Fachwerk-Modell Bad Iburger hat Stein’sches Haus nachgebaut

Von Frank Muscheid

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Bad Iburg. Im kleinen Haus steckt ein großes: Im Maßstab 1:20 hat der 52-jährige Andreas Stoltenberg das heutige „Haus der Iburger Geschichte“ nachgebaut, akribisch und aus der Eichenbohle eines abgerissenen Fachwerkgebäudes.

„Für den Modellbau ist Eiche eigentlich ungeeignet, sehr grobfaserig mit großen Poren“, sagt er. „Ich habe versucht, so realistisch wie möglich zu sein, auch um zu wissen, was die Erbauer alles gemacht haben und beachten mussten.“ Vorher studierte er alte Pläne. „So müsste das Haus bis zum Umbau 1909 ausgesehen haben.“ Das einzige Foto des alten stammt von 1905. Daran und an einem Plan vom Umbau hat sich der gebürtige Bad Iburger orientiert. „Man hat das Haus bis zum Untergeschoss abgetragen und wieder aufgestockt. Obwohl es jetzt nur 70 Zentimeter höher ist, hat es eine völlig andere Aufteilung.“ Davor sei das Dachgeschoss wohl bis auf ein einzelnes Zimmer unbewohnbar gewesen. Mit 2,50 Meter seien die Räume für die damalige Zeit ungewöhnlich hoch, sagt Volker Paul, Vorsitzender des Vereins für Orts- und Heimatkunde Bad Iburg . Der Verein kaufte das „Stein’sche Haus“ 2010 und richtete es für seine Arbeit her.

Stoltenberg hat vermessen, Leisten geschnitten und zusammengesetzt. Lehm hätte er gern am gesamten Modell verwendet – so wie an der offengelegten Seite, wo Schaschlickspieße das Geflecht der Zwischenräume andeuten. Aber zum 25-Jährigen des Vereins wollte er fertig sein. „Mir rannte die Zeit weg“, räumt er ein, schnitt stattdessen Styrodurplatten zu. Dielen und Dachstuhl sind aus Eichenholz, die Dachziegel aus Ton. „Für die Dachbodenbohlen habe ich einen Ast zerschnitten.“ Das Fachwerk ist verzapft. „Sonst hätte ich es gar nicht verleimen können.“ Die kleinen Nägel wollte er originalgetreu rausgucken lassen, „aber daran bleibt man dann schnell hängen“. Für den Ziegelboden „habe ich mit der Zange ein paar Tage nur Tonsteine aus einer Platte geknackt.“ Tor, Türen und Kellerklappe lassen sich bewegen, das Haupttor kann von außen entriegelt werden. Es gibt Ställe und ein Plumpsklo. „Ich hatte vor, für die Fenster Zehntel-Millimeter-Glas zu nehmen, aber das ließ sich nicht schneiden.“ Nun sind sie aus Kunststoff. Für die Nut in den Rahmen aus Holzflaserplatten fertigte Stoltenberg eigens ein Dremel-Werkzeug an.

Ein Dreivierteljahr saß er am Modell, in einem kleinen Hobbyraum. „Manchmal habe ich auch beim Fernsehen Fenster gefeilt. Vor allem die Öffnungen waren viel Arbeit. Es war Wahnsinn, das Holz mit einer Bandsäge zu schneiden – es gab viel Verschnitt. Unglaublich, wie viel Material man braucht.“ Fast doppelt so viel wie geplant – zwei Brettchen.

Stoltenberg arbeitet als Holzmechaniker seit 35 Jahren in dem Iburger Betrieb, in dem er 1979 seine dreijährige Lehre begann. Heute bedient er große Maschinen. „Aber ich habe bei einem alten Gestellmacher gelernt, das war mein Glück.“ Wagenräder habe er zwar nicht mehr gemacht, „aber er hat mir gezeigt, alles von Hand zu fertigen und so den Grundstein gelegt.“

„Als Kind habe ich daran gedacht, das Schloss nachzubauen, aber dafür habe ich zu viele andere Interessen.“ Reisen, Musik, ehrenamtlicher Helfer der Kreis- und Stadt-Archäologie Osnabrück, Höhlenforscher im Sauerland, Fotograf und Filmer – da stehe „der Modellbau hinten an“. Weil sich bei einem Vereinstreffen niemand das alte Haus in allen Details vorstellen konnte, habe er gesagt: „Ich baue das jetzt nach, dann könnt ihr es euch angucken.“ Aus Volker Pauls Sicht hat sich die Mühe gelohnt. Nach so wenigen Unterlagen ein mehr als 100-jähriges Haus derart originalgetreu nachzuempfinden, sei nur möglich, „wenn man fachlich solche Häuser kennt. Jeder andere hätte das Dach aus Holz gemacht und angepinselt.“


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