Lesung mit Ulrike Kroneck und Ninel Potashnik Unterhaltsamer Literaturabend in Bad Iburg

Von Rolf Habben

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Autorin Ulrike Kroneck las jetzt im Bad Iburger Café Sophie Charlotte aus ihrem Werk „Ehe, Affären und andere Vergnügen“. Foto: Rolf HabbenAutorin Ulrike Kroneck las jetzt im Bad Iburger Café Sophie Charlotte aus ihrem Werk „Ehe, Affären und andere Vergnügen“. Foto: Rolf Habben

Bad Iburg. Eine unterhaltsame „Lesung mit Musik“ gab es jetzt im Bad Iburger Café Sophie Charlotte. Die Autorin Ulrike Kroneck las aus ihrem jüngst erschienen Roman „Ehe, Affären und andere Vergnügen“. Für den musikalischen Rahmen sorgte Ninel Potashnik virtuos mit leichter Klaviermusik.

Den Einband ihres Werkes ziert eine Keramikschüssel mit Stachelbeeren. Und ebenso stachelig und kernig wie das Obst ist auch die Handlung mit Magdalena Landmann als Hauptfigur. Als scheinbar ganz normale Leute kommen sie daher – ein Freundeskreis gutsituierter Paare zwischen Mitte vierzig und Mitte fünfzig. Für die zweifach geschiedene und alleinstehende Journalistin Landmann sind sie das ideale Beobachtungsfeld in Sachen Ehe, Liebe und Liebschaften. Nach deren Maxime ist ein lustvoller Seitensprung nicht das Ende einer festen Liebesbeziehung. Im Gegenteil, wenn einer von beiden zwischendurch Lust auf einen Dritten hat, dann sollte man es ausleben, ohne dass die Beziehung daran scheitern muss.

Diese These widerspricht im Kern dem Ideal von immerwährender Liebe. Eine solche Partnerschaft würde durch jeden Seitensprung in ihren Grundfesten erschüttert, will man meinen. Dass das nicht zwingend der Fall sein muss, belegt Kroneck beziehungsweise ihre Romanheldin Magdalena am Beispiel von einigen befreundeten Paaren, die sich nach allen Regeln der Kunst gegenseitig betrügen und trotzdem zusammenbleiben. „Die alten Beziehungen sind vielleicht deshalb stabiler, weil wir viel mutloser werden, neue einzugehen“, lässt Kroneck die gefrustete Protagonistin sinnieren. Gleichzeitig widerlegt Magdalena jedoch ihr eigenes Bekenntnis, weil sie selbst nach zwei gescheiterten Ehen noch immer den Einen („eine Mutter mit einem siebenjährigen Kind ist erotisches Niemandsland“), den Richtigen sucht.

Viel Witz, bissige Satire gepaart mit Ironie und einem Schuss Sarkasmus, teilweise in deftig frivolem Duktus, zeichnen die Handlung aus. Mit ihrer je nach Rollenspiel variierenden Stimmlage sowie einer besonderen Betonung in der auch phonetisch umgesetzten Komik, gelang es der Autorin, dem Roman und den handelnden Personen mit Mimik und Gestik szenisch Leben einzuhauchen. Kroneck wäre nicht Kroneck, hätte sie sich am Ende ihres Romans nicht noch eine schöne Doppelbödigkeit einfallen lassen. Nach einem gescheiterten Anlauf, ihre freche Ehemoral als Eheberaterin der Diakonie an Mann und Frau zu bringen, geht Magdalena mit eigener Website online, über die sie schließlich auch ihre neue Liebe findet.

Das Doppelbödige daran: Magdalenas Blog gibt es wirklich. Fiktion wird hier zur Realität. Denn hinter Magdalenas „ MeineLiebhaberei.de “ steckt natürlich niemand anders als ihre Schöpferin Ulrike Kroneck, die ihre Leser als „zertifizierte Psychodrama-Leiterin“ zum Thema „Liebhaberei“ berät. „Ich lese und schreibe beruflich und zum Vergnügen. Zum Schreiben sei sie anfänglich als Werbetexterin und nicht zuletzt auf Ermunterung im Freundeskreis gekommen. „Seitdem arbeite ich als freie Lektorin und Autorin auf meinem ländlichen Idyll im Meller Ortsteil Buer“, wie die vielseitige Autorin bekennt, die sich nicht allein in der Tradition des sich selbst karikierenden Frauenromans sieht. Zahlreiche Veröffentlichungen wie Sachbücher, Sammelbände sowie ein Regionalkrimi belegen das eindrucksvoll.


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