Ein Konzert als Glückserlebnis? Niedersächsische Musiktage mit Doppel-Konzert in Bad Iburg

Von Jan Kampmeier

Doppel-Konzert in Bad Iburg: Bei den Niedersächsischen Musiktagen spielten Singer Pur und das Armida Quartett im Schloss. Foto: Swaantje HehmannDoppel-Konzert in Bad Iburg: Bei den Niedersächsischen Musiktagen spielten Singer Pur und das Armida Quartett im Schloss. Foto: Swaantje Hehmann

Bad Iburg. Dem Thema „Glück“ widmen sich die Niedersächsischen Musiktage dieses Jahr, und „Großes Glück“ war auch das Doppel-Konzert in Bad Iburg überschrieben.

Warum eigentlich muss man guter Musik solche Etiketten aufkleben, die doch nie so recht passen? Der Bezug zu den romantischen Chorliedern, die das Ensemble Singer Pur in der Schlosskirche aufführt, ist arg konstruiert, da hilft es auch nicht, wenn eines der Stücke von Brahms „Letztes Glück“ heißt. Und Smetanas erstes Streichquartett, vom Armida Quartett im Rittersaal gespielt, hat mit Glück gar nichts zu tun.

Singer Pur ist ein untypisches Ensemble, denn fünf Männer und eine Frau singen hier zusammen. Tolle Stimmen, die sich zum perfekten Ensembleklang vereinen, sehr sauber, der Text vorbildlich artikuliert, die Akustik der Schlosskirche optimal. Brahms’ „Letztes Glück“ ist in seiner Melancholie außerordentlich stimmungsvoll getroffen. Ebenfalls eine sehr starke Darbietung gelingt den Männern allein mit Schumanns „Die Rose stand im Tau“, in größter Ruhe interpretiert. Bei Wolfram Buchenbergs Bearbeitung des Volkslieds „Bunt sind schon die Wälder“ wird zwischendurch auch mal gepfiffen, sie ist eigentlich recht witzig, doch diese Seite bleiben die Sänger dem Stück schuldig. Wie auch andere Vokalensembles gestaltet Singer Pur nämlich überaus schlicht. Man singt extrem entspannt, bewegt sich dabei so gut wie gar nicht, geht allenfalls bis zum Mezzoforte und vermeidet lebhafte Dynamik und Kontraste weitgehend. Natürlich, die Balance der Stimmen lässt sich so sehr gut erreichen, doch ein Instrumentalensemble würde sich nie damit begnügen.

Zu überprüfen ist das beim Armida Quartett, das mit seiner Expressivität eine ganz andere Musizierhaltung vertritt. Wie das im Osnabrücker Land gut bekannte Meta 4 Quartett spielen die jungen Streicher stehend, und wie jene geben auch diese vier Vollgas, lassen die Luft brennen. Klanglich sind sie allerdings etwas weicher. Alle vier haben einen großen Klang und lassen ihn in einem überaus reichen Quartettklang aufgehen.

Den ersten Satz seines Quartetts wollte Smetana „appassionato“, und so spielt das Armida Quartett in der Tat. Moderat im Sinne von gemäßigt klingt der mit diesem Zusatz bezeichnete zweite Satz allerdings keineswegs, im Gegenteil: Es ist sehr eindrucksvoll, was die Armidas hier an Stimmungen herauskitzeln.

Es geht also doch: Ensemblekultur und Temperament müssen keine Gegensätze sein.