Das Kreuz machen wie die Großen Bad Iburger Gymnasiasten nehmen an Juniorwahl teil

Alles unter Kontrolle: Bevor die Bad Iburger Gymnasiasten ihre Stimme abgeben, überprüfen Sophia Erdmann, Philipp Weber und Lehrer Marcus Küdde die Wahlbenachrichtigungen. Foto: Danica PieperAlles unter Kontrolle: Bevor die Bad Iburger Gymnasiasten ihre Stimme abgeben, überprüfen Sophia Erdmann, Philipp Weber und Lehrer Marcus Küdde die Wahlbenachrichtigungen. Foto: Danica Pieper

Bad Iburg. Während die Erwachsenen noch bis zum Sonntag warten müssen, um ihre Stimme für die Europawahl abzugeben, haben die Schüler des Bad Iburger Gymnasiums ihren Urnengang bereits hinter sich. Die Schule beteiligt sich an der Aktion „Juniorwahl“, bei der Jugendliche in einer simulierten Abstimmung ihr Kreuz machen können. Organisiert wird die Scheinwahl zum größten Teil von den Schülern selbst.

Die Juniorwahl ist ein bundesweites Projekt des Vereins „Kumulus“ und wird seit 1999 zu Landtags-, Bundestags- und Europawahlen durchgeführt. „Die Idee ist, dass Schüler genauso wie am Sonntag bei der real stattfindenden Wahl ihre Stimme abgeben“, erklärt Lehrer Marcus Küdde. Das Gymnasium beteiligt sich bereits seit mehreren Jahren an der Aktion. Dieses Mal nehmen Neunt-, Zehnt- und Elftklässler teil – insgesamt sind das etwa 500 Schüler. In den vergangenen Wochen haben sich die Jugendlichen bereits theoretisch mit dem Thema auseinandergesetzt: Während in den neunten Klassen das Wahlsystem Schwerpunkt war, stand in der zehnten Klassenstufe Europa im Mittelpunkt.

Bei der Juniorwahl entscheiden sich die Gymnasiasten jedoch nicht nur für eine Partei, die Elftklässler werden darüber hinaus auch als Wahlhelfer aktiv. „Das vermittelt Wichtigkeit und Ernsthaftigkeit. Für die Schüler ist das toll“, berichtet Küdde. Für die Abstimmung haben die Elftklässler Plakate aufgehängt und die Bibliothek zu einem Wahllokal umfunktioniert.

Zudem sollen sie kontrollieren, dass nur wahlberechtigte Schüler ihr Kreuz machen. „Wir haben Verzeichnisse ausgefüllt und jeden Schüler mit Nummer eingetragen“, berichtet der 17-jährige Philipp Weber. Auch Wahlbenachrichtigungen haben die Elftklässler an ihre Mitschüler verteilt. Erst wenn diese den Zettel zusammen mit ihrem Ausweis vorgezeigt haben, dürfen sie die Kabine betreten. Der einzige Unterschied zur echten Wahl ist, dass die Schüler am Computer und nicht auf Papier abstimmen. „Dann geht es schneller bei der Auswertung“, so Küdde.

Das Wahllokal betreten die Schüler klassenweise. „Dadurch ist unsere Wahlbeteiligung deutlich höher als bei der realen Europawahl“, berichtet Küdde. Eine Pflicht zur Teilnahme gebe es jedoch nicht: „Die Schüler können sich komplett verweigern, aber soweit ich weiß, war das bisher nicht der Fall.“ Wie bei der echten Wahl könnten sich die Jugendlichen aber enthalten oder ihre Stimme ungültig machen. Das Wahlverhalten sei dabei sehr unterschiedlich: „Einige wissen ganz genau, wen sie wählen, aber manche sind sehr unentschlossen und überlegen noch vor dem Rechner“, so Küdde. In der Regel sind es die großen Parteien, denen die Schüler ihre Stimme geben: „Der hintere Teil der Liste bleibt eher unbeachtet“, erklärt der Lehrer.

Auch Nina Plogmeyer und Christian Frolow nehmen an der Scheinwahl teil. Aufgeregt sind sie aber nicht: „Wir haben das schon mal gemacht“, meint die 16-jährige Nina. „Trotzdem: Das ist mal was anderes, auch wenn man nicht direkt mitbestimmt“, findet Christian. „In der letzten Zeit waren doch relativ viele Wahlen“, erklärt Küdde. „Aber die Schüler finden es spannend, die Ergebnisse zu vergleichen.“ Bis es soweit ist, müssen sich die Gymnasiasten jedoch noch gedulden: Erst am Sonntagabend werden die Resultate im schulinternen Netzwerk veröffentlicht – eben genau wie bei der echten Wahl.


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