Natur und Kultur Konventgarten in Bad Iburg als Lieblingsplatz

Von Frank Muscheid

An diesem Ausblick vom Konventgarten sieht sich Hans-Jörg Klingebeil nicht satt. Foto: Frank MuscheidAn diesem Ausblick vom Konventgarten sieht sich Hans-Jörg Klingebeil nicht satt. Foto: Frank Muscheid

Bad Iburg. Er ist ehemaliger Landschaftsarchitekt aus Überzeugung. Für den 67-jährigen Bad Iburger Hans-Jörg Klingebeil sind Kultur und Natur keine Gegensätze. Beide vereinen sich für ihn im Ausblick vom Konventgarten des Schlosses perfekt.

„Das ist für mich der schönste Blick in Bad Iburg “, sagt Klingebeil, „weil ich die Kultur mit dem ehemals bischöflichen Sitz hinter mir habe und einen Ausblick auf die Stadt und ihre schöne Natur – wie den Freden. Mir war vorher gar nicht bewusst, was der für eine markante Klippe ist.“ Vor zwei Jahren wurde er vom Eindruck überrascht, als er mit seiner Frau Hannelore die Gartenanlage anschaute, „mit der mehr als 100 Jahre alten Blutbuche, die waren um 1900 en vogue“, weiß der Diplom-Garten- und Landschaftsgestalter, der von 1969 bis 1975 in Berlin an Technischer Fachhochschule und Technischer Universität studierte, viele Berufsjahre im Bayerischen Wald verbrachte und 1990 des Berufs wegen nach Bad Iburg zog.

2008 ging er in Ruhestand, engagierte sich im Verein für Orts- und Heimatkunde Bad Iburg und als 2. Vorsitzender bei den Naturfreunden Glandorf. Seine Frau hatte der gebürtige Berliner 1966 beim Theaterbesuch kennengelernt, 1968 heirateten sie, haben zwei Töchter, zwei Söhne und drei Enkelkinder. „Im Schlossgarten eröffnete sich uns dieser wunderbare Blick. Vor allem auf den alten Stadtteil, das ehemalige Hotel Hubertushof mit Gartenanlage, die Fleckenskirche und die St. Jakobus-Kirche. Links sieht man ein Stück vom Dörenberg. Man schaut auf den Teutoburger Wald, wie er ins Nordrhein-Westfälische reicht, auf den kleinen Berg bei Bad Laer und Bad Rothenfelde, ein ganz markanter Höhenrücken. Und man hat diese weite Sicht in die Münsterländer Bucht.“

Für ihn auch eine Kultur-Natur-Symbiose im Kleinen – im Mauerwerk: „Ich lege viel Wert darauf, dass auch andere Lebewesen Chancen bekommen – Nischen wie hier. Auf der feuchteren Schattenseite wachsen Farne, aber auch der Gelbe Lerchensporn. Auf der anderen Seite wächst er noch besser – in der vollen Sonne. Trotz der Extrembedingungen kann er überleben. Es macht mir Mut, dass das Leben sehr durchsetzungsfähig ist und jede Möglichkeit wahrnimmt.“ Es seien immer Chancen möglich, „es muss nicht alles wie im Maschinenbau bis auf die letzten Hundertstel Millimeter genutzt sein“.

Oft sei die Landschaft „leergeräumt“. Deutlich werde das durch den Verlust von Schmetterlingsarten: „Man sieht noch Kleinen Fuchs, Pfauenauge, Weißling oder Zitronenfalter – dann ist meist Schluss.“ Mit ihrer Kooperation wollen der Verein für Orts- und Heimatkunde und die Naturfreunde „für mehr Vielfalt statt Einfalt sorgen, Nischen erhalten und schaffen, Farbe ins Leben bringen. Es geht mir ja auch um Schönheit“, so Klingebeil. Bei seinen Touren für den Bad Iburger Verein will er Pflanzen, ihre Bedeutung und Kulturgeschichte wiederentdecken helfen – wie im Frühjahr den Hohlen Lerchensporn, der auch am Schlossberg wachse, im Sommer das Erkältungs-Wundermittel Holunder oder die Brennnessel – Schmetterlingsnahrung, Gemüse, Heilpflanze und früher gebräuchlicher Faserlieferant für Stoffe. Bei Ferienspaßaktionen entstehen Insektenhotels. Ausgehöhlte Zweige helfen vielen unerlässlichen Pflanzenbestäubern, ihren Nachwuchs aufzuziehen.

Die Naturfreunde haben in der Glandorfer St.-Johannis-Kirche Nistkästen für Mauersegler aufhängen können. „Wir beringen Jungtiere und haben dabei festgestellt, dass bereits beringte Alttiere im Nachbarnest geboren waren. Sie fliegen nach Südafrika, kommen wieder zurück und machen eine Punktlandung – ganz ohne Navi. Das finde ich großartig.“ Auch er kommt immer wieder zurück zu seinem Lieblings-Ausblick: „Es ist immer wieder schön hierherzugehen und zu schauen“, sagt Klingebeil.