Virtuelles Vogelgezwitscher Zum Piepen: Iburg hat `ne Kunst-Meise im Knotengarten

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Bad Iburg. Künstliches Vogelgezwitscher in einem Garten? Heißt das nicht Eulen nach Athen tragen? Oder deutlicher: Haben die, die sich das ausgedacht haben, vielleicht eine – Verzeihung – Meise? Hören wir mal rein.

Seit zwei Jahren schmiegt sich der Knotengarten an den Sonnenhang des Schlossbergs . Für den besten Blick auf Kies, Buchs und Lavendel bietet sich die Vogelperspektive von der Klotzbahn an.

Ist man erst einmal drin, stellt man fest: Hier ist nichts los. Und das ist Programm. Ein Verweilgarten soll er sein. Adlerhorst und Ruhepol über den Auto- und Hausdächern des Tals.

Einmal drumherum laufen, einmal mit den Augen den verschlungenen Buchsbaumsträngen folgen, einmal am Lavendel schnuppern, sich auf eine Bank setzen und dem sanften Vogelgezwitscher überlassen. Wie schön! Es zilpt und zirpt. Wie das so ist in einem Park. Vom Baum? Auch.

Eine ganze Vogelschar versteckt sich in der Eibenhecke hinter der Bank. Gut getarnt in einem grünen Ei, das die Landschaftsarchitekten ins Geäst gelegt haben. Gibt der Bewegungsmelder Alarm, tschilpt es stundenlang aus dem Lautsprecher – einer Vogelstimmen-CD sei dank.

Sanft übertönt wird die virtuelle Vogelschar vom Rauschen der Technik. Es mischt sich trefflich mit dem Brausen der B 51. Auch das ist, man höre und staunen, Absicht. Wer‘s nicht weiß, wird gar nicht merken, dass er hier von einer Klanginstallation beglückt wird.

Die Idee ist Teil des Masterplans für den Schlossberg und den historisierenden Knotengarten. Auf 3500 Quadratmeter greift Bad Iburg auf die Gartengeschichte des 16. Jahrhunderts zurück.

Die niedersächsische „Landesinitiative Gartenhorizonte“ hat die Umgestaltung gefördert. Denn solch einen Garten hat nicht jeder. Grund genug, sich damit auf der Grünen Woche zu präsentieren und um die Landesgartenschau zu werben.

Den Masterplan hat das Büro von Prof. Dirk Junker entwickelt. Den besonderen Pfiff für den Garten dachten sich Studenten der Freiraumplanung, des Fachs „Interactive Media Design“ und Musik in einem interdisziplinären Workshop der Hochschule Osnabrück aus, wie Junker berichtet.

Klangkünstlerin Tanja Hemm hat die Idee realisiert. „Die Herausforderung war: Wie lässt sich die dominante Straße integrieren.“ Weil diese sich nicht übertönen lasse, müsse man vorhandene Elemente verstärken, „sodass nicht klar ist, ob der Sound ein beigegebener oder vor Ort entstehender ist. Auf alle Fälle bindet er den Hörer stärker in die Wahrnehmung des Ortes ein“. Das Piepen aus der Hecke stamme sogar original vom Federvieh am Schlossberg.

Was die Spatzen noch nicht von den Dächern pfeifen. Sie bekommen Gesellschaft. Auch das eine Idee der Studenten, so Junker. Geplant ist, das Geplätscher des Kohlbachs in den Knotengarten zu übertragen. Allein die Technik entpuppt sich derzeit noch als Luftnummer, heißt es aus dem Rathaus. Und mit finanziellen Kanonen auf Spatzen schießen will sie auch nicht.

Um 21 Uhr pfeift die künstliche Vogelschar übrigens aus dem letzten Loch, rauscht nur noch die Bundesstraße. Dann befiehlt die Zeitschaltuhr: Schnabel halten. Die echte Amsel plustert sich um diese Zeit kräftig und hat immer noch einen Triller in petto, auch ohne Pony.


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