Letzter Abschnitt der Ausgrabung im Schlosshof Mächtiger Vorgänger des Iburger Bennoturms gibt Rätsel auf

Michaela Jansen erläutert die Grabungskampagne im Innenhof der Iburg. Im Hintergrund vermisst Ingenieurin Carolin Prinzhorn die Fläche. Hausherrin Cristina von Pozniak-Bierschenk (rechts) hört aufmerksam zu. Foto: Swaantje HehmannMichaela Jansen erläutert die Grabungskampagne im Innenhof der Iburg. Im Hintergrund vermisst Ingenieurin Carolin Prinzhorn die Fläche. Hausherrin Cristina von Pozniak-Bierschenk (rechts) hört aufmerksam zu. Foto: Swaantje Hehmann

Bad Iburg. Viermal so gewaltig wie der Bennoturm war der Achteckturm, der bis um das Jahr 1500 von Münster aus auf den Höhen des Teutoburger Waldes zu sehen war. Vom letzten Grabungsabschnitt im Vorhof des Iburger Schlosses erhofften sich die Archäologen neue Erkenntnisse über diesen Turm. Die Ausbeute ist mager, im südlichen Bereich ist der Riese komplett abgetragen.

Warum, fragen sich jetzt Grabungsleiterin Michaela Jansen, Stadt- und Kreisarchäologe Axel Friederichs und Hausherrin Cristina von Pozniak-Bierschenk, die Leiterin des Staatlichen Baumanagements, das die archäologischen Untersuchungen finanziert, die seit 2011 fortlaufend umfangreiche archäologische im  Schlossinnenhof stattfanden. 

Diese führten 2014 zu der überraschenden Erkenntnis, dass der heutige Bennoturm genau im Zentrum eines mächtigen achteckigen Fundamentrings steht. Nun sollten weitere Spuren der Vergangenheit erforscht werden, bevor sie durch Sanierungsarbeiten zerstört werden. "Wir gucken überall da in den Boden, wo Gefahr im Verzug ist", sagte Axel Friederichs vor der Grabungsfläche neben dem Treppenaufgang zum Schloss.

Foto: Swaantje Hehmann

Fünf Wochen lang beschäftigten sich Experten mit der Fläche. Erst kamen die Bagger, dann wurden die Deckschichten vorsichtig mit Kelle und Pinsel abgetragen. Am Ende der Grabungskampagne steht fest:  Vom Oktogon ist nichts mehr vorhanden. "Hier ist nichts", konstatiert Grabungsleiterin Dr. Michaela Jansen, denn das Niveau lag im Mittelalter höher. Nur eine orangefarbene Schicht Sand hier und da zeugt vom Bauhorizont. Ein rot-weißes Plastikband zeigt den ursprünglichen Verlauf der Mauer.

Diese war Teil des gewaltigen Achteckturms aus dem späten zwölften Jahrhundert, einem der größten im ehemaligen Deutschen Reich. "Der Turm war eine Machtdemonstration", erläutert Jansen. Auf dem höchsten Punkt des Schlossbergs stand er zusammen mit der Kirche. Seine Bauherren waren Heinrich der Löwe oder Simon von Tecklenburg.

Foto: Swaantje Hehmann

Um 1500 wurde das Oktogon durch Konrad XIV. abgerissen. Der Bennoturm entstand, weitaus kleiner als sein Vorgänger. Der Grund? "Der große Turm nahm Platz und Licht weg", vermuten die Archäologen. Auf Konrad folgte Erich von Rietberg, der das Torhaus bauen ließ.

Die heutige Hofoberfläche sagt nichts mehr über die mittelalterliche Situation aus. Damals lag das Niveau deutlich höher. Vermutlich war auch das Gefälle im Bereich des Vorhofs weniger ausgeprägt. Reste des früheren Niveaus sind in der Abbruchkrone des alten Achteckturms unter der heutigen Hofmauer konserviert. Erhalten haben sich der Bauhorizont und Gerüstlöcher. 

Foto: Swaantje Hehmann

Fürstbischof Franz-Wilhelm von Wartenberg ließ im 17. Jahrhundert die heutige Hofmauer auf gewachsenem Fels und einen Raum für den Burggrafen errichten, von dem sich noch eine Tür und ein Fenster in der Hofmauer erhalten haben. "Auf der Grabungsfläche war ein Feldhühnerhof für Rebhühner und Fasane", so Jansen. Das ergibt sich aus einem Entwurfsplan aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.

Doch die Archäologen haben noch eine Möglichkeit, tiefer in die Geschichte hinabzusteigen. Mörtel aus der Grabungsstelle soll mit der Radiocarbonmethode datiert werden, am liebsten in Miami, denn dort geht es am schnellsten. Und noch ein Rätsel soll gelöst werden: "Der Achteckturm hat in den unteren drei Metern ein  anderes Mauerwerk als darüber. Das passt nicht." 

Jetzt wird die Grabung am Schreibtisch aufgearbeitet. Alle Forschungsergebnisse werden für weitere wissenschaftliche Arbeiten zusammengestellt, um die Baugeschichte der Iburg weiter abzurunden. Das Gelände ist schon wieder zugeschüttet. Enttäuscht ist Michaela Jansen von den Ergebnissen ihrer jüngsten Grabung nicht: "Ich finde Befunde schöner als Funde."


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