Gutachten beziffern Kosten mit 2,2 Millionen Euro Sanierungsstau bei Bad Iburger Realschule

Von Frank Muscheid

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Luftbild der Realschule in Bad Iburg. Die Flachdächer sind teilweise undicht. Foto: Gert WestdörpLuftbild der Realschule in Bad Iburg. Die Flachdächer sind teilweise undicht. Foto: Gert Westdörp

Bad Iburg. Ernüchterung im Bad Iburger Schulausschuss, der in der Mensa des Gymnasiums tagte: Rund 2,2 Millionen Euro soll die Beseitigung auch sicherheitsrelevanter Mängel an der Realschule kosten. Die Planungsbüro Rohling AG (pbr) und Brandschutz-Sachverständiger Marcel Wijnveld stellten ihre Gutachten vor.

Laut pbr-Architektin Andrea Cordes entfallen rund 1,04 Millionen Euro auf die Baukonstruktion, rund 543000 Euro auf die technischen Anlagen, 436000 Euro auf Baunebenkosten, 159000 Euro auf Außenlagen und etwa 26000 Euro auf die Schadstoffsanierung. So stand im November eine Wasserfläche auf einem Flachdach eines Altbaus von 1968, dessen Dachpappe sich auflöse. Andere Altbauten-Dächer sacken weg: „Sie müssen gewartet werden“, sagt Cordes. An einem Altbau dokumentiert sie Risse, am Anbau von 1997 Feuchtigkeits-Schäden an Innen- und Außenmauer. Fallrohre scheinen dort undicht zu sein, die Gründe müssten aber genauer untersucht werden. Immerhin: „Am Neubau ist alles in Ordnung.“

Archivbericht über die Multifunktions-Aula unter http://www.noz.de/lokales/bad-iburg/artikel/86279/ersatz-fur-den-bad-iburger-kurhaussaal

Die Realschul-Mensa entstand 2010. Viele Aluminium-Außenfenster und -türen der Altbauten stammten noch von 1968 und seien gegen moderne mit Isolierglas auszutauschen, so Cordes, die Kunststofffenster des Anbaus sind nur verschmutzt. An den Altbauten sei der Sonnenschutz teilweise zu erneuern. Bei den Treppen erfüllen Absturzsicherung, Handlauf, fehlende Stufenmarkierung für Menschen mit Sehbehinderung und ein Blindfenster ebenso wenig heutige Sicherheitsvorgaben wie die Drahtfenster im Anbau. Im Trinkwassernetz könnten sich durch abgeklemmte Leitungen Legionellen bilden, Automatik-Armaturen oder ein Entnahme-Plan etwa für die Ferien wirke dem entgegen. Thermostate fehlten oder seien veraltet. Noch nicht berücksichtigt und untersucht seien Risiken der Dachkonstruktion und der Flurtrennungen für den Brandschutz.

Neue Tür

Für den empfiehlt Marcel Wijnveld, dessen Aufstellung in die der pbr einfloss, eine neue Ausgangstür für 8000 Euro, eine Rauchabzugseinrichtung für 5000 Euro, Brandschottungen und Wärmedämmung für etwa 8500 Euro und Brandschutzklappen für die Lehrküche für 2800 Euro einzubauen oder zu erneuern – sowie für rund 134000 Euro mehrere Türen zu erneuern oder gegen Rauchschutztüren auszutauschen. Eine komplette Sicherheitsbeleuchtung koste 60000 Euro, eine Zu- und Abluftanlage für den Multifunktionsraum 176000 Euro, eine Hausalarmanlage, die Brandlasten in Fluchtwegen kompensiere, 40000 Euro, technischer Brandschutz 13000 Euro.

„Sanierung mit Augenmaß“

Die 70er-Jahre-Deckenvertäfelungen aus Holz seien für den Pausenraum ebenso bedenklich wie über Fluchtwegen. Diese seien, erklärt Wijnveld, oft verschlossen: Wenn hunderte Schüler „mit Gewalt“ zu einer Tür kämen, sei es für den Hausmeister schwierig, diese aufzuschließen. Die Schulleiter verwehren sich aber gegen das Minus für die Brandschutzorganisation, das Wijnveld nach eigenen Angaben deswegen ausstellte, weil ihm keine Dokumentationen vorlagen. Brandschutzübungen, so etwa Realschulleiter Dirk Jansen, gebe es mehrfach im Jahr, die Feuerwehr erkläre Schülern und Personal beispielsweise die Feuerlöscher. Die Schulleitungen sagen, mit ihnen sei nicht gesprochen worden, nur die Hausmeister hätten an den Rundgängen teilnehmen sollen. Der Brandschutz war auch für alle drei Bad Iburger Grundschulen untersucht worden. Es sei sehr viel „parallel gelaufen“, so Hauptamtsleiter Christian Kamlage dazu. So sei der Brandschutzbeauftragte des Landkreises im März da gewesen, hätten die Hausmeister zwischenzeitlich kleinere Mängel beseitigt, bevor der Gutachter kam. Die Gutachten überarbeitet Wijnveld nun und sagt: Statistisch könnten 90 Prozent aller Brände mit einem Feuerlöscher gelöscht werden. Im Kern, so Kamlage, gehe es allerdings um bauliche Mängel. Auch, wenn etwa über eine Zusammenlegung der Grundschulen nachgedacht werde – „wir wollen sie auf jeden Fall noch vier bis fünf Jahre betreiben“. Wichtig sei daher, die Schulen mit Augenmaß zu sanieren.


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