10. Platz bei der WM Zwölfjähriges Mathegenie aus Bad Iburg holt Weltrekord

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Die Rechenart Faktorisieren kennen viele wohl noch nicht einmal. Wenzel Grüß aus Bad Iburg (12) kann so gut faktorisieren, dass er darin jetzt einen Weltrekord aufgestellt hat. Foto: Anke SchneiderDie Rechenart Faktorisieren kennen viele wohl noch nicht einmal. Wenzel Grüß aus Bad Iburg (12) kann so gut faktorisieren, dass er darin jetzt einen Weltrekord aufgestellt hat. Foto: Anke Schneider

Bad Iburg. Eines der wichtigsten Utensilien im Haus von Werner und Maria Grüß ist der Taschenrechner. Nicht etwa deshalb, weil das Bad Iburger Paar schlecht im Rechnen wäre. Aber das, was ihr zwölfjähriger Sprössling Wenzel im Kopf ausrechnet, können die beiden nur mit elektronischer Hilfe überprüfen.

5257 mal 8237 – für diese Aufgabe würde wohl jeder zum Taschenrechner greifen. Aber nicht Wenzel! „43301909“, antwortet er nach etwa einer Minute. „Stimmt“, schmunzelt Maria Wenzel, die die Zahlen bereits in den Rechner eingetippt hat.

Aber Wenzel kann noch mehr. Wurzelziehen, Zahlen in ihre Primzahlen zerlegen, drei dreistellige Zahlen malnehmen, das ist alles kein Problem für das Rechengenie. Kein Wunder, dass der Junge im vergangenen Jahr in Münster Weltmeister im Kopfrechnen in seiner Altersklasse wurde. Und in diesem Jahr durfte der Zwölfjährige aufgrund seiner Begabung sogar an der WM der Erwachsenen teilnehmen. Und wurde Zehnter. „Ein Ergebnis, mit dem wir nicht gerechnet haben“, sagt Werner Grüß. Und ganz nebenbei hat Wenzel auch einen Weltrekord aufgestellt.

Schon im Kindergarten zeichnete sich Wenzels Vorliebe für Zahlen ab. Während die anderen Kinder Sonnen malten, schrieb Wenzel Zahlen ab. „Auch die römischen bis 5000“, berichtet sein Vater. Als er in die Grundschule kam, war er in Mathe so weit, wie Kinder sonst in der sechsten oder siebten Klasse sind. „Der Unterricht war total langweilig für ihn“, erzählt Mutter Maria. Dass Wenzels Begabung weit über das normale Maß hinausgeht, bemerkten die Eltern beim 83. Geburtstag der Oma. „Ich habe ihn gefragt, wie viele Tage die Oma schon lebt“, erinnert sich Vater Werner. Der Junge wusste das Ergebnis binnen Sekunden – Schaltjahre mit eingerechnet.

2011 meldeten die Eltern ihr Kind erstmals bei der WM im Kopfrechnen an. „Wir wollten einfach wissen, wie er im Vergleich zu anderen steht“, so die Mutter. Der damals Neunjährige wurde auf Anhieb Zweiter. Ein Jahr später holte Wenzel dann die Goldmedaille und ließ die Mitstreiter seiner Altersklasse weit hinter sich.

Vor fast zwei Wochen startete das Mathegenie bei der WM der Erwachsenen in Dresden. 74 Kandidaten aus 22 Ländern hatten sich in der Qualifikation um eine Teilnahme am „Mental Calculation World Cup“ beworben. Eingeladen wurden am Ende die besten 40 aus 18 Ländern. Der jüngste Teilnehmer war ein zehnjähriger indischer Schüler, der älteste ein 80-jähriger Pensionär aus Frankreich.

Die Kandidaten mussten Aufgaben aus verschiedenen Standardkategorien und unbekannte Überraschungsaufgaben lösen. „Alles ohne Stift und Zettel“, berichtet Mutter Maria. Auch Zwischenschritte durften nicht notiert werden. „Unser Ziel war, nicht letzter zu werden“, sagt Werner Grüß. Mit dem zehnten Platz habe er aber nicht gerechnet.

Am Samstag, 11. Oktober, fand während der dreitätigen Veranstaltung noch ein Showabend statt. Bei diesem Abend versuchte Wenzel, einen Weltrekord aufzustellen. Die Disziplin heißt „Faktorisieren“ und meint das Zerlegen fünfstelliger Zahlen in ihre Primzahlen. „Zum Beispiel bei der Zahl 53421“, hat Mutter Maria eine der Aufgaben parat. „Macht dreimal 17807“, flötet Wenzel nach wenigen Sekunden und grinst. 20 solcher Aufgaben hat er in zehn Minuten und drei Sekunden gelöst und damit die alte Bestmarke um mehr als dreieinhalb Minuten unterboten.

Wie es weitergeht? „Das liegt ganz an Wenzel“, sagen die Eltern. Sie wollen ihren Sohn zu nichts drängen. Solange er Spaß am Rechnen und an Wettkämpfen habe, würden sie ihn weiter unterstützen und mit ihm auch zu Meisterschaften fahren. „Toll ist, dass das Bad Iburger Gymnasium ihn dafür freistellt“, sagt Mutter Maria. Mathelehrer Christian Möller sei ohnehin ein Glücksfall für ihren Sohn gewesen. Mit kniffeligen Extraaufgaben halte der Lehrer den Zwölfjährigen im Unterricht bei Laune, der ansonsten todlangweilig für Wenzel wäre.


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