Seine Kühe bekommen Warsteiner Zu Besuch bei Bad Iburger Milchlieferanten

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Stolzer Milchbauer: Der 58-jährige Albert Schulte to Brinke mit der zum vierten Mal tragenden „Kyrill“. Die sechsjährige Kuh gehört zu den besten Milchlieferantinnen auf dem Hof in Bad Iburg. Fotos: Stefanie PreuinStolzer Milchbauer: Der 58-jährige Albert Schulte to Brinke mit der zum vierten Mal tragenden „Kyrill“. Die sechsjährige Kuh gehört zu den besten Milchlieferantinnen auf dem Hof in Bad Iburg. Fotos: Stefanie Preuin

Bad Iburg. Weltweit steigt die Nachfrage nach Milch. Besonders großen Durst haben China und Indien. Das könnte auch den heimischen Milchbauern neue Wachstumsraten bescheren, zumal 2015 die EU-Milchquotierung ausläuft. Dann dürfen auch die deutschen Landwirte wieder so viel Milch produzieren, wie sie wollen. Allerdings müssen sie dafür auch Abnehmer finden.

Albert (58) und Markus (35) Schulte to Brinke aus Bad Iburg setzen auf die freie Regulierung des Marktes. Sie werden ihren Milchviehbestand erweitern. Der Stallanbau ist im Gange und soll in einigen Wochen neue Milchkühe aufnehmen. Mit der Erweiterung von 76 auf dann 130 Milchkühe gehört der Hof weiter zu den kleineren Milchproduzenten in Deutschland.

Im Mai 2013 veröffentlichte das Magazin für Milcherzeuger „Elite“ das Ergebnis einer Viehzählung. Danach gibt es 18863 Betriebe mit 55 bis 99 Kühen, 6744 mit 100 bis 199 Kühen und 2044 mit 200 und mehr Kühen. Höfe mit weniger als 99 Kühen gingen zurück, während die Zahl der Betriebe mit mehr als 100 Kühen um rund 8,5 Prozent anstieg. Aktuell gibt es laut „Elite“ noch 81000 Milchkuhhalter in Deutschland. Interessant dabei: Während die Milchkuhbestände in den südlichen Bundesländern zurückgehen, befindet sich der Norden auf Wachstumskurs. In Niedersachsen gab es 2013 ein Plus von 2,7 Prozent. 2010 waren 769283 Milchkühe auf 13116 Betrieben gezählt worden (Quelle: Antwort auf Große Anfrage der Fraktion der CDU vom 11. Juni 2013).

Die Milchbauern im Osnabrücker Land wissen um den Wert ihrer Tiere. Albert Schulte to Brinke, der Vorsitzende des Osnabrücker Landvolks und des Hauptverbands Osnabrücker Landvolk sowie Vizepräsident des Niedersächsischen Landvolkverbandes ist, formuliert so: „Wenn es der Kuh gut geht, gibt sie gute Milch.“ Da die Höfe in der Regel von der Tierhaltung leben, stehe die Pflege des Viehbestandes ganz oben an.

Damit die Kuh ihre Funktion als Milchlieferantin erfüllen kann, steht die Futterauswahl besonders im Fokus. Schulte to Brinke produziert auf seinen Ackerflächen das Futter selbst. Pro Tag verlangt die Kuh 50 bis 55 Kilogramm davon. Bei der Mischung der Kuhkost nutzt der Hof den Service der Osnabrücker Herdbuchgesellschaft (OHG), die alle Futterkomponenten in den USA analysieren lassen. So entsteht das eigene Kraftfutter – made in Bad Iburg. Zugekauft werden Sojaschrot und Biertreber. Albert Schulte to Brinke schmunzelnd: „Unsere bekommen zurzeit Warsteiner“.

Zweimal täglich wird die Herde gemolken. Eine Spitzenleistung liefert Kyrill ab: 13265 Kilogramm Milch im letzten Jahr. Das ist im Vergleich zum Durchschnitt (10000 Kilogramm in 2013, 6000 Kilogramm in 1974) eine erhebliche Steigerung. Dies sei nicht allein mit Qualitätsfutter zu erzielen, sondern gehe auch auf züchterische Veränderungen und moderne Haltungsbedingungen zurück, sagt Schulte to Brinke. Seine Kühe leben in einem offenen Stall, in dem sie sich frei bewegen können. Das fördere die Vitalität und ein stabiles „Fundament“, also gesunde Beine, Gelenke und Klauen.

Um Verletzungen von Tier und Mensch vorzubeugen, werden auf dem Hof in Bad Iburg alle Jungtiere innerhalb der ersten 20 Lebenstage enthornt. Die Hitzeverödung der Hornknospe erfolge nach einer medikamentösen Ruhigstellung und einer begleitenden Schmerzbehandlung, so wie es das Tierschutzgesetz zulasse. Schulte to Brinke: „Wer einmal einen Hornstoß in die Rippen bekommen hat oder sieht, wie sich die Tiere manchmal auch gegenseitig attackieren, kann diesen Eingriff nachvollziehen.“

Dass der Landwirt, der drei Tage in der Woche für seine ehrenamtliche Tätigkeit für das Landvolk einsetzt, seinen Tierbestand hegt und pflegt, zeigt sich bei der Vorstellung von tragenden Tieren und kleinen Kälbchen. Da wird gestreichelt und gut zugeredet, um den Tieren ihre Nervosität zu nehmen, wenn neugierige Journalisten zu Besuch sind. Dass Albert Schulte to Brinke wie auch sein Sohn Markus jedes Tier mit Namen ansprechen, macht deutlich, dass seine Kühe mehr als nur Milchlieferanten sind.


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