Kein Ende des Konflikts in Sicht Musharbash hält in Bad Iburg Vortrag über Palästina

Von Rolf Habben

Einen Reisebericht gab Nazih Musharbash vor vollem Haus im „Krähennest“ In Bad Iburg. Foto: Rolf HabbenEinen Reisebericht gab Nazih Musharbash vor vollem Haus im „Krähennest“ In Bad Iburg. Foto: Rolf Habben

Bad Iburg. Es sei ein subjektiver Bericht und ein bewusst einseitiger, machte Nazih Musharbash, stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft, keinen Hehl aus dem Tenor seines Vortrags. Desgleichen würde er aber auch vor der Deutsch-Israelischen Gesellschaft argumentieren.

In einer öffentlichen Veranstaltung auf Einladung des SPD-Ortsvereins Bad Iburg vermittelte Musharbash in seinen „Reiseberichten in Bild und Wort“ Einblicke in die Ursprünge des Konflikts zwischen Israel und Palästina. Ebenso schilderte der Redner auch die teils dramatischen Umstände, die den Alltag der palästinensischen Flüchtlinge und Bewohner im Westjordanland unter der fortwährenden israelischen Besatzung und deren Siedlungspolitik bestimmen. Die Auseinandersetzungen beider Völker dauerten schon mehr als einhundert Jahre an. Der Konflikt beschäftige seit Jahrzehnten die Weltpolitik, so Musharbash. Eine friedliche Lösung sei derzeit aber realistisch nicht in Sicht.

Wenngleich in Zahlen und Statistiken sachlich korrekt und faktisch belegt, war seine emotionale Teilnahme nicht zu überhören. Musharbash sparte in seiner Anklage gegen die Besatzungs- und Siedlungspolitik Israels dann auch nicht mit drastischen teils harschen Worten. Die Inbesitznahme ganzer Landstriche und das Einebnen und Planieren von Dörfern sowie die Vertreibung ganzer Familien aus vordergründigen Motiven zugunsten überwiegend radikalgläubiger Juden sei in seinen Augen nichts anderes als permanenter Landraub. Die so entstandenen Siedlungen der Israelis seien daher als Kolonien in einem fremden Land zu begreifen.

Israel habe zu keiner Zeit seine Grenzen definitiv erklärt, „es betreibe andauernde Invasionspolitik und die Judaisierung des Landes, in dem Araber höchstens noch als Folklorestafage geduldet“ seien. In diesem Zusammenhang wird von ihm auch internationales Recht angesprochen. Die Resolution 194 der Vereinten Nationen (UN) garantiere den nach Gründung des Staates Israel 1948 geflüchteten oder vertriebenen Palästinensern sowohl ein Rückkehrrecht als auch Entschädigungsleistungen.

Vom ursprünglichen Teilungsplan der UN besäßen die Palästinenser nur noch 12 Prozent des seit Jahrtausenden arabischen Bodens, während die UN Resolution 242 die Räumung aller im Sechs-Tage-Krieg von Israel eroberten Gebiete fordere. Nach den Genfer Konventionen und den Statuten des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag ist die Besiedlung von im Kriege eroberten Gebieten völkerrechtswidrig. In Bildern voller Tristesse, untermalt mit melancholischer Folklore, verurteilte Musharbash letztlich auch den Mauerbau und die Grenzzäune, die ganze Dörfer ohne Rücksicht auf kulturelle und soziale Gegebenheiten im Westjordanland einschlössen, mitunter sogar Friedhöfe teilten. Mauern, Zäune und jüdische Siedlungen machten aus dem Westjordanland einen Flickenteppich. Reisen von einem Dorf zum anderen sei nur mit schikanösen Kontrollen an den Checkpoints möglich. Die Dauer solcher Besuche mit Entfernungen von lediglich zwei Stunden könnte sich daher bis zu einem Tag hinziehen. Die Staatsgrenze Israel zur Westbank habe eine Länge von 323 Kilometern, die der Grenzbefestigungen dagegen 712 Kilometer. Touristen bekämen diese Willkür jedoch nicht zu sehen. Aufgrund der komplexen Hintergründe des Nahost-Konfliktes seit dem Ersten Weltkrieg trage Europa mehr Verantwortung für Palästina als jeder andere Staat dieser Erde, schloss Musharbash.