Das Grüne Abitur – mit und ohne Gewehr Noch freie Plätze in Glane für Jagd-Interessierte

Präsentation der Jagdhunderasse Weimaraner auf dem „Hundesonntag“ in Hilter im März 2017. Mit in das Ausbildungsprogramm für den Jagdschein gehört jedes Jahr wieder das Kennenlernen der verschiedenen Jagdhundrassen und ihrer Einsatzgebiete im Revier. Foto: Carolin HlawatschPräsentation der Jagdhunderasse Weimaraner auf dem „Hundesonntag“ in Hilter im März 2017. Mit in das Ausbildungsprogramm für den Jagdschein gehört jedes Jahr wieder das Kennenlernen der verschiedenen Jagdhundrassen und ihrer Einsatzgebiete im Revier. Foto: Carolin Hlawatsch

Bad Iburg. Die Motivation eine Jagdausbildung zu absolvieren muss nicht die tatsächliche Jagdausübung mit Waffe sein. Inzwischen stellen sich Leute den vielfältigen Anforderungen des Grünen Abiturs einfach aus Interesse an der heimischen Natur oder auch um einen Jagdhund zu führen. Mitte September beginnt in Bad Iburg die Jagd-Ausbildung 2019/2020. Anmeldung für die letzten freien Plätze ist noch möglich.

„Schonmal etwas von Cerviden und Boviden gehört?“, – Fragezeichen über den Köpfen der angehenden Jungjägern und -Jägerinnen, die übrigens nicht alle jung sind. Das Wort Jungjäger täuscht. Personen im Alter von 16 bis über 60 haben sich in den letzten Jahren regelmäßig zur Jagdausbildung in Bad Iburg-Glane eingefunden, unter ihnen Versicherungskaufleute, Lehrer, Schüler, Tagesmütter, Landmaschinenmechaniker, angehende Forstleute. „Cerviden sind Geweihträger wie Rot- oder Damhirsch, die ihren Kopfschmuck einmal im Jahr abwerfen. Boviden sind Hornträger wie Rind oder Mufflon, die ihre Hörner ein Leben lang behalten“, bekamen sie von Ausbilder und Tierpräparator Udo del Fiol aus Hasbergen in dessen Tierkunde-Stunden erklärt. 

Während der Ausbildungszeit trifft sich die rund 30 Personen fassende Gruppe zwei mal pro Woche abends in Bad Iburg um zweieinhalb Stunden aus Vorträgen, Diskussionen und mit anschaulichen Materialien, wie Tierpräparaten, Federn, Knochen oder getrockneten Pflanzen zu lernen. An den Wochenenden geht es hinaus in die Natur für praxisbezogene Reviergänge oder an den Schießstand. Naturschutz, Hege, Wildkrankheiten, Waffenkunde und Jagdrecht sind weitere Fachgebiete der insgesamt sechsmonatigen Ausbildung durch fünf erfahrene Waidmänner der Jägerschaft Osnabrück-Land und Gastdozenten aus dem Kreisveterinäramt die zu Hygienevorschriften beim Umgang mit Wild und Wildbret referieren. Mit zum Programm gehört stets der bei vielen Jagdscheinanwärtern beliebte „Hundesonntag“. Mitglieder des Jagdgebrauchshundvereins Osnabrück und Umgebung stellen dabei eine Vielfalt an Hunderassen vor und zeigen die Vierbeiner in Aktion in ihren jeweiligen Aufgabengebieten vom Stöbern, über Apportieren bis zum Vorstehen.

„Einen Hund habe ich bisher nicht, weil mir die Zeit dafür fehlt. Mit zur Drückjagd bin ich aber zum Zuschauen schon gegangen“, berichtet Jens Glatzel aus Belm. Er bestand im Frühling 2017 die Jagdschein-Prüfung, ist bis jetzt aber kein aktiver Jäger. Viel mehr als die Jagd an sich interessieren ihn die Zusammenhänge der heimischen Natur. „Ich wollte mehr über die Tiere und Pflanzen in unseren Wäldern und Wiesen lernen und habe mich deswegen auch bewusst für den längeren Ausbildungsweg entschieden, anstatt der ebenfalls möglichen, rund drei-wöchigen Crash-Kurse mancher Jagdschulen“, erzählt er. Als Jugendlicher machte er ein Schülerpraktikum beim Förster in Wallenhorst-Rulle. „Da ich später in der Region bleiben wollte, und Förster-Stellen rar gesät sind, bin ich letztendlich aber Berufsschullehrer für Gesundheitsfachberufe geworden“. 

Üben für die Jagdprüfung: Jagdscheinanwärter versuchen Gehörn und Skelette den heimischen Tierarten zuzuordnen. Foto: Carolin Hlawatsch

Nach sechs Monaten Unterricht ist es Zeit für die schriftliche sowie die praktische Jägerprüfung. Beim praktischen Teil wandern die Prüflinge im Jagdrevier Stockumer Berg in Bissendorf aufgeregt von Station zu Station und stellen ihr Wissen in allen jagdlichen Bereichen unter Beweis. Die Schießprüfung mit Büchse und Flinte findet bereits ein paar Wochen eher statt. Diejenigen, die den Jagdschein ohne Waffe anstreben, sind vom Waffenkunde-Unterricht befreit und vom Prüfungsteil „Jagdliches Schießen“ ausgeschlossen. Mit dem Bestehen des „Grünen Abiturs ohne Gewehr“ haben sie dennoch die Option der weiterführenden Ausbildung zum Falkner, der anstelle einer Waffe mit Hilfe eines Greifvogels zur Jagd geht.

Für Anmeldungen und weitere Informationen zum Jagdschein ist Reinhard Korbel, Vorsitzender der Jägerschaft Osnabrück-Land Ansprechpartner. Kontakt: Telefon: 05403/4553, E-Mail: korbel@osnanet.de


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