Mohnblumen im Herbst Aquarellmalerei-Kurs in der Bad Iburger Dörenberg-Klinik

Von Danica Pieper

Kursleiterin Erika Lopau (links) führt Rita Vensky und Marianna Hehmann in die Aquarellmalerei ein. Foto: Danica PieperKursleiterin Erika Lopau (links) führt Rita Vensky und Marianna Hehmann in die Aquarellmalerei ein. Foto: Danica Pieper

Bad Iburg. Während draußen die Blätter von den Bäumen fallen, blühen in der Bad Iburger Dörenberg-Klinik die Mohnblumen – zumindest auf dem Papier. Alle zwei Wochen führt Erika Lopau hier Interessierte in die Kunst der Aquarellmalerei ein. Auch unsere Mitarbeiterin hat sich an zwei Naturmotiven versucht.

Wenn man es nicht wüsste, würde man wohl nie auf die Idee kommen, dass im Personalspeiseraum der Dörenberg-Klinik regelmäßig kleine Kunstwerke entstehen. Jeden zweiten Montag kommt Erika Lopau hierher, um einen Schnupperkurs in Aquarellmalerei zu geben. An diesem Abend wollen sechs Teilnehmer ihre künstlerische Ader ausleben. Vier von ihnen – sowohl Patienten als auch Einheimische – sind bereits zum wiederholten Male mit dabei und greifen gleich enthusiastisch zu Farbpalette und Papier. „Haben Sie das schon mal gemacht?“, fragt mich Erika Lopau. „Noch nie“, erwidere ich. Erleichtert stelle ich fest, dass ich nicht die einzige ohne Erfahrung bin: Auch für Rita Vensky aus Geldern und Marianna Hehmann aus Hagen ist es das erste Mal. „Wir sind die Erstklässler“, scherzt Hehmann.

Zunächst steht jedoch ein Crashkurs in Farbenlehre auf dem Programm: Lopau erklärt kurz, welches die Grundfarben sind und wie man die anderen mischt. Unsere Farbpalette besteht im Wesentlichen aus Gelb-, Rot- und Blautönen, den Rest rühren wir selbst an. Nur Weiß gibt es nicht. „Weiß ist eine Deckfarbe“, erklärt Lopau. In der Aquarellmalerei wird nicht gedeckt, wenn etwas weiß werden soll, malt man die entsprechende Stelle nicht aus.

Danach geht es ans Praktische. Zwei Bilder sollen wir an diesem Abend fabrizieren: eine Mohnblume und eine Seenlandschaft. Während Lopau den Mohn gnädigerweise schon vorgezeichnet hat, beinhaltet das zweite Papier nichts als einen Kasten mit einem Strich in der Mitte. Unsere erste Aufgabe besteht darin, ein Mohnblütenblatt auszumalen. Dazu malen wir zunächst die eine Hälfte rot aus, bevor wir den Pinsel ins Wasser tauchen und die Farbe über die gesamte Fläche verteilen. Mithilfe dieser sogenannten Verlaufstechnik sollen eine dunkle und eine helle Seite entstehen. Ich folge Lopaus Anweisungen, doch am Ende sieht das Blatt für mich ziemlich einfarbig aus – bis es trocknet und das dunklere Rot tatsächlich in ein helleres übergeht. Dabei zeigt sich, dass man bei der Aqarellmalerei nicht zögern darf: Überlegt man zu lange, ist die Farbe angetrocknet und lässt sich nicht mehr verteilen. Lopau selbst verwendet nur wenige Sekunden auf das Blatt: „Mittlerweile gebe ich mir nicht mehr so viel Mühe, ich habe davon schon 120 Stück zu Hause“, erzählt die Iburgerin.

Danach macht Lopau uns mit der zweiten Grundtechnik vertraut, der Lasur. Dazu nehmen wir das zweite Blatt mit dem Kasten hervor. Der Strich in der Mitte stellt den Horizont dar, der auf dem Bild Himmel und See trennt. Wir mischen ein helles Blau an und malen die beiden Flächen aus. Anschließend übermalen wir die untere Hälfte, den See, mehrfach mit derselben Farbe, damit sie dunkler wird und sich vom Himmel abhebt. So geht es Stück für Stück weiter: Die Seenlandschaft bekommt ein Ufer mit Bäumen und Sträuchern, der Mohnblume fügen wir noch eine Wiese hinzu.

Der letzte Teil ist der schwierigste für mich, da es mir nicht so recht gelingt, meinen Marderhaarpinsel spitzer zu formen und meine Gräser so breiter werden als gedacht. Davon abgesehen, macht mir die Malerei viel Spaß, und mit dem Endergebnis bin ich auch relativ zufrieden. Die Verläufe könnten allerdings fließender sein, und meine Bäume am Uferrand sehen eher aus wie wucherndes Unkraut.

„Mir ist es am wichtigsten, dass die Leute etwas mit nach Hause nehmen“, erklärt Lopau. Mit dem Schnupperkurs vermittelt sie den Teilnehmern aber nicht nur einen Einblick in die Grundtechniken, für die Klinikgäste hat der Kurs auch noch einen weiteren Nebeneffekt: „Viele Patienten erzählen mir, dass das Malen sie entspannt und sie ihre Schmerzen vergessen.“