Pilotprojekt "Generationen verbinden durch Theater" Kinder, Senioren und Pfleger spielen gemeinsam in Bad Iburg Theater

Gemeinsam spielten Kinder, Pfleger und Senioren in Bad Iburg Theater. Foto: Lea BeckerGemeinsam spielten Kinder, Pfleger und Senioren in Bad Iburg Theater. Foto: Lea Becker

Bad Iburg. Theater begeistert Menschen jeden Alters. Das Pilotprojekt „Generationen verbinden durch Theater – Pflegekräfte stärken!“ soll Menschen aus drei Generationen zusammen bringen. In Bad Iburg gab es nun die erste Aufführung. "Ich die Rührung in den Augen der Senioren gesehen", sagte eine Pflegerin.

"Was fällt Ihnen zum Herbst ein?" fragt Theaterpädagogin Nora Junghanß die Senioren im St. Franziskus Haus in Bad Iburg. Die Antworten kommen sofort: "Laub, Sturm, Herbstmode, Igel". Nun sind die Kinder der Grundschule Ostenfelde und die Mitarbeiter des Pflegeheims an der Reihe. Sie müssen die Einfälle als Statuen darstellen. 

Workshops als Vorbereitung

Die Aufführung ist Teil des theaterpädagogischen Projekts "Generationen verbinden durch Theater – Pflegekräfte stärken!“, das vom Landesverband Theaterpädagogik Niedersachsen organisiert und vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur finanziert wird. Es soll Menschen aus drei Generationen durch das Theater in spielerischen Kontakt und Austausch bringen. 

Foto: Lea Becker

Vor der Aufführung gab es zunächst jeweils eine dreistündige Einführung in das Playback-Theater für die Schüler und die Pflegekräfte. "Für die meisten ist es eine Premiere, denn viele haben noch gar keine Erfahrungen mit Theater", berichtet Junghanß.

Die eigenen Geschichten auf der Bühne

Das Playback-Theater ist eine einzigartige Form des improvisierten Theaters. Die wörtliche Bedeutung ist dabei entscheidend: "Es wird das zurückgespielt, was vom Publikum rein gegeben wird", erklärt Theatertherapeut Robert Lieli. Die Zusammenarbeit von Schauspielern und Zuschauern schafft Raum für individuellen Ausdruck und direkte Begegnung. "Wir haben alle Geschichten zu erzählen und die sind genauso spannend wie professionelle Theaterstücke", sagt Lieli. Zudem könne man sich besser mit den Geschichten identifizieren, da sie von einem selbst kämen.

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Gerade für Senioren ist dies laut Junghanß ein schöner Ansatz, da sie größtenteils körperlich nicht mehr zu allem in der Lage seien, was sie gerne machen würden. "Für sie ist es ein Sprachrohr oder auch eine Marionette um das darzustellen, was sie sich wünschen", sagt die Theaterpädagogin. Durch das Projekt würde auch die Empathie zwischen den Generationen gestärkt.

"Der Moment jagt mir immer noch Gänsehaut ein"

Das war auch bei der Aufführung in Bad Iburg zu sehen. Die kleinen und großen Schauspieler waren ebenso wie die Senioren mit viel Spaß und Begeisterung dabei. "Ich hatte Lust mitzumachen, weil ich Theater spielen wollte", sagte der achtjährige Jan. Am besten gefiel ihm die Partnerarbeit. Und natürlich sei es "spannend und aufregend vor Publikum zu spielen."

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Mal war es einfacher für die Schauspieler, die Erinnerungen der Senioren darzustellen – zum Beispiel bei Weihnachten oder Landwirtschaft – mal schwieriger, bei Themen wie Glück, Wünschen oder Märchenfiguren. Auch Gegensatzpaare mussten von den Bewohnern des Pflegeheims gebildet und von den Kindern und Betreuern dargestellt werden: Ich bin faul, will aber Sport machen; schaue ich noch fernsehen obwohl ich müde bin; gehe ich zur Schule oder schwänze ich?

Zum Abschluss stand das Thema Familie im Mittelpunkt. Dabei mussten die Senioren natürlich nicht lange nachdenken: Besuch, Zusammenhalt, Liebe, gemeinsam spielen oder essen bedeuten für sie Familie. "Als wir das dargestellt haben, habe ich die Rührung in den Augen der Senioren gesehen", sagt Präsenzkraft Monika Skopp und ergänzt: "Das ist so schön zu sehen. Der Moment jagt mir immer noch Gänsehaut ein."


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