Sehenswertes Musical „Die zertanzten Schuhe“ im Gymnasium Bad Iburg

Von Frank Muscheid

Die Schlinge schon um den Hals, ist Soldat Paul sein Leben nichts wert, wenn er nicht mit Prinzessin Elisabeth (Mitte) zusammen sein kann. Foto: Frank MuscheidDie Schlinge schon um den Hals, ist Soldat Paul sein Leben nichts wert, wenn er nicht mit Prinzessin Elisabeth (Mitte) zusammen sein kann. Foto: Frank Muscheid

Bad Iburg. „Wie romantisch!“, rufen die sechs Prinzessinnen verzückt, als Elisabeth, Prinzessin Nummer sieben, nach ihrer Begegnung mit Soldat Paul von „Schmetterlingen im Bauch“ singt. Mit den Hauptdarstellern des märchenhaften Musicals „Die zertanzten Schuhe“ haben zur Abendpremiere im Gymnasium Bad Iburg mehr als 100 Zuschauer gefiebert.

700 werden das Stück in den kommenden Tagen im Theaterraum sehen – ausverkauftes Haus, so Musiklehrer Patrick Hehmann. Ihm und der Musical-AG ist nicht nur das angekündigte „romantische Musical für die ganze Familie“ gelungen – sondern ein ziemlich witziges und rasantes dazu, das den eigenen Stoff manchmal genauso auf die Schippe nimmt wie andere „Prinzessinnen“-Klassiker. Eine Prinzessin, die sich nach hundertjährigem Schlaf „nicht mal die Zähne putzt? Das ist ja eklig“, urteilt eine Prinzessin über Dornröschen. Und sich wie Rapunzel von einem dahergelaufenen Prinzen an den Haaren ziehen lassen würde sie erst recht nicht. Außerdem: „Heute trägt niemand die Haare so lang – das ist total out.“ Schönheit, Party und Schmachten nach den Auserwählten sind die Hauptbeschäftigung im goldenen Käfig. Denn nach dem Tod der Königin hält König Kuratus – wunderbar launisch gespielt von Hehmann selbst – seine Töchter vorsichtshalber der Welt vor, bis jemand herausfindet, warum sie, eingesperrt im Zimmer, jeden Morgen zertanzte Schuhe haben. Trotz des strengen Regiments des Haushofmeisters, den Henry Kampwerth versnobt-genial verkörpert. Der habe, so der König, „den besten Plan seit Jahren“: Die Hand der Prinzessin Elisabeth (Christine Kramer) soll Prinz Gustav haben, wenn es ihm gelingt herausfinden, was Nacht für Nacht passiert. Doch vorher trifft Elisabeth auf Paul (Benjamin Tschesche), der aus Liebe die Prüfung selbst annimmt. Auch, wenn das den Strick bedeutet, sollte er scheitern. Von der geheimnisvollen Krämerin erhält er aber einen Tarn-Mantel, der das Beschatten leichter macht. Bis in die Nebenrollen – so erfindet etwa Kjell Sönksen als französischer Koch die Pommes – passt da einfach alles.

Ein bisschen Tango zum heimlichen Ball hinter dem Zauberspiegel, ganz viel epischer Pop und große Gefühle – in den Osterferien hat Hehmann das Musical selbst geschrieben. Und sich wegen weit mehr weiblicher als männlicher Darsteller das Prinzessinnen-Kammer-Spiel vorgenommen. Die Mischung aus spritzigen Dialogen und eingängigen Melodien zusammen mit den feinen, temporeichen Choreografien von Tobias Landwehr funktionieren so prächtig wie ein Königsball. Entstaubt haben 24 Schüler aller Jahrgänge und neun Schauspieler der Waldbühne Kloster Oesede den Märchenklassiker, zwei Ensembles wechseln sich auf der fantasievoll in einem Seminarfach gestalteten Bühne ab. Das kann sich sehen und hören lassen.