Uniformen und Pulverdampf Historisches Wochenende an Bad Iburger Schleppenburg

Von Rolf Habben

Verlustreicher Nahkampf: die 5. Linien-Infanterie der britisch-deutschen Truppen und napoleonische Einheiten. Foto: HabbenVerlustreicher Nahkampf: die 5. Linien-Infanterie der britisch-deutschen Truppen und napoleonische Einheiten. Foto: Habben

Bad Iburg. Grollender Geschützdonner und Büchsenknall, lautstarke Kommandos, Pulverdampf und Rauchschwaden waberten über das Gelände und vernebelten die Sonne bei strahlend blauem Himmel. Weithin hörbarer Gefechtslärm bedrohte das Idyll der sonst friedvollen Landschaft des Teutoburger Waldes. „Die Franzosen kommen!“, hallte es wiederholt über Feld und Flur in der Bauernschaft Visbeck.

Unübersehbar martialisch bot sich die Schleppenburg mit dem „Historischen Wochenende“ dar. Höhepunkt an beiden Tagen war zweifellos die Gefechtsdarstellung in zeitgeschichtlichen Uniformen, Waffengattungen, Formationen und Schlachtenordnungen der damaligen Epoche. Einem Heerlager mit Soldaten, Zelten, Feldküche, Kanonen und Mörsern glich das Areal rund um das 400 Jahre alte denkmalgeschützte Viehhaus des ehemaligen Ritterguts. Hier agierten über 100 Darsteller authentisch in historischer Aufmachung mit schmucken Uniformen verschiedenster Einheiten und Waffengattungen und gaben imposante Einblicke in die napoleonische Epoche.

Die Darstellungsgruppe „King’s German Legion“ (KGL), die „Napoleonische Gesellschaft“ sowie der „Förderverein Schleppenburg“ machten mit dem „Historischen Wochenende“ Geschichte längst vergangener Zeiten um den englischen König Georg III. wieder lebendig. Royal musste da natürlich auch die Schirmherrschaft der Veranstaltung sein, die kein Geringerer als Seine königliche Hoheit Prinz Heinrich von Hannover übernommen hatte. Aus sicherer Entfernung beobachtete der Nachkomme der Welfen das Geschehen.

Was hat denn das englische Königshaus mit der Schleppenburg zu tun, fragt sich der unwissende Besucher? Dazu bedarf es eines kleinen Streifzuges durch die Geschichte. Der Welfe Georg war nämlich der dritte britische Monarch aus dem Haus Hannover, seit dem Wiener Kongress 1814 auch König von Hannover. An den Napoleonischen Kriegen auf dem Kontinent waren die Truppen Georgs wesentlich beteiligt. Auf seine Anordnung wurde am 19. Dezember 1803 die „King’s German Legion“ als deutscher militärischer Großverband in britischen Diensten gegründet. Die Legion bestand vorwiegend aus ehemaligen Soldaten des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg, dessen Regent ebenfalls Georg war. Sie existierte bis 1816.

Nach Napoleons verlorener Schlacht von Waterloo im Juni 1815 war dessen Herrschaft über Europa beendet. Dem langjährigen blutigen Ringen um Frieden und Freiheit waren auch viele Menschen aus der hiesigen Region zum Opfer gefallen. Im Jahre 1802 fiel die Schleppenburg durch Säkularisation als Domäne an das Kurfürstentum Hannover, das spätere Königreich Hannover. Der heutige Verein „King’s German Legion“ hat in alter Traditionspflege des 2. Leichten Bataillons der Legion sein Domizil im ehemaligen Rittersitz Schleppenburg als „königlich hannöversche Domäne“ in Visbeck an der Bundesstraße 51, die seinerzeit als Heerstraße unter Napoleon gebaut worden war – und damit schließt sich der Kreis.

An beiden Tagen gaben Darstellungsgruppen hautnah einen Einblick in das Leben der Soldaten des Bataillons während der Napoleonischen Kriege. Auch Übungen nach dem Exerziermanual von 1803 bis 1815 standen auf dem Programm. Unter dem Motto „Sehen, hören, fragen“ konnte der Besucher in die sogenannte Franzosenzeit mit Lager, Ausrüstung und Exercicium eintauchen. Beim morgendlichen Appell waren die „Nassauer“ kurzerhand zum Feind übergelaufen, weil die französische Einheit in der Unterzahl war, wie Brigadekommandeur Colonel Karl-Heinz Lange erläuterte. Lange ist gleichzeitig Vorsitzender der KGL. Reges Interesse fand auch die Nachbildung der Schlacht von Waterloo mit handbemalten viertausend Figuren.

„Nach Fortfall der Kontinentalsperre Napoleons sehen wir uns in der erfreulichen Lage, wieder schwarzen Tee, echten Kaffee und süße Früchte zu offerieren“, heißt es im Text zur „Verköstigung“, denn die Veranstaltung war Teil der Reihe „Süße Früchte und schwarzer Tee“ des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land zum 300-jährigen Thronjubiläum des Hauses Hannover und Großbritannien.