Umstrittener SPD-Mann besucht AfD-Veranstaltung Sarrazin in Bad Iburg: Inklusion in der Schule abschaffen

Politisch korrekt? Thilo Sarrazin (SPD) war beim „Iburger Salon“, einer Veranstaltung der AfD, zu Gast. Foto: Anke SchneiderPolitisch korrekt? Thilo Sarrazin (SPD) war beim „Iburger Salon“, einer Veranstaltung der AfD, zu Gast. Foto: Anke Schneider

alv/asr Bad Iburg. Ja, er ist gekommen – auch wenn er immer noch mit Personenschutz anreist: Thilo Sarrazin, früherer Bankvorstand und wegen seiner rechtspopulistischen Thesen umstrittener SPD-Mann, ist am Freitagabend beim „Iburger Salon“ aufgetreten.

Von Anke Schneider und Esther Alves

Sarrazin stellte sein im Februar erschienenes Buch „Der neue Tugendterror“, vor. Merkel findet ihn verletzend, Peer Steinbrück findet „alles Bullshit“, was er sagt und Wolfgang Schäuble findet die Bücher von Thilo Sarrazin himmelschreienden Blödsinn. Armin-Paul Hampel, Vorsitzender des AfD-Landesverbandes Niedersachsen fand, er sei ein Mann, der Themen anspricht. Der gedanklich oft gut zur AfD passe, aber eben nicht immer. Der aber bloß in der SPD bleiben soll, „denn die Sozialdemokraten brauchen solche Leute.“

Auch Thilo Sarrazin wehrte den möglichen Verdacht, er könne zur Partei „Alternative für Deutschland“ wechseln wollen, gleich im zweiten Satz ab. „Ich trete bei allen demokratischen Parteien auf“, sagte er.

Der Ökonom, Politiker und Publizist ist auf Einladung des AfD-Kreisverbandes Osnabrück nach Bad Iburg gekommen, um im Rahmen des „Iburger Salon“ sein Buch „Der neue Tugendterror“ vorzustellen. Gut 40 Gäste waren es, die das 72 Euro teure Ticket für den Abend inklusive Abendessen erstanden hatten. Den Stoff zu dem Buch hatte offenbar der Aufschrei geliefert, der durch die Republik ging, als Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ erschienen ist. In dem Buch wird offenbar eben dieses Szenario analysiert, das abläuft, wenn jemand jenseits der allgemeingültigen Ansichten seine Meinung äußert.

„Tugendterror ist eine Haltung der Intoleranz, die sich aber nicht als Intoleranz erlebt“, sagte Sarrazin. Den Inhaber einer ungeliebten Meinung versuche man entweder lächerlich zu machen oder bedrohlich aufzublasen. In unserer Gesellschaft herrsche eine Einstellung, die alle Unterschiede grundsätzlich verneine. Unterschiede im Bildungserfolg oder im wirtschaftlichen Erfolg würden nicht mehr mit den Unterschieden, die Individuen nun mal aufweisen, verknüpft. „Menschen werden als leere Schiefertafeln angesehen, die man beliebig beschreiben kann“, so Thilo Sarrazin. „Benenne Unterschiede und du bist auf halbem Weg nach Auschwitz“.

Thilo Sarrazin nannte Unterschiede. Als er in seinem Vortrag bei den durchaus sinnvollen Unterschieden zwischen Adam und Eva begann, die er höchst ironisch als Wurzel allen Übels der Menschheit ausschmückte, hatten die ersten Gäste mit Müdigkeit zu kämpfen. Am Ende des etwa 40-minütigen Referats waren alle wieder wach genug, um anhaltend zu applaudieren.

In der anschließenden Diskussion mit den Gästen beantwortete Sarrazin die Fragen des Publikums, die mehre Aspekte des „Gleichheitswahns“ an die Oberfläche kehrte. Darunter fällt für Sarrazin die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems ebenso wie die Inklusion im Schulsystem. Auf die Frage nach seiner Meinung über die AfD äußerte sich Sarrazin diplomatisch: „Jede Partei hat einen unvermeidbaren Chaotenanteil, der bei neuen Parteien erst mal etwas größer ist.“

Der Auftritt im AfD-Rahmen missfiel zuletzt SPD-Vize Ralf Stegner. Er forderte am Freitag Sarrazin auf, „endlich die SPD zu verlassen“. Der „Bild-Zeitung“ sagte Stegner: „Eine rechtspopulistische Partei passt eindeutig besser zu Herrn Sarrazin – er sollte sich und uns den Gefallen tun, und zur AfD wechseln.“

Zuvor hatte schon SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi angesichts der Kontakte Sarrazins zur AfD der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ gesagt , die SPD komme gut ohne ihn aus.