Zum zehnten Mal ein Jahr mit der Kunst Landschaftsverband zeigt Arbeiten von acht Studierenden

Von Dr. Stefan Lüddemann


Bad Iburg. Zum zehnten Mal zeigt der Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. seine Kunstausstellung. Titel „Alte Apotheke - Neue Kunst“.

Weniger ist mehr: Der Spruch klingt abgenutzt. Auf der Iburg verfängt er jetzt hingegen. In der neuen Ausstellung „Alte Apotheke – Neue Kunst“, die 2006 zum ersten Mal ausgerichtet wurde, sind jetzt nur noch acht Studierende aus dem Fachgebiet Kunst der Universität Osnabrück vertreten. Das Resultat ist eine im Vergleich zum Vorjahr trennschärfer präsentierte und qualitativ hochwertigere Ausstellung. Mit Peter Möller kommt ein „etablierter“ Künstler hinzu, dessen Wahrnehmung auch in der Region gerade erst so richtig begonnen hat. 2014 erhielt Möller den Kunstpreis des Landschaftsverbandes . Zur bloß regionalen Erscheinung ist er damit nicht gestempelt. Zum Glück, denn Möllers ebenso penible wie fantasievolle Recherche in den Untiefen der eigenen Regionalidentität braucht keinen überregionalen Kunstvergleich zu scheuen.

Im Erdgeschoss der Alten Hofapotheke der sogenannte etablierte Künstler, in den Räumen darüber und in den Sofienräumen die Gemälde, Grafiken und Fotos sowie Installationen der Studierenden – nach diesem Raumschema funktioniert jede Ausgabe der Ausstellungsreihe.

Peter Möller gibt der Präsentation dabei Dringlichkeit und Präsenz. Den Empfangsraum der Alten Hofapotheke verwandelt er kurzerhand zu einem Teil seiner „Möllerei“, einer mit den Medien von Installation, Objekt, Buch und Zeichnung ausgeführten Recherche in der eigenen Familien- und Heimatgeschichte. Was Möller in Zeichnungen kartiert, die er zu kleinen Wandatlanten komponiert, macht er in Objekten fast schmerzhaft präsent – die Beobachtung, wie sehr in der familiär vermittelten Tradition Lust und Last beieinanderliegen. Möller hat ein Foto seines Großvaters gehängt. Das ist allerdings in einen Rahmen eingefügt, der aus Gewehrpatronen gebaut und mit einer Kaiserkrone bekrönt ist. Das Ganze ergibt ein Votivtäfelchen des Nationalismus. Möller kombiniert weitere Objekte, wie etwa den Nachbau einer simplen Feuerstelle, mit komplexen Zeichnungen, die Alltagsfunde perspektivenreich ausbreiten. Möllers Werke zeigen Heimat als unverhoffte Fremde.

Mit solcher Intensität können Studierende der Kunst nicht einfach mithalten. Das macht aber nichts. Die Präsentation auch ohne unangebrachte Leistungsvergleiche in allen Punkten sehenswert aus. Nach den Ausstellungen der vergangenen Jahre sticht besonders heraus, dass mit den Bildern von Lea Kröger endlich auch wieder eine gehaltvolle malerische Position zu sehen ist. Kröger verarbeitet das Motiv der „Fallenden“ in Bildräumen, die Silhouetten mehrerer wie im Höllensturz fallender Figuren in ein großes Drama der Hell-dunkel-Wirkungen integrieren. Über alle Bebilderung eines literarisch stark besetzten Themas hinaus macht Lea Kröger ihr Motiv zum Gleichnis einer existenziellen Grundbefindlichkeit des Menschen.

Deutliche Akzente setzen auch Svea Buschmann mit ihren Siebdrucken von fließenden Wassern und Wiebke Dembinski mit ihren Radierungen von Wellen, Strudeln, Gischt. Beide Studierende zeigen klar disponierte, künstlerisch gut gearbeitete Blätter und unterstreichen damit das anspruchsvolle Niveau, mit dem am Fachgebiet Kunst der Universität in den Grafischen Techniken gearbeitet wird.

Weitere starke Positionen markieren Helena Ruf mit ihren „Janusköpfen“, wirkungsvollen C-Prints mit Motivüberblendungen sowie Nora Barsch mit ihren Lithografien nach Georg Büchners Novelle „Lenz“ und Anja Boklage mit ihren raumgreifenden Reliefs, die an die „Migofs“ von Bernard Schulze erinnern. Weitere Beiträge der Ausstellung kommen von Tale Inger Ulbrich, Lukas Gruenke, Stefan Diersmann und Julia Flachmeyer.

Bad Iburg, Iburg, Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V.: Alte Apotheke – Neue Kunst. Bis Sommer 2016. Mo.–Fr., 9–12 Uhr und nach Vereinbarung. Info: www.lvosl.de ; Tel. 05403/72455-0


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