Hilfe gegen Schmerzen Veronika Heinze hat den kältesten Job in Bad Iburg

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In eisige Temperaturen geht es für die Besucher der Kältekammer in der Bad Iburger Dörenberg-Klinik. Symbolfoto: colourbox.deIn eisige Temperaturen geht es für die Besucher der Kältekammer in der Bad Iburger Dörenberg-Klinik. Symbolfoto: colourbox.de

cby Bad Iburg. Weiße Schwaden und Kältehauch dringen hinter der gedämmten Tür hervor. „Im Vorraum sind es minus 25 und in der Kältekammer minus achtzig Grad“, bemerkt Veronika Heinze lächelnd, während sie vier Patienten die Tür offen hält. Bekleidet mit Badeanzug, Wintermütze und Handschuhen verlassen diese soeben die „Ganzkörper-Kältekammer“ in der Bad Iburger Dörenberg-Klinik.

Es ist ein ungewöhnlicher Arbeitsplatz, an dem die 46-jährige Therapiehelferin seit 14 Jahren tätig ist. Die enormen Minusgrade in der Kältekammer lassen eher an den antarktischen Winter als an eine schmerzlindernde Therapiemaßnahme denken, doch als unangenehm würde die Kälte kaum empfunden, betont Heinze. Dies läge daran, dass in der Kammer fast keine Luftfeuchtigkeit herrsche.

Bis zu 100 Patienten nutzen im Tagesverlauf die kältetherapeutische Maßnahme. Maximal jeweils vier von Ihnen finden pro Anwendung in der knapp fünf Quadratmeter großen Kammer Platz . Vor allem Schmerz- und Rheumapatienten verschafft die Kälte mehr Bewegungsfreiheit und eine Linderung ihrer Beschwerden. Gleiches gilt bei Hautproblemen, Arthrose und zahlreichen weiteren Leiden. Maximal drei Minuten beträgt die Aufenthaltsdauer. Bewegung ist dabei Teil des Konzepts und wird über kleine Boxen, aus denen stimmungsvolle Musik schallt, auch klanglich gefördert.

Den permanenten Kontakt zu den Patienten hält Heinze über eine beheizte Glasscheibe und eine installierte Sprechanlage, die technischen Abläufe sind über einen Computer steuerbar. Zwei bis drei Stunden brauche die Kältekammer nach der Aktivierung, um die hohen Minusgrade zu erzeugen. „Ich begleite auch durchaus öfter mal Patienten in die Kammer und erkläre die Abläufe,“ so Heinze. Es käme häufiger vor, dass ein neuer Patient zunächst ihre Unterstützung benötige, um mit der Kältetherapie „warm“ zu werden, vor allem dann, wenn er alleine die Anwendung erhielte.

Sie selbst habe auch bereits in der Patientenrolle die Kammer aufgesucht und kenne deshalb die Perspektive. „Viele merken dann aber bereits direkt nach der ersten Anwendung, dass es Ihnen gut tut“, berichtet sie. So seien bei Hüft- und Kniepatienten schon in der Kammer die positiven Auswirkungen sichtbar. „Sie können dort bereits viel besser laufen und kommen mit einem Gefühl von Unbeschwertheit zurück.“ Dieser Effekt hält bei den Patienten allerdings unterschiedliche lange an – von dreißig Minuten bis zu mehreren Stunden.

Da Heinze die Gebärdensprache beherrscht, ist auch mit gehörlosen Patienten eine Kommunikation möglich. Eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung vorausgesetzt, stünde die Kältekammer letztlich jedem Patienten offen. Diese Möglichkeit nutzt auch die fünfzehnjährige Gesine Holtmann. Die passionierte Voltigiererin leidet unter Kniebeschwerden, der Besuch in der Kältekammer war für sie eine Premiere.“Es hat sich ganz anders angefühlt, als ich erwartet hatte, gar nicht so wie im Winter draußen, so kalt“, bemerkt sie nach dem Besuch.

Ihr Fazit unmittelbar danach: Die Knieschmerzen seien weg. Heinze freut dies sichtlich, sind es doch diese kleinen und großen Erfolge an ihrem kalten Arbeitsplatz, die ihrer Tätigkeit so viel Wärme verleihen.


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