Klavierkonzert von Aeham Ahmad Musik voller Wut, Trauer und Hoffnung

Emotionsgeladener Auftritt: Aeham Ahmad bei seinem Konzert im Gymnasium Bad Iburg Foto: Gudrun SchmiesingEmotionsgeladener Auftritt: Aeham Ahmad bei seinem Konzert im Gymnasium Bad Iburg Foto: Gudrun Schmiesing

Bad Iburg. Ein junger Mann in einem grünen Poloshirt spielt Klavier – umgeben von den Trümmern Yarmouks, nahe Damaskus.

Das Publikum zog der studierte Musikpädagoge mit seiner virtuosen, eigenwilligen Spielweise von Beginn an in seinen Bann. Während des Abends spielte Aeham Ahmad orientalische Volkslieder, Improvisationen bekannter Kompositionen sowie eigene Stücke im Wechsel. So ließ er Beethovens „Für Elise“, Mozarts „Alla Turca“ in eigenwilliger Interpretation mit freien Improvisationen aufeinanderprallen. Dabei schlug er mal einhändig auf die Tasten, als sei seine Hand eine Fliegenklatsche. Mal traktierte er lautstark die Saiten des Flügels, um kurz darauf wieder sanfte Klänge auf der Tastur zu spielen. Aus einem derartigen Klanggewitter blitzte „Die Gedanken sind frei“ auf. Kaum hatte das Publikum das Stück erkannt, sang es unaufgefordert die ersten Zeilen.

Ausdruck

Für Aeham Ahmad ein wichtiger Titel – benutzt er doch sein Instrument, um seinen Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu verleihen. In seinem Spiel spiegeln sich seine Angst, Trauer, und Hoffnung im Syrienkrieg sowie während der Flucht wider. So wie 2013, als der Pianist in den Ruinen von Yarmouk spielte. Das dortige Flüchtlingslager war abgeriegelt und die Menschen darin verhungerten. Aus Protest gegen diese Unmenschlichkeit lud Ahmad sein Klavier auf einen Rollwagen und spielte in den Ruinen. Nachdem IS-Soldaten 2015 das Viertel stürmten und sein Instrument verbrannten, floh Ahmad nach Deutschland.

Mitorganisiert wurde die Veranstaltung von der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft. Der Eintritt war frei. Erlöse aus dem Verkauf von Kaktusfeigenlimonade während der Pause werden notleidenden Bauern in und um Hebron zu Gute kommen, wie Nazih Musharbash, Präsident der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft in seiner Begrüßung erläuterte. Er zeigte sich erfreut, dass auch Ahmad dieses Projekt unterstütze.

Ankommen

Das Ankommen in Deutschland ist für Aeham Ahmad ein noch andauernder Prozess. Seine Frau und seine beiden kleinen Söhne folgten ihm 2016. Seine Karriere als Konzertpianist ging nach seiner Flucht bald weiter. Tourneen führten ihn in große Städte wie Köln, Berlin und München. Doch seine Erinnerungen und Ängste kann er dabei nicht verdrängen, wie er in seinem Buch schreibt: „Ich sitze hier auf einem Berg aus Leichen. Warum habe ich überlebt?“. So schwanken seine Emotionen während der Auftritte zwischen Angst, Schuld und doch auch immer wieder Hoffnung. Ein guter Konzertabend ende für ihn mit dem Gefühl, „die Welt ein bisschen besser gemacht zu haben“.


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