Küchenobjekt der Begierde Wie ein Thermomix die Schnäppchenjäger ins Iburger Amtsgericht lockt

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Bad Iburg. Thermo was? Thermomix! Er ist so etwas wie der Mercedes oder auch der Popstar unter den Küchengeräten. Seine bei Discoutern gelegentlich zu Bruchteilen des Originalpreises angebotenen Klone haben schon zu Schlägereien geführt. Ein unter den Hammer geratenes Original sorgte jetzt für Andrang im Iburger Amtsgericht.

Montagmorgen, 8.45 Uhr, Amtsgericht Bad Iburg: Fast vierzig Menschen drängen sich in den kleinen Gerichtssaal und warten darauf, dass es losgeht. Endlich losgeht. Die Stühle reichen schon nicht mehr aus, einige Interessenten müssen stehen. Immerhin kann man das Objekt der Begierde so besser im Auge behalten. Ungewöhnlich für eine Zwangsversteigerung: Ein Aufruf auf Facebook hatte viele von ihnen gelockt. Nun beugen sie sich abwechseln über den kleinen Tisch in der Mitte des Raumes und beäugen den Thermomix.

Kultobjekt in deutschen Küchen

Kochen, backen, mischen – geht es nach seinen Fans, gibt es wenig, was der Thermomix nicht kann. Und möglicherweise sogar besser kann als die gemeine Hausfrau. Das Gerät aus dem Hause Vorwerk ist inzwischen zum Kultobjekt in deutschen Küchen geworden.

Dass nach 2016 allerdings die Umsätze eingebrochen sind, liegt wohl vor allem am stattlichen Preis des Küchenhelfers. Der Neupreis von etwa 1200 Euro würde ein beachtliches Loch in viele Haushaltskassen reißen. Das musste wohl auch ein Thermomix-Fan aus dem Südkreis erfahren. Nachdem er seine Raten nach mehrmaliger Aufforderung nicht zahlte, klebte der Gerichtsvollzieher schließlich das Pfandsiegel auf das edle aber nun mal nicht bezahlte Küchengerät.


So sieht der "Kuckuck" aus: Am Thermomix klebt noch das Pfandsiegel, das deutlich macht, das das Gerät gepfändet ist . Foto: Leonie Plaar


Die Gebote schießen in die Höhe

Genug geschaut, im Saal beginnt der Bieterkrieg. Das Mindestgebot von 300 Euro ist keine Hürde. 310, 350, 400 – die Gebote schießen in die Höhe und die Zahl der Mitbieter dünnt aus. Am Ende hat ein Mann mittleren Alters den längsten Atem – und das meiste Geld für das Gerät eingeplant. Er erhält nach nur wenigen Minuten den Zuschlag. 850 Euro legt er für den Thermomix auf den Tisch. Denn bei Zwangsversteigerungen wird bar bezahlt.

Das Statussymbol unter den Küchenhelfern gehörte zu den ungewöhnlicheren Objekten, die Obergerichtsvollzieher Mario Kasselmann bisher unter dem sprichwörtlichen Hammer hatte. Und das will was heißen. Von Glühbirnen bis zum Porsche Cayenne hat er schon das ein oder andere ausgefallene Objekt zwangsversteigert.



Wer seine Schulden nicht begleicht ...

Denn: Wer seine Schulden nicht bezahlt, muss früher oder später damit rechnen, dass der Gerichtsvollzieher samt Vollstreckungsbescheid vor der Tür steht. Für die Gläubiger ist das meistens der letzte mögliche Schritt, um noch an ihr Geld zu kommen.

Der gerichtlichen Vollstreckungen gehen in der Regel mehrere Rechnungen, Mahnung und ein Inkassoverfahren voran. Wenn danach immer noch nicht bezahlt wurde, kann schon mal der sprichwörtliche Kuckuck auf die eigenen Wertsachen geklebt werden. Damit wird die Beschlagnahme öffentlich an Gegenständen dokumentiert, die der Gerichtsvollzieher nicht sofort in Gewahrsam nehmen kann. Die werden dann meist zwangsversteigert. Der Erlös geht direkt in die Schuldentilgung.

Kuckuck!

Die „Kuckuck“- Redewendung stammt übrigens aus längst vergangenen Zeiten, als auf dem Pfändungssiegel in Deutschland und Österreich noch der Reichsadler abgebildet war...


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