Autonome Mönchsrepublik Athos Wo Frauen keinen Zugang haben

Mit dem besonderen Blick: Reinhard Thieringer zeigte in Bad Iburg seine Besuche auf Athos. Foto: Stefan BuchholzMit dem besonderen Blick: Reinhard Thieringer zeigte in Bad Iburg seine Besuche auf Athos. Foto: Stefan Buchholz

Bad Iburg. Gekommen, um zu sterben – gekommen, um immer wieder davon zu berichten: Über das Leben der Mönche rund um den heiligen Berg Athos zeigte der Reisefotograf Reinhard Thieringer beeindruckende Impressionen.

Mehrfach hat der inzwischen pensionierte Lehrer die Halbinsel Athos im Nordosten Griechenlands besucht. Aus den Kurztrips – nur vier Nächte und drei Tage darf der auswärtige Pilger jeweils dort bleiben – entstand eine 90-minütige Multi-Media-Show.

Blick für Details

Unterlegt hat Thieringer sie mit faszinierenden Bildern einer Landschaft aus Stein und Steinarchitektur gewordener Gottesverehrung. Und mehr noch: Thieringer zeigt sich als Fotograf mit dem Blick für Details. Ein simples Ensemble aus Tisch und Stühlen einer griechischen Taverne am Meer bekommt durch Thieringers Technik die Aura des gänzlich Unbeschwerten.

Leicht ist noch die Überfahrt per Schiff, auf dem nur Männer zu finden sind. Denn: Frauen haben seit der Gründung des ersten Klosters vor über 1000 Jahren prinzipiell keinen Zugang auf die scharf grenzbewehrte Halbinsel.

Schlauer ist das: eigener Proviant

Hat Mann den nur 48 Kilometer langen und seiner schmalsten Stelle nur fünf Kilometer breiten Felssporn erreicht, kann es mit der Leichtigkeit aber auch schnell vorbei sein, war von Thieringer vernehmbar. „In zwei Wochen fasten die Mönche der zwanzig orthodoxen Inselklöster gleich dreimal. Einen Tag erwischen sie also immer, sodass es also ratsam ist, neben der Wechselkleidung genug Proviant mitzunehmen.“

Pilgern auf karger Insel

Anstrengend auch die Wege von Kloster zu Kloster, denn bequeme Busverbindungen existieren nicht. Die meisten Pfade verlaufen über grobes Gestein, im besten Fall einmal über Asphalt. Dem karg wirkenden Anspruch der Mönche, das Leben auf Gott auszurichten, entsprechen die stets frei jeder Sternebewertung eingerichteten Mehrbettschlafstellen für die Pilger.

Oft genug war Thieringer schon vor Ort, um Veränderungen in der autonomen Mönchsrepublik wahrzunehmen - und fotografisch festzuhalten. Waren vor 20 Jahren noch viele Klöster in einem baufälligen Zustand, fließt mittlerweile viel Geld in die Restaurierung der Anlagen, die allesamt zum Weltkulturerbe zählen.

Vorbereitung auf den eigenen Tod

Leider und gegen jeden Rat, machen die Mönche dem an sich grünen Idyll auf ihrer Insel den Garaus. „Man arbeitet kräftig daran, mit dem Holz Geschäfte zu machen“, bewertet es Thieringer. Vielleicht gibt es zu diesem Gebaren eine Verbindung zur täglichen Praxis der Mönche: Fehlender Schlaf, harte körperliche Arbeit sowie die frei gewählte Perspektive und Haltung, sich auf den eigenen Tod vorzubereiten.


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