Wald in der Krise Dürre, Sturm und Borkenkäfer beim Iburger Waldwochenende

Rainer Städing vom Niedersächsischen Forstamt (links im Bild) zeigt den Besuchern des Waldwochenendes was passiert, wenn der Borkenkäfer sich weiter ausbreitet und wie der Forst gegen den Schädling ankämpft. Dabei konnte der Käfer bei seiner Arbeit live beobachtet werden.  Foto: Monika VollmerRainer Städing vom Niedersächsischen Forstamt (links im Bild) zeigt den Besuchern des Waldwochenendes was passiert, wenn der Borkenkäfer sich weiter ausbreitet und wie der Forst gegen den Schädling ankämpft. Dabei konnte der Käfer bei seiner Arbeit live beobachtet werden. Foto: Monika Vollmer

Bad Iburg. Dem Wald geht es nicht gut. Davon konnten sich die Besucher des Waldwochenendes am Bad Iburger Baumwipfelpfad ein Bild machen.

Niedlich sieht er nicht aus, der langgestreckte, dunkelbraune Körper des Buchdruckers, einer Käferart aus der Unterfamilie der Borkenkäfer. Vielmehr gilt er als bedeutender Waldschädling. Denn durch die Anlage seiner Brutsysteme mit jeweils gut 40 Larvengängen und der Fraßtätigkeit der Larven beschädigt das Insekt die wasserleitenden Schichten seines Wirtsbaumes. Das Resultat: kahle, ausgetrocknete Bäume. Das Niedersächsische Forstamt zeigte an seinem Stand den Besuchern des Waldwochenendes verschiedene Rindenstücke mit lebenden Käfern. Wer mehr erfahren wollte, konnte eine 30-minütige Waldführung oder den Vortrag „Wald in der Krise“ besuchen.

Borkenkäferbefall unter der Rinde. Foto: Monika Vollmer

Klimaexperten prophezeien zunehmend Witterungsextreme. Die seit 2018 anhaltende Dürre, Stürme wie Friderike, Eberhard und Frank, die Borkenkäferkalamität – unser Wald befindet sich aktuell tatsächlich in einer Notsituation. Wie geht es weiter? Das war eine der Fragen, die der Regionale Pressesprecher vom Niedersächsischen Forstamt Ahlhorn, Rainer Städing, in seinem Vortrag zu beantworten versuchte. „Nach dem Frühjahr ist nun die zweite Käfergeneration mit unglaublich vielen Käfern unterwegs und aktuell ist ein massiver Verlust an Fichtenwäldern zu verzeichnen. Der Wassermangel im Boden setzt insbesondere in der zweiten Sommerhälfte den Bäumen noch einmal kräftig zu, wird die Situation noch verschärfen“, erklärte Städing und wies auch auf deutliche Verluste von Lärchen und Buchen sowie auf labile Waldbestände hin.

Das Niedersächsische Forstamt sieht derweil die Wiederaufforstung und eine Anpassung der Wälder an die Folgen des Klimawandels als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Nicht nur auf eine Baumart setzen, sondern auf eine Mischung aus mindestens drei Arten“, ist Städings Credo für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Seiner Meinung nach sollte jedoch die Buche als Mutter des Waldes diese Rolle durchaus behalten.  

Tanja und Lars Naumann-Roso stanzen für ihren knapp zweijährigen Sohn Niklas einen Button mit heimischen Waldtieren. Foto: Monika Vollmer

Den Besuchern wurde viel Informatives geboten. Sie erfuhren zum Beispiel auch, wie heimische Bäume und Sträucher zu lebendigen Gärten und zur Artenvielfalt beitragen können. Außerdem gabe es ein buntes Rahmenprogramm. So konnten sich Kinder beispielsweise Buttons mit Tiermotiven des Waldes stanzen oder an einem Quiz teilnehmen. Schweißtreibend sägte der ein oder andere Erwachsene ein geschätztes 500 Gramm Stück von einem Birkenstamm ab und erlebte beim Wiegen die große Überraschung, in positiven wie negativen Sinn.

Lars Deepe versucht unter Anleitung seiner Frau Nicole möglichst genau eine 500 Gramm schwere Birkenscheibe abzusägen. Foto:Monika Vollmer

Am Abgang des Baumwipfelpfades präsentierte Wolfgang Ablasz gedrechselte Schalen und Objekte aus dem Holz heimischer Wälder. „Jedes Stück ist ein Unikat. Denn neben der glatten Fläche, die beim Drechseln und Schleifen entsteht, zeugen Risse und Verwachsungen von der Kraft des Holzes und seiner einmaligen Fähigkeit zur individuellen Form“, so der Künstler.

Handwerk aus dem Holz heimischer Wälder präsentierte Wolfgang Ablasz. Foto: Monika Vollmer

„Wir überlegten uns, was wir dazu beitragen konnten, den Baumwipfelpfad auch nach der Landesgartenschau mit interessanten Beiträgen weiterlaufen zu lassen“, erklärte Städing die Initiative, das Waldwochenende ins Leben zu rufen. Die Aktion fand bereits zum zweiten Mal statt und erlebte mit der überregional bekannten Band Heimspiel, die am Samstagabend 90 Minuten lang Hits aus fünf Jahrzehnten Rock- und Popgeschichte spielte, einen weiteren Höhepunkt.  

Elena Hinterpohl informiert über Bestattungen im Wald als Alternative zum herkömmlichen Friedhof. Foto: Monika Vollmer


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