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In Sanierungsplan aufgenommen Wird der Bad Iburger Bahnhof je wieder so schön wie früher?

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Bad Iburg. Vor 111 Jahren hielt der erste Zug in Iburg. Trotz dieser beeindruckenden Tradition ist es noch gar nicht allzu lange her, dass der Bahnhof ein Aushängeschild für die Stadt war. Doch seit ein paar Jahren nimmt er eine negative Entwicklung.

Als die private Teutoburger-Wald-Eisenbahn (TWE) geplant wurde, setzten sich die Iburger Stadtväter mit aller Kraft und auch viel Geld dafür ein, dass ihre Stadt einen Anschluss an den Schienenstrang bekam, der sie zunächst mit Gütersloh, Lengerich und Ibbenbüren und so auch mit dem überregionalen Staatsbahnnetz verband. Eigentlich sei es der Plan der finanzierenden Aktiengesellschaft gewesen, die Gleise, von Laer und Glane kommend, durch flacheres Gelände Richtung Tecklenburg zu führen, berichtet Josef Högemann, der die Geschichte der TWE erforscht hat.

Aber die Iburger waren bereit, für die Aufschüttung von Bahndämmen und den Bau dreier Brücken tief ins Stadtsäckel zu greifen. Und so geschah es, dass 1901 der erste Zug nicht in Westerwiede oder Meckelwege haltmachte, sondern im Bahnhof Iburg. Und obwohl es gerade jene Bahndämme und Brücken sind, die aktuell dem Betrieb auf der TWE-Strecke Probleme bereiten, gab die Entwicklung den Stadtvätern recht: Sowohl Personenbeförderung als auch Gütertransport florierten jahrzehntelang sehr gut, die Eisenbahn war in jenen Jahren ganz entschieden der Motor für Fortschritt und Entwicklung, auch wenn die ersten Züge nur mit Tempo 35 verkehrten.

Das rote Ziegelgebäude des Iburger Bahnhofs mit angrenzendem Fachwerk-Güterschuppen, etwa einen Kilometer vom Ortskern entfernt gelegen, war mit einer schmucken Gartengastronomie auch Anziehungspunkt für Nichtreisende. 1927 wurde der westliche Gebäudeteil aufgestockt und – eine bauliche Rarität – zum Wasserturm umgebaut. Mächtige gusseiserne Rohre führten zu zwei Wasserkränen, die es den Dampfloks ermöglichten, in Iburg in Minutenschnelle Wasser zu fassen.

Die Infrastruktur wurde Stück für Stück erweitert. 1933 gab es mechanische Einfahrsignale. Auf einem Stumpfgleis vor dem Güterschuppen konnten Waggons bequem mit Stückgut beladen werden. Ein weiterer Bahnsteig für Zugkreuzungen wurde gebaut und für die Verladung schwerer Drahtrollen aus Iburger Produktion ein Bockkran an der gegenüberliegenden Ladestraße errichtet. Auch landwirtschaftliche Produkte und Holz wurden abgefahren.

Als Kind auf der Lok

Große Faszination übte der Bahnhof auf Kinder aus. Ulrich Böttcher gelang es, Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre ein besonderes Vertrauensverhältnis zum Bahnhofsvorsteher aufzubauen. Gelegentlich durfte er ihm helfen. „Den Seilzug der Flügelsignale bedienen, Lampenpetroleum an Signalen auffüllen, mit dem schweren Schlüssel die Weiche aufschließen und von Hand umlegen oder gar auf dem Führerstand einer Lok mitfahren war für mich das Highlight meiner Sommerferien bei der Oma“, erinnert er sich.

Geisterzüge

Als in den 60er-Jahren die Nachfrage im Personenverkehr zurückging, kam es zu einem Kuriosum: 1968 hatte die TWE aus Wirtschaftlichkeitserwägungen die Konzession für den Personenverkehr zwischen Versmold und Ibbenbüren an die Busse der Verkehrsbetriebe Kreis Tecklenburg abgegeben. Nun durfte sie selbst keine Personen mehr befördern. Zur Aufrechterhaltung des Expressgutverkehrs setzte sie aber weiterhin ihre kostengünstigen Personen-Triebwagen ein, die dann bis 1980 als „Geisterzüge“ ohne Passagiere auf der Strecke verkehrten.

Der Güterverkehr auf der TWE-Strecke lief in jenen Jahren eigentlich noch passabel, man erinnert sich an Stahlganzzüge oder Landmaschinentransporte. Auch für militärische Zwecke wurde die Strecke genutzt – so, wenn die ‚Koninklijke Landmacht‘ der Niederlande mit zig Panzern zu Manövern in die Senne zog. Die 2000 Tonnen schweren Militärzüge fuhren dabei, von ortskundigen TWE-Lotsen begleitet, unter DB-Traktion.

Panzer fast gestrandet

Dabei kam es auf der Steigung zwischen Glane und Iburg 1974 einmal dazu, dass der schwere Zug fast liegen geblieben wäre, weil der Lokführer aus dem gebirgigen Weserbergland die Warnungen des Lotsen für übertrieben hielt und zu wenig Druck auf dem Kessel gehalten hatte. Er war der Meinung, damit den Anforderungen des Flachlands locker gewachsen zu sein, doch enge Bögen und die Steigung auf immerhin 112 Meter über Seehöhe verlangsamten die Fahrt dergestalt, dass die Lok schließlich ungefähr mit 5 km/h den Bahnhof Bad Iburg erreichte.

1995 wurde der Stückgutverkehr in Bad Iburg aufgegeben, das Bahnpersonal abgezogen und das große, zu der Zeit noch gut erhaltene Stationsgebäude verkauft. Danach lief es nicht mehr so gut. Der Betreiber der in den Bahnhof eingezogenen Gaststätte wurde ermordet. Ein weiterer scheiterte mit dem an sich überzeugenden Konzept einer Kleinkunstkneipe, nachdem der vor dem Bahnhof aufgestellte Original-DB-Speisewagen in Brand gesetzt worden war. Das Haus wurde 2005 versteigert. Seitdem nagt der Zahn der Zeit an dem einstmals gepflegten Bahnhofsensemble.

Um diesem traurigen Zustand abzuhelfen, wurde das Areal kürzlich in den von Bund und Land geförderten Sanierungsplan Stadtumbau West aufgenommen, mit dessen Hilfe das südliche Eingangstor zum Kurort aufgewertet und attraktiver gestaltet werden soll.

So könnte der Bahnhof wieder das werden, was er schon einmal war: die Visitenkarte des Kurorts, der mit seinem historisch bedeutsamen Schloss und seinen schönen Parkanlagen viele Touristen anzieht. Und da Besucher Events lieben, wäre eine stilvolle Anreise, wie sie seit Jahren mit den Dampflok-Sonderfahrten des Teuto-Express angeboten werden, eine besondere Attraktion, findet Josef Högemann, der sich auch im Aktionsbündnis pro TWE für die Reaktivierung der momentan durch ungenügende Instandhaltung nicht durchgängig nutzbaren Strecke einsetzt. Er könnte sich einen Oldtimer-Bus als Zubringer vom Bahnhof in den Ortskern gut vorstellen. Und er rät, rechtzeitig über eine Beförderung der vielen zu erwartenden Gäste einer Landesgartenschau 2018 nachzudenken. „Die vorhandene Infrastruktur ist ein Pfund, mit dem man wuchern sollte.“


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