Touristenmagnet mit Schattenseiten Iburger berichtet über Entwicklungen in Valencia

Von Petra Ropers

Auf Einladung des Vereins für Orts- und Heimatkunde mit seinem Vorsitzenden Volker Paul (links) berichtete Referent Patrick Wiermer über Valencia. Foto: Petra RopersAuf Einladung des Vereins für Orts- und Heimatkunde mit seinem Vorsitzenden Volker Paul (links) berichtete Referent Patrick Wiermer über Valencia. Foto: Petra Ropers

Bad Iburg. Valencia – Ziel von Sprachreisenden, Kultursuchenden und Sonnenhungrigen. Seine „Stadt der Künste und der Wissenschaften“ findet sich mit ihrer visionären Architektur auf wohl jedem Urlaubsfilm. Die Liste seiner Museen scheint so endlos wie die Strände der Region. Und doch: Valencia hat auch eine andere Seite. Über die politische und soziale Entwicklung informierte Referent Patrick Wiermer zum laufenden Bad Iburger Themenjahr Spanien/Portugal auf Einladung des Vereins für Orts- und Heimatkunde.

„Com va (zu deutsch: wie geht’s), Valencia?“ – die Frage, die den Vortragsabend im Café-Restaurant Schlossmühle überschrieb, war mehr als berechtigt. Denn zuletzt machte die drittgrößte Stadt des Landes weniger mit touristischen Attraktionen als massiven Unruhen von sich reden.

Der gebürtige Bad Iburger Wiermer, der in Valencia seine Frau und viele Freunde fand, kennt beide Seiten der Stadt. Zum Iburger Themenjahr beleuchtete er sachlich und kompetent jene Entwicklung, die im „Valencianischen Frühling“ zu den Bildern von Massendemonstrationen, Schlagstöcken und wüsten Ausschreitungen führte. Dabei sah Anfang dieses Jahrtausends noch ganz anders aus: Die Stadt prunkte mit Großereignissen wie der Segelregatta um den „America’s Cup“ oder der Formel 1 auf dem Stadtparcours .

Dreistellige Millionenbeträge flossen in Prestigeobjekte wie den neuen Hafen oder die „Stadt der Künste und der Wissenschaften“. Gesetzesänderungen ließen ganze Stadtviertel mitten im Naturschutzgebiet und direkt an der Küste aus dem Boden sprießen. Bürger nahmen zum Teil hohe Kredite auf, um über Spekulationen am wirtschaftlichen Boom teilzuhaben – bis 2008 mit der Bankenkrise das Kartenhaus zusammenbrach.

Die Folgen von staatlicher und privater Verschuldung zeigen sich in unzähligen Bauruinen, in leerstehenden Hochhäusern und Geschäften, in Massenentlassungen, Jugendarbeitslosigkeit, Verarmung und Zwangsräumungen. Ein neu errichteter Flughafen, der nie angeflogen wurde, eine Polizeistation, die sich nicht einmal das Toilettenpapier leisten kann, ein Krankenhaus, dem im laufenden Betrieb ein Teil des Daches einbricht: Die Überschuldung trieb zuletzt bedenkliche Blüten.

Selbst touristische Attraktionen blieben nicht verschont. Die Aufnahme des Mannes, der mit einem aufgespannten Regenschirm durch die „Stadt der Künste und der Wissenschaften“ flaniert, weil für die Reparatur des undichten Daches kein Geld vorhanden ist, spricht Bände. Für Patrick Wiermer hat die politische Korruption einen wesentlichen Anteil am Niedergang Valencias und an der damit verbundenen sozialen Spaltung.

Doch der gebürtige Iburger, der heute in Saarbrücken lebt, sieht auch einen Funken Hoffnung: „Das Gerechtigkeitsempfinden wächst“, stellte er bei seinen Beobachtungen fest. Korrupte Politiker stehen vor Gericht. Das Gesetz zu Zwangsräumungen, das unzählige Bürger ihrer Wohnung beraubte, wurde aufgrund von Protesten geändert. Und die Menschen sehen allen Schwierigkeiten zum Trotz nach vorne.

Ihr kämpferischer Optimismus ist der eigentliche Grund für Patrick Wiermer, an eine positive Zukunft für Valencia zu glauben. An seinem Urteil hat sich deshalb auch nach dem „Valencianischen Frühling“ nichts geändert: „Ich liebe diese Stadt!“