Hilfsteam berichtet aus Rumänien Rund 1000 Weihnachtspakete aus Bad Iburg


Bad Iburg. Mit „ganz viel schönen, aber auch schlimmen Eindrücken“, wie sie sagen, sind die drei Mitglieder von der Bad Iburger Rumänienhilfe, Renate und Rainer Schulz und Yvonne Sergkanis, aus der westrumänischen Stadt Ciacova zurückgekehrt. Die dreitägige Reise im Dezember haben sie auf eigene Initiative unternommen, um zukünftig aus erster Hand vom Hilfsprojekt berichten zu können, das sie und viele andere Leute aus Bad Iburg und Glane schon seit sieben Jahren unterstützen.

Ein paar Tage vor ihrer Abreise am 7. Dezember rollte wieder ein Lkw, vollbepackt mit 1000 gespendeten Weihnachtspaketen aus Glane, zuerst nach Oberhausen und von dort im Konvoi mit anderen von der Caritas Oberhausen zur Verfügung gestellten Lastern nach Rumänien. Das Ehepaar Schulz und Yvonne Sergkanis waren dabei, als die Pakete in Ciacova von einem niederländischen Helfer im Nikolauskostüm im Kinderheim, im Altenheim, Frühförderzentrum und Krankenhaus verteilt wurden.

Außerdem brachten sie zusammen mit Hans Rosenkranz, dem Leiter der ehrenamtlichen Rumänienhilfe am St.-Clemens-Hospital Oberhausen-Sterkrade, auch Weihnachtsgeschenke in eine Sinti-Siedlung am Rand Ciacovas. „Die Kinder haben uns gedrückt, ,I love you‘ gesagt“, berichtete Renate Schulz gerührt. Es sei unglaublich, wie diese Kinder sich noch über einen Flummi oder gar eine Tube Zahnpasta freuten.

Ciacova ist eine Ortschaft mit 3000 Einwohnern im Kern und 9000 weiteren Bewohnern in den weit auseinanderliegenden Ortsteilen. Die wirtschaftlichen Folgen der Ceausescu-Diktatur sind noch immer allgegenwärtig. Jeder zweite Rumäne lebt laut der Caritas-Hilfe St. Clemens Hospital am Rande oder unterhalb des Existenzminimums.

Das rumänische Durchschnittseinkommen liegt bei rund 250 Euro monatlich, eine Krankenschwester verdient nur 150 Euro. Dabei zahlt man für eine 1-Zimmer-Wohnung 150 bis 250 Euro Miete. An Nebenkosten müssen zusätzlich 100 Euro aufgebracht werden. Viele Wohnungen bleiben daher im Winter ungeheizt.

„Auffällig war, dass es dort kaum Bäume gibt“, berichten die Bad Iburger, denen erklärt wurde, dass diese zum Heizen abgeholzt wurden. Viele Menschen ernähren sich von Gepflanztem aus ihrem Garten, denn die Preise für Lebensmittel seien vergleichbar mit unseren, Zucker oder Kaffee sei sogar deutlich teurer.

Dank finanzieller, materieller und persönlicher Hilfe eines großen Netzwerks an Organisationen, darunter auch „Save Our Lives“, dessen Gründer Verwandtschaft in Bad Iburg haben, baute die Caritas in Ciacova eine Sozialstation mit Gesundheitszentrum auf, die Arbeitsplätze und Versorgung für die Einheimischen bietet. Geleitet wird sie vom ehemaligen Pfarrer und Generalvikar Georg Kobor.

„Es ist beeindruckend, was die Caritas dort aufgebaut hat“, betonen die Bad Iburger Helfer, die Fotos und einen Film über Ciacova für Vortragszwecke mitgebracht haben. Zur Station gehören ein Gesundheitszentrum, ein Kinder- , Jugend- und Altersheim, ein Haus für alleinerziehende Mütter, ein Frühförderzentrum für gehörlose, blinde oder autistische Kinder. Außerdem gibt es eine Tierfarm, eine Bäckerei, eine Metzgerei und eine Ölmühle zur Lebensmittelerzeugung. „Wenn man das alles sieht, macht es einen stolz, auch zu den Helfern zu gehören, und es motiviert weiterzumachen“, so Renate Schulz.

Wie schlimm die Lage mancherorts in Rumänien ist, sahen die Bad Iburger bei ihrem Besuch eines staatlichen Krankenhauses. „Dort liegen die vergessenen Alten“, sagen die Einheimischen über die nicht krankenversicherten und sehr armen Menschen, die sich mit 16 Euro Rente kein privates Krankenhaus leisten können. Im abgelegenen Krankenhaus von Marilla liegen 80 Patienten mit Infektionskrankheiten wie Tuberkulose. „Weil viele Leute Angst haben, sich anzustecken, gibt es dort keinen Besuch“, weiß Yvonne Sergkanis.

Die oberen Stockwerke des maroden Baus seien eingebrochen, und geheizt werden könne aufgrund des Geldmangels nur eine halbe Stunde am Tag. Die Ärzte dort seien mit ihrem Latein am Ende, weil wirkendes Antibiotikum fehlt. Wie schockierend die Zustände waren, merkt man dem Hilfsteam an, wenn es davon berichtet. Von den Helfern aus Rumänien erfuhren sie, dass sich die Situation derzeit noch durch Korruption und die miserable Wirtschaftssituation verschlechtere. „Deswegen müssen wir unbedingt weitermachen“, ist das Team aus Bad Iburg überzeugt, das allen bisherigen Spendern und Unterstützern einen großen Dank ausspricht.

Ab dem ersten März nehmen Renate Schulz, Josefa Arndt und andere Helfer wieder jeden Dienstag von 14 bis 18 Uhr Kleidung, Spielzeug, kleine Elektrogeräte, kleine Möbel, Hygieneartikel und Geldspenden im Lager in der alten Kornbrennerei in Glane an. Sobald das Lager voll ist, rollt der nächste Hilfstransport nach Ciacova.


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