Schleiereulen-Nachwuchs im Tierhotel Von den Naturfreunden umgebautes Trafo-Haus entwickelt sich zum Refugium für viele Arten

Dieses zirka drei Wochen alte Schleiereulen-Küken hat den Schnabel geöffnet um zu hecheln. Die Hitzewelle der letzten Tage macht ihm in seinem Nest unter dem Dach des Tierhotels doch etwas zu schaffen. Foto: Carolin HlawatschDieses zirka drei Wochen alte Schleiereulen-Küken hat den Schnabel geöffnet um zu hecheln. Die Hitzewelle der letzten Tage macht ihm in seinem Nest unter dem Dach des Tierhotels doch etwas zu schaffen. Foto: Carolin Hlawatsch

Bad Iburg. Noch sehen sie eher aus wie kleine Geier als wie Eulen. In dem von den Naturfreunden Glandorf zum Tierhotel umgestaltetes Trafo-Häuschen in Bad Iburg-Ostenfelde werden derzeit fünf junge Schleiereulen von einem Elternpaar aufgezogen.

„Das Schleiereulenpaar gehörte zu den ersten Bewohnern, die hier eingezogen sind, nachdem wir die ausgediente Trafo-Station 2010 von der RWE zu einem symbolischen Preis kauften und sie zu einem Nisthotel für Wildtiere herrichteten“, erklärt Alfons Heuger, Vorsitzender der Naturfreunde Glandorf. Da Schleiereulen standorttreu sind, tippt Heuger darauf, dass es sich um eben jenes Eulenpaar handelt, welches seitdem jedes Jahr wieder unter dem Dach brütet. 

„Eulen können um die acht Eier legen und zwar alle zwei Tage jeweils eins“, weiß der Naturfreund aus Glandorf. So entdeckt man, beim Blick durch die Kontrollklappe, im Nest der Schleiereulen in Ostenfelde nun fünf verschieden große Küken. Das Älteste ist vor drei Wochen geschlüpft, das Jüngste vor drei Tagen. Den, für die Art typischen, herzförmigen Gesichtsschleier müssen sie erst noch entwickeln. Bis zur ihrer zirka sechsten Lebenswoche werden die weißen Vögel im geschützten Dachboden-Nest bleiben, bevor sie sich aus dem Eulenloch im Giebel in die weite Welt hinaus wagen. 

„Wenn die Brut-Saison beendet ist und alle ausgeflogen sind, muss da oben mal richtig ausgemistet werden“, meint Naturfreund Helmut Buttler aus Lienen, der das Tierhotel kontrolliert und dafür regelmäßig die steile Leiter im Trafo-Turm erklimmt. Die Nistschicht sei inzwischen recht hoch und Raum-raubend durch Kot und Gewölle, welches die Eulen nicht selbst heraus transportieren. 

Die erst wenige Tage alten Schleiereulen-Küken im Tierhotel in Bad Iburg-Ostenfelde hatten Mitte Juli die Augen noch geschlossen. Erst nach knapp zwei Wochen öffnen sie sie. Aus den zwei weiteren Eiern schlüpften ein paar Tage später ihre Geschwister. Foto: Naturfreunde Glandorf


Die fünf Küken sind bereits die zweite Brut des Schleiereulenpaares in diesem Jahr. Ende Mai machten vier, im April geschlüpfte Jungvögel Platz im Nest für die nächste Brut. Zweit- oder sogar Drittbruten kämen, laut den Naturfreunden, bei Schleiereulen dann vor, wenn das Nahrungsangebot an Mäusen recht hoch sei. Doch trotz „gutem Mäusejahr“ haben es Schleiereulen in unserer heutigen Siedlungslandschaft nicht leicht. Sie gelten als „Kulturfolger“, bauen ihre Nester nicht in Bäumen, sondern suchen sich Brutplätze in Scheunen, Dachböden oder an Kirchen. „Weil diese Nischen aber zunehmend verschlossen, saniert und isoliert werden, verlieren die darauf angewiesenen Vogelarten, wie zum Beispiel auch die Rauchschwalbe, ihre Brutplätze“, erklärt Alfons Heuger. Früher habe fast jeder Bauernhof eine sogenannte „Uhlenflucht“ , ein Eulenloch im Dachgiebel gehabt. Heute sieht man das nur noch selten. 

Zum Schutz der Schleiereule sei das Anbieten von geeigneten Nisthilfen wichtig. Dass in, von den Naturfreunden aufgehängten Nistkästen, direkt neben den Eulen auch schonmal ein Turmfalke und ein Steinkauz mit eingezogen sind, deutet Alfons Heuger als „Wohnungsnot der Tiere“. „Sonst würde sich doch jeder ein eigenes Nest suchen“. Und auch das Tierhotel in Ostenfelde scheint dankbar von vielen verschiedenen Arten angenommen zu werden. Außer den Schleiereulen gehören Turmfalken und Dohlen zu den regelmäßigen Hotelgästen. Außen am Gebäude finden Kleiber, Meisen, Sperlinge, Fledermäuse und Wildbienen in entsprechenden Vorrichtungen Unterschlupf. 

Eine ehemalige Trafo-Station in Bad Iburg wandelten die Naturfreunde Glandorf in ein Tierhotel um. Dafür brachten sie verschiedene, den Vogel-, Fledermaus-, und Insekten-Arten entsprechende Nisthilfen an. Im Erdgeschoss findet auch der Igel einen Platz zum Überwintern und ein Naturstein-Haufen neben dem Turm dient wärmeliebenden Eidechsen und Blindschleichen als Rückzugsort. Foto: Carolin Hlawatsch


Die Naturfreunde, die Dank Niedersächsischer Bingo-Umweltstiftung, der Naturschutzstiftung des Landkreises Osnabrück, der Volksbank Osnabrück, der Stadt Bad Iburg und dem Bauunternehmen Reinhard Sommer den Trafo-Turm in ein Tierhotel verwandeln konnten, freuen sich über die dort entstandene Artenvielfalt und hoffen nun darauf, dass eine neue Generation gesunder, widerstandsfähiger Eulen heran wächst. „Denn neben schwindenden Lebensräumen gibt es für die Schleiereule insbesondere in der dunklen Jahreszeit noch eine weitere Gefahr: „Rund 70 Prozent aller Schleiereulen-Jungtiere überleben den Winter nicht. Viele von ihnen fliegen in Autoscheinwerfer“, so Alfons Heuger. 

Als er zum Dach des Tierhotels hinauf schaut, fliegt gerade eine erwachsene Eule, aufgeschreckt durch das Öffnen der Kontrollklappe hinaus. „Normalerweise sind Eulen nachtaktiv und fliegen erst Abends hinaus auf die offenen Felder um Spitz- und Feldmäuse zu erbeuten. Wenn sie sich in Sicherheit wähnt, kommt sie gleich wieder zurück ins Hotel“. 


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