Treibender Soul Prita Grealy singt 100 Zuhörer in Bad Iburg glücklich

Von Frank Muscheid

Meine Nachrichten

Um das Thema Bad Iburg Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Mit ihre Bühnenpräsenz brachte sie das „Casablanca“ zum Mitsingen – die „One Woman Show“ Prita Grealy. Foto: MuscheidMit ihre Bühnenpräsenz brachte sie das „Casablanca“ zum Mitsingen – die „One Woman Show“ Prita Grealy. Foto: Muscheid

Bad Iburg. „Ein guter Song muss Gesang, Melodie, aussagekräftige Texte und einen guten Rhythmus haben“, sagt Prita Grealy. Diese Formel hat die Australierin am Freitag eindrucksvoll vor gut 100 Zuhörern im Casablanca in Bad Iburg umgesetzt. Nach der Pause sangen fast alle ihre phänomenalen „Australischen Hip-Soul-Folk Live Loops“ mit, die auch ein Bill Withers-Cover veredeln: „Ain’t No Sunshine“ – es gibt keinen Sonnenschein? Mit Prita Grealy aber doch.

Denn Musik ist gerade dann gut, wenn sie einfach nicht in Schubladen passt, live aber kompromisslos zündet. Die Liebe zu Hip Hop, schmelzender Soulstimme, vor Gitarrenmelodien überbordendem Folk ist aus jeder Note zu hören. Wo andere eine Band mitbringen, hat Grealy sich selbst, eine Akustik-Gitarre, ein „Loop Pedal“, mit dem sie sich und ihre Hip-Hop-Beats und ihre fesselnde Stimme aufnimmt und „schichtet“. Viele Songs beginnen sparsam wie einige Takte Jam-Session, um dann zu ganz großen Konzerthallenfüllern gemixt zu werden. Sie – im Duett mit sich selbst, mit stampfenden „funky“ Rhythmen als Gegengewicht zu den verspielt-lässigen Gesangslinien und tanzbaren Gitarrenläufen, wie sie etwa Nora Jones so populär machte. Das ist mal cool, erinnert mal an rauchige Bars, wie das Folk-lastige „Whiskey Heart“. Oder das legt das pulsierende, urbane Lebensgefühl mit minimalistischen elektronischen Beats frei, auf denen ihre Stimme in „I got the fire“ tanzt.

„Ich habe schon viele Jobs gemacht, war Kellnerin, habe auf einem Schiff gearbeitet“, sagt die Musikern aus Fremantle an der australischen Westküste, seit zweieinhalb Jahren Wahl-Berlinerin. Aber Musikerin, „das ist mein Traum, mein Beruf. Ich liebe es, vor so schönen Leuten wie euch zu spielen“, sagt sie auf Deutsch. Das Kompliment darf zurückgegeben werden. Da hat jemand seine Bestimmung gefunden.

Zwar geht es bald für die Weihnachtsferien zurück zur Familie in Australien. Aber Berlin ist ihre neue Wahlheimat: „Ich arbeite hier, so lange man mich lässt“, sagt sie. Und tourt fleißig durch Europa. Vor kleinem oder großen Publikum, vor 100 oder auch 11000 Menschen als Anheizerin vor Simply Red und Marcia Hines. Musikalische Einflüsse liefern John Mayer, India Arie oder John Legend. „Ich mag R’n’B’-Singer-Songwriter“, erklärt sie. Auf die Loops kam sie, als sie KT Tunstall hörte. Grealy probte ein Jahr, um die Loops gut einzusetzen: „Das Schwierigste ist das Timing.“

Bei ihrer Musik erzählt sie persönliche Geschichten, „You did me wrong“ ist ein vertonter Blick in das Gefühlsleben. Sie wird aber auch politisch im Song „My Home“, gewidmet den „Boat People“, jenen illegalen Einwanderern, die Australiens Regierung aufs Wasser zurückschickt und ihrem Schicksal überlässt. Eine Frau mit toller Stimme, von der man noch viel hören wird.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN