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Kunst in feinster Dosis Landschaftsverband zeigt Werke von Christoph Seidel und Studierenden

Von Dr. Stefan Lüddemann

Scharfkantig: Christoph Seidel und sein zweiteiliges Bildobjekt. Foto: Hermann PentermannScharfkantig: Christoph Seidel und sein zweiteiliges Bildobjekt. Foto: Hermann Pentermann

Bad Iburg. „Wir sind die Zukunft“, steht da in klaren Drucklettern, als dulde diese Feststellung keinen Widerspruch. Doch der Schriftzug stürzt senkrecht aus dem Bild. Und als sei nicht allein dadurch dieser Satz schon eigentümlich verfremdet, ist er darüber hinaus in eine schwermütig bewegte, sich zum undurchdringlichen Gitter verdichtende Malerei eingelassen. Eva-Maria von Hammel lässt die selbstgewisse Prognose auf ihrem Gemälde in der pastosen Malmasse stranden – auch eine Möglichkeit, kollektiven Befindlichkeiten einer Generation beredten Ausdruck zu verleihen.

Das Gemälde gehört zu der neuen Ausgabe der Ausstellungsserie „Alte Hofapotheke – neue Kunst“. Seit 2006 präsentiert der Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. nun in seinen Räumen auf der Iburg eine Position der etablierten Kunst gemeinsam mit Arbeiten von Studierenden des Fachgebietes Kunst der Universität Osnabrück.

„Für die Studierenden heißt es: ab in die Räume. Für den Künstler: ab ins Foyer“, brachte Dr. Susanne Tauss, Geschäftsführerin des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land e.V., bei der Vernissage das Ordnungsprinzip der Ausstellung auf den Punkt. Für das nächste Jahr sind im Foyer der Alten Hofapotheke zwei Bildobjekte des Malers Christoph Seidel zu sehen. In den Räumen der Geschäftsstelle kommen neben Eva-Maria von Hammel die Studierenden Doris Beißel, Maren Blume, Inka Coppenrath, Anika Heller, Kathrin Krebeck, Merle Miethig, Katharina Werner und Maike Wölfl zum Zug.

Toni Walz vom Fachgebiet Kunst hat für die Ausstellung naturgemäß heterogene, aber durchweg sehenswerte Arbeiten ausgewählt. Neben von Hammel fällt besonders die Position von Inka Coppenrath ins Auge. Sie formt aus Bildträger, Schnüren und Phiolen ein Archivobjekt, dessen Aufschriften jedem Glasfläschchen einen imaginären Inhalt zuweisen. Wer hätte nicht gern „geschenkte Wörter“ oder allerhand „Ferngeträume“? Nicht nur diese Arbeit, aber gerade diese verrät jede Menge poetischen Feinsinn. Schön!

Mindestens ebenso schön fällt die Malerei von Christoph Seidel aus. Zwei dreieckige Bildobjekte aus Sperrholz sind im Foyer als verkanteter Doppelwinkel installiert. Die scharfkantige Form steht im eigentümlichen Kontrast zu einer bewegt fließenden Malerei, die Landschaft zum Thema hat – allerdings nicht als Abbildung, sondern als Prozess der vielfach geschichteten Farbe selbst. Im heftigen Kontrast zur Bodeninstallation steht ein winzig kleines, aber knallrotes Bildobjekt. So kann der Betrachter vor diesen Arbeiten mit der Aufschrift auf einem anderen Gemälde von Eva-Maria von Hammel leise für sich flüstern: „Ich fühle mich.“

Bad Iburg, Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V.: Alte Hofapotheke auf der Iburg: Alte Apotheke – neue Kunst. Mo.–Fr., 9–13 Uhr. Info: www.lvosl.de