bewährung

Von Danica Pieper

Sechs Monate auf Bewährung erhielt ein Bad Iburger, weil er in einer Kneipe einen Gast vom Hocker schlug und trotz dessen Bewusstlosigkeit auf ihn eintrat. Symbolfoto: Colourbox.deSechs Monate auf Bewährung erhielt ein Bad Iburger, weil er in einer Kneipe einen Gast vom Hocker schlug und trotz dessen Bewusstlosigkeit auf ihn eintrat. Symbolfoto: Colourbox.de

Bad Iburg. Weil er einem Gast in einer Bad Iburger Kneipe so heftig ins Gesicht schlug, dass dieser vom Hocker fiel und er anschließend noch auf sein bewusstloses Opfer eintrat, verurteilte das Amtsgericht Bad Iburg einen 54-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Der Tat war ein Streit vorausgegangen, bei dem der Angeklagte den homosexuellen Gast als „schwule Sau“ beschimpft haben soll.

  • Im März 2015 eskalierte in Bad Iburg eine „Theken-Kabbelei.“
  • Der Täter trat auf das am Boden liegende Opfer ein
  • Das Urteil: Sechs Monaten auf Bewährung, zudem muss der Mann seinem Opfer 1000 Euro Schadenswiedergutmachung zahlen.

Der Angeklagte aus Bad Iburg gab an, am Tatabend des 7. März mit drei Bekannten in der Gaststätte gewesen zu sein und mit ihnen getrunken zu haben. Dort habe sich ein 33-jähriger Gast mit dem späteren Geschädigten, einem 51-Jährigen, wiederholt an der Theke „gekabbelt“, woraufhin er schließlich dazu gekommen sei. Der 51-Jährige habe allerdings nur „Verpiss dich, Arschloch“ und „Hau ab“ zu ihm gesagt, sodass er ihm eine Backpfeife habe geben wollen, ihn jedoch nur mit zwei Fingern streifte. Daraufhin sei der 51-Jährige zu Boden gegangen. Möglicherweise habe er sich absichtlich vom Hocker fallen lassen, erklärte der Angeklagte: „Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber es kam mir so vor.“ Der Beschuldigte bestritt, den am Boden liegenden Gast getreten zu haben. Er sei beim Herausgehen über ihn gestiegen und habe ihn dabei mit dem Fuß erwischt.

Schlag ins Gesicht

Der Geschädigte sagte aus, mit einigen Bekannten am Tresen geknobelt zu haben, wobei er sich durch die laute Stimme des 33-jährigen Gastes gestört fühlte. Er habe diesen gebeten, etwas leiser zu sein, bis der Angeklagte dazu gekommen sei und von ihm gefordert habe, den anderen Gast in Ruhe zu lassen. Auch habe er ihn „schwule Sau“ genannt. Der 51-Jährige erklärte, plötzlich einen Schlag im Gesicht gespürt zu haben. Er sei zu Boden gefallen und habe das Bewusstsein verloren, möglicherweise weil er mit dem Kopf auf den Heizkörper geknallt sei. Als er aufwachte, habe er Schmerzen am Kopf und an der Brust gehabt, zudem habe er im Gesicht und am Kopf geblutet.

Wirtin bestätigt Aussage

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Die Wirtin bestätigte, dass es zwischen den 33-Jährigen, dem Geschädigten und dem Angeklagten etwas lauter geworden sei. Sie habe dann den 33-Jährigen abkassiert, als der 51-Jährige plötzlich auf dem Boden lag. Der Angeklagte habe ihm auf den Oberkörper getreten, woraufhin sie ihn aufforderte das Lokal zu verlassen. Beim Hinausgehen habe er den regungslosen Mann noch einmal getreten und „Scheiß Schwule“ geschimpft.

Prellungen und Platzwunden

Auch mehrere Gäste beobachteten den Vorfall zumindest teilweise. Eine 26-jährige Glandorferin hörte ein Klatschen, bevor der Geschädigte zu Boden ging und mindestens zweimal von dem Angeklagten getreten wurde. Auch dass der 54-Jährige ihn eine „schwule Sau“ genannt habe, habe sie gehört. Der Geschädigte habe den Beschuldigten ebenfalls verbal provoziert, sie konnte sich jedoch nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern. Zwei weitere Zeugen bestätigten, dass der 51-Jährige am Boden lag, wobei der eine von ihnen sich sicher war, dass der Geschädigte nicht bewusstlos war. Auch der 33-jährige sah den 51-Jährigen am Boden liegen. An ein Wortgefecht mit ihm konnte er sich jedoch nicht erinnern.

Geschädigter mit einigen Verletzungen

Der Geschädigte, der auch Nebenkläger war, erlitt Prellungen am Oberkörper, ein Schädel-Hirn-Trauma sowie zwei Platzwunden. Zum Tatzeitpunkt litt er an einer durch einen Autounfall verursachten Belastungsstörung, die sich durch die Tat manifestiert habe, wie seine Anwältin erklärte.

Die Staatsanwältin sah die Anklagevorwürfe bestätigt. Zwar sei der Angeklagte nicht vorbestraft, es zeuge jedoch von einer kriminellen Energie, dass dieser auf sein bewusstloses Opfer eingetreten habe. Sie forderte eine Bewährungsstrafe von vier Monaten und Schadenswiedergutmachung. „Sie sind ziemlich brutal vorgegangen“, kritisierte die Vertreterin der Nebenklage den Angeklagten. Dieser habe auch keinerlei Versuche unternommen, sich bei ihrem Mandanten zu entschuldigen. Sie forderte eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten und Schadenswiedergutmachung in Höhe von 1000 Euro.

„Wie Müll behandelt“

Der Vorsitzende Richter schloss sich den Ausführungen seiner Vorrednerinnen an. Die Verletzungen des Opfers sprächen für einen kräftigen Schlag und nicht nur für das bloße Streifen mit zwei Fingern. Die Tritte hätten zwar keine empfindlichen Körperteile wie den Kopf getroffen, seien jedoch in hohem Maße verwerflich: „Sie haben einen Menschen wie Müll behandelt, Sie sind einfach auf ihn draufgetreten“, so der Richter. Es gehöre schon einiges dazu, jemanden so entwürdigend zu behandeln. Zugunsten des Angeklagten nahm er an, dass dieser nicht generell homosexuellenfeindlich sei, sondern sich zu solch „blödsinnigen“ Aussagen habe hinreißen lassen. Er verurteilte den 54-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten, zudem muss er als anrechenbares Schmerzensgeld 1000 Euro an sein Opfer zahlen.