Alles friedlich an der Grenze? Grenzsteintreffen zwischen Iburg und Lienen

Von pm

Am Grenzstein zwischen Bad Iburg und Lienen am Postdamm treffen sich Niedersachsen und Westfalen jedes Jahr im Oktober zu einem fröhlichen Beisammensein. Foto: Heimatverein LienenAm Grenzstein zwischen Bad Iburg und Lienen am Postdamm treffen sich Niedersachsen und Westfalen jedes Jahr im Oktober zu einem fröhlichen Beisammensein. Foto: Heimatverein Lienen

Bad Iburg/Lienen. Am kommenden Sonntag, 13. Oktober, findet um 11 Uhr wieder das Treffen am Grenzstein am Postdamm an der Lienener Ortsgrenze zu BAd Iburg - oder genauer: zu Glane/Ostenfelde - statt. Das Treffen kann inzwischen auf eine jahrzehntelange Tradition zurückblicken.

Es war im Jahr 1998, dem 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens, als an der Grenze zwischen dem nordrhein-westfälischen Lienen und dem niedersächsischen Ostenfelde - das seit 1972 zur Stadt Bad Iburg gehört -  eine Friedensbank aufgestellt. Seitdem treffen sich jährlich am zweiten Sonntag im Oktober die Mitglieder der Ostenfelder Bergfreunde, des Wandervereins Teutoburg sowie der Heimatvereine Glane und Lienen zu einem grenzüberschreitenden Austausch. Im vergangenen Jahr wurde das 20. Treffen gefeiert. Auch in diesem Jahr sind wieder alle Heimatfreunde und Interessierte herzlich dazu eingeladen. 

Früher gehörte Ostenfeld zu Lienen

Wie schon beim vergangenem Mal wird 2019 erneut ein besonderes Jubiläum begangen: Die Grenze am Postdamm ist mittlerweile 410 Jahre alt.  Am 4. Oktober 1609 wurde erstmals der offizielle Grenzverlauf zwischen den Kirchspielen Lienen und Glane beziehungsweise zwischen der Grafschaft Tecklenburg und dem Fürstbistum Osnabrück festgelegt. Das Ergebnis war die Abtrennung der einst zu Lienen gehörenden Bauerschaft Ostenfelde. Die älteren Verhältnisse haben sich noch im Namen erhalten. Denn Ostenfelde meint nichts anderes als das östlich von Lienen gelegene Feld.

Zwischen Tecklenburger Grafen und Osnabrücker Bischöfen 

Diese damalige Grenzsetzung vor 41 Jahrzehnten sollte einem lange andauernden territorialen Ringen um die Vorherrschaft im Kirchspiel Lienen ein Ende setzen, die sowohl vom Tecklenburger Grafen als auch vom Osnabrücker Bischof beansprucht wurde. Ostenfelde fiel an Glane und somit in den Osnabrücker Herrschaftsbereich – Lienen wurde endgültig ein Teil der damaligen Grafschaft Tecklenburg. 

Jagd-, Weide-, Holz- und sonstigen Markenrechte

Doch wurde die Rechnung ohne die Bauern auf beiden Seiten gemacht, die sich durch diese Festlegung in ihren diesseits und jenseits der Grenze behaupteten Jagd-, Weide-, Holz- und sonstigen Markenrechten eingeschränkt sahen. Um diese gegenseitigen Ansprüche entzündeten sich in der Folgezeit heftige Konflikte, in denen auch viel Blut floss. 

Trotzdem blieb die Grenze so, wie sie 1609 gezogen worden war, und trennte fortan Tecklenburg und Osnabrück, später Preußen und Hannover und schließlich bis heute die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Und wenn sich Ostenfelder und Lienener heute am zweiten Sonntag im Oktober an der Grenze treffen, fließt  kein Blut, sondern höchstens Bier und Limonade. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN