Musikalisch verrückter Abend Talkin‘ Jazz begeistert in Bad Iburger Schlossmühle

Von Rolf Habben

Meine Nachrichten

Um das Thema Bad Iburg Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Heizten mit virtuosen Soli-Einlagen, eigenwilligen Interpretationen und Klassikern die Schlossmühle zum Ende der Wintersaison schwungvoll, gekonnt und gut gelaunt auf, die Osnabrücker Band Takin´ Jazz. Foto: Rolf HabbenHeizten mit virtuosen Soli-Einlagen, eigenwilligen Interpretationen und Klassikern die Schlossmühle zum Ende der Wintersaison schwungvoll, gekonnt und gut gelaunt auf, die Osnabrücker Band Takin´ Jazz. Foto: Rolf Habben

Bad Iburg. Sprechender Jazz? Sprechen wir über den Jazz? Oder spricht der Jazz zu uns? Wie auch immer. Auf all diese Fragen, wenn sie denn gestellt wurden, hatten die Mannen von „Talkin‘ Jazz“ jetzt in der Bad Iburger Schlossmühle die passenden Antworten, verbal wie instrumental. Mit der Verpflichtung der Band ist der Tourist-Information im Kurort zum Abschluss der Wintersaison in der Reihe „Jazz in der Schlossmühle“ einmal mehr ein großer Wurf gelungen.

In den instrumentalen Sets hielt die Formation es eher mit E.T.A. Hoffmanns Postulat, wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an. Und genau das demonstrierte „Talkin‘ Jazz eindrucksvoll, ohne Frank Sinatras Bekenntnis „Too marvelous for words“ durchgängig einzuhalten. So führten die Musiker das Publikum getreu ihrer bereits 1999 veröffentlichten Doppel-CD „Talkin‘ Jazz – A Splendid Night“ durch einen ebenso unterhaltsamen wie musikalisch „verrückten“ Abend. Denn ihr Programm zeichnete sich nicht allein durch den Swing der 30er und 40er Jahre aus. Ausflüge in modernere Gefilde des Mainstream- und Latin-Jazz sind ihnen ebenfalls nicht fremd. Bearbeitungen von Big-Band-Klassikern von Count Basie bis zu Duke Ellingtons „Take the A-Train“ und dessen „Mood Indigo“ , aber auch lateinamerikanische Rhythmen fanden sich im abwechselungsreichen Repertoire wieder und lockerten das Konzert wohltuend auf. Sinatras „Fly me to the moon“ oder Louis „Satchmo“ Armstrongs „Hello Dolly“ animierten die Besucher wiederholt zu Szenenapplaus.

Mit dem Beatles-Titel „Can‘t buy me love “ („Die haben den Song von uns übernommen“) wagten sich die Musiker sogar an die Popmusik der 60er-Jahre heran, ebenso gekonnt wie eigenwillig interpretiert. Ob Ralph Schulte an der Trompete, Christian Kessen-Albers an der Tuba, oder Mathias Kessen-Albers am Piano, Alexander Zeh am Bass sowie Carsten Schreiner an den Schlagstöcken, jeder hatte genügend Freiraum für ausgedehnte bemerkenswerte Soli innerhalb der ebenso virtuos wie schwungvoll dargebrachten Klassiker. Schulte als Bandleader, der keiner sein will („Wir sind eine Solidargemeinschaft und total kommunistisch“), führte humorig durch das Programm.

Als Überraschungsgast griff das langjährige Mitglied der Band Dietrich Beinecke wiederholt zum Saxofon. Beinecke hatte 21 Jahre in der Band gespielt und will aus Krankheitsgründen künftig kürzertreten. Seinen Platz nimmt kongenial Oleg Schmidt ein. Beineckes Eigenkompositionen „Nina“ oder sein „Hurry up“ mit deutschem Text waren aber beileibe nicht die Aufforderung zur Eile. Die „Bourbon Street Parade“ führte die Band schließlich in die Jazz-Hochburg New Orleans, Heimat des legendären „Satchmo“ Armstrong , dessen „What a wonderful world“ einen ebenso würdigen wie emotionalen Schlusspunkt in einem bemerkenswerten Konzert setzte.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN