Mut und Haltung zeigen gegen Rechts Boris Pistorius im Gymnasium Bad Iburg

Boris Pistorius zu Gast im Europaforum des Gymnasiums Bad Iburg. Mit den Gymnasiasten der 11. und 12. Klassen diskutierte er das Thema, wie man sich gegen den politischen Druck von rechts in der Gesellschaft wehren sollte. Foto: Susanne PohlmannBoris Pistorius zu Gast im Europaforum des Gymnasiums Bad Iburg. Mit den Gymnasiasten der 11. und 12. Klassen diskutierte er das Thema, wie man sich gegen den politischen Druck von rechts in der Gesellschaft wehren sollte. Foto: Susanne Pohlmann

Bad Iburg. Boris Pistorius war zu Gast im Gymnasium Bad Iburg im "Europaforum". Er machte den Schülern Mut gegen rechte Meinungsmache.

Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius ist angesichts seiner Kandidatur für den SPD-Vorsitz ein gefragter Mann, aber die Einladung ins Gymnasium Bad Iburg im Rahmen des "Europaforums" am Freitagmorgen wollte er auf keinen Fall absagen. Er wurde begrüßt und begleitet von der Schulleiterin Christiane Schneider, Förderverein- und Schulelternratsvertretern, sowie vom Schirmherren des Europaforums Dr. Hans-Gert Pöttering. 

"Hier wird Europa nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt", so Pistorius, "und es ist gut, vor allem mit jungen Leuten darüber zu diskutieren, was los ist in Europa und in unserer Gesellschaft." Die Europäische Union sei eine der wichtigsten Errungenschaft des 20. Jahrhunderts und die heutige Jugend weiß gar nicht mehr, wie es war mit Grenzen, Geld-Umtausch und Telefonieren mit Voranmeldung vom Postamt aus ins Ausland. Diese Offenheit und Freiheit sei es Wert dafür zu kämpfen, erklärte er mit Leidenschaft, "vor allem wenn man sieht, wie sich extreme Ideen überall auf der Welt wie in den USA oder in der Türkei verbreiten." 

Pistorius bat die Gymnasiasten der 11. und 12. Klassen, den radikalen, Menschen verachtenden Äußerungen der neuen Rechten entgegenzutreten. Man dürfe es nicht hinnehmen, dass speziell in den sozialen Netzwerken in einer verrohten Sprache Menschen verunglimpft und Tatsachen falsch dargestellt werden. Pistorius: "Da beruft man sich sogar auf christliche Werte und beschwört das Heimatgefühl, dabei sind diese Shitstorms gnadenlos und ätzend." Diese Populisten seien gegen alles, was individuelle Freiheit möglich macht. Ignorieren sei falsch, stattdessen müsse man schon bei scheinbar harmlosen flapsigen Sprüchen Haltung zeigen. "Reichsbürger darf man nicht belächeln", so der Innenminister, "die sind gefährlich und die muss man entwaffnen." Hass und Extremismus, auch wenn diese noch harmlos erscheinen, weil ganz normale Bürger wie in der AfD diese Ideen vertreten, dürfen keinen Nährboden in der Gesellschaft haben. "Das Land gehört uns allen und gemeinsam wollen wir friedlich nach den Regeln des Grundgesetzes miteinander leben", stellt Boris Pistorius klar, "und die jungen Leute heute sind dafür verantwortlich, dass diese Werte wie Respekt, Menschenwürde und Meinungsfreiheit auch in der Zukunft gewahrt bleiben." 

Die erste Frage der Schüler, die den Besuch des Ministers im Leistungskurs Politik vorbereitet hatten, zeigte dann, dass Haltung zeigen auch etwas mit Mut zu tun hat: "Haben sie selber nicht auch Angst, dass sie in den Fokus der Gewalt geraten, wenn sie so konsequent Haltung zeigen?" Er sei sich der Gefahr für sich und seine Familie bewusst, aber wenn man die Gegner kenne, dann könne man sich auch schützen. In Niedersachsen gebe es rund 1300 Rechtsextreme, die man im Blick habe, auch wenn man sie nicht ständig überwachsen könne. Das würde auch der Datenschutz nicht zulassen, aber man sei vorbereitet. 

Der Frage der Jugendlichen, ob Polizei und Bundeswehr auf dem rechten Auge blind seien, widersprach Pistorius mit Nachdruck. Solche Institutionen seien ein Abbild der Gesellschaft und auch da gebe es Menschen mit rechtspopulistischen Ideen, aber das seien Einzelfälle, Generell leiste man dort hervorragende Arbeit. Auch wenn Pistorius sich in seinem Vortrag speziell gegen den politischen Rechtsruck in der Gesellschaft und die damit verbundene Gefahr wandte, gab er auf Nachfragen zu, dass ebenso gefährlich auch beispielsweise die Islamistischen Entwicklungen sind. Extremismus sei immer gefährlich, egal von welcher Seite. Daher müssen man umso dringender all diesen Tendenzen entgegentreten. Pistorius: "Wir alle müssen gemeinsam die Verantwortung übernehmen, unsere Gesellschaft und ihre Werte zu schützen. Das funktioniert nicht allein, gemeinsam muss man Haltung zeigen." 


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