20-jährige Osnabrückerin vor Gericht Therapie-Auflage nach Wohnungseinbruch und Diebstahl

Osnabrücker Amtsgericht. Foto: Swaantje HehmannOsnabrücker Amtsgericht. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Glimpflich ist eine 20-Jährige vor dem Amtsgericht Osnabrück davongekommen. Dort hatte sie sich wegen Wohnungseinbruch und Diebstahl zu verantworten.

Die Frau hatte Ende Januar 2019 in Bad Iburg ein gekipptes Fenster neben einer Haustür ausgehebelt und sich so unberechtigten Zutritt in die Wohnung verschafft. Dort fand sie auf dem Küchentisch 150 Euro, die sie stahl. Zeugen hatten den Einbruch mitbekommen und die Polizei verständigt. Den Beamten gelang etwas später, der Täterin habhaft zu werden.

Während die 20-jährige Osnabrückerin zunächst noch die Tat abstritt und sogar eine Bekannte überredet haben soll, ihr ein Alibi zu verschaffen, legte sie nun in der Verhandlung die Karten auf den Tisch.

Geständnis

Sie habe einem Kumpel 70 Euro geliehen. Da der die Rückzahlung aber immer wieder herausgezögert habe, sei sie schließlich zu dessen Wohnung in Iburg gefahren. Da der Bekannte sich auch telefonisch nicht meldete, wäre sie in das Haus eingestiegen. Sie habe allerdings nicht 150 Euro mitgehen lassen, sondern nur 90 Euro. Warum nicht nur die 70 Euro, die man ihr geschuldet habe, fragte die Richterin nach. „Konsequenz muss sein“, antwortete die Angeklagte.

Seit dem 16. Lebensjahr auf Droge  

Zu erfahren war in der Verhandlung ebenfalls der Hintergrund der Tat. Die Frau weist wegen einer traumatischen Vergewaltigung Borderline-Symptome auf. Zudem hat sie laut eigenen Worten seit dem 14. Lebensjahr mit Drogen zu tun. „Erst habe ich Marihuana geraucht, dann mit 16 und bis noch vor Kurzem Kokain, Ecstasy und Pilze genommen.“

Sie selbst habe sich via Diakonie bereits Hilfe geholt. Seit August therapiere sie ihre Borderline-Erkrankung in einer psychiatrischen Einrichtung in Neuenkirchen-Vörden. Anschließend solle es für sie zur Drogen-Reha in eine Klinik nach Visbek gehen.

Dauerarrest gefordert

Der Staatsanwalt berücksichtigte in seinem Plädoyer das Geständnis und die Bemühungen der jungen Frau. Dennoch wollte er sie wegen der Schwere der Tat nach der ersten Therapie in Neuenkirchen-Vörden noch zu 30 Sozialstunden verpflichtet und zu drei Wochen Dauerarrest verurteilt wissen.

Der Verteidiger der Angeklagten hielt dem entgegen, dass seine Mandantin freiheitsentziehende Maßnahmen gerade jetzt nicht brauche. Sie habe sich auf den Weg gegeben und sich selbstständig einen Therapieplatz besorgt, betonte der Verteidiger.

Ausgewogenes Urteil

Das Urteil des Jugendschöffengerichts war eine Mischung aus den Schlussvorträgen von Staatsanwalt und Verteidiger. Die Angeklagte wurde wegen erheblicher Reifeverzögerung noch nach Jugendstrafrecht dazu verurteilt, die begonnene Therapie nach Weisung der Ärzte fortzusetzen. Zudem solle sie 150 Sozialstunden ableisten. „Wie das zu bewerkstelligen ist, wenn sich tatsächlich eine Therapie in Visbek anschließt müssen wir sehen. Vielleicht kann man das verrechnen“, so die erfahrene Jugendrichterin.

Sollte die Therapie durch das Verschulden der Angeklagten abgebrochen werden, müsse allerdings über einen zu verhängenden Dauerarrest gesprochen werden. „Aber ich möchte Sie hier nicht wiedersehen“, schloss die Richterin.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN