Ledertechniker Reinhold Adams Seniorexperte aus Bad Iburg teilt Berufserfahrung in aller Welt

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Zahlreiche Fotoalben mit Erinnerungen an insgesamt 27 internationale Einsätze für den Senior-Experten-Service besitzen Ursula und Reinhold Adams aus Bad Iburg. Gerne zeigen sie diese auf dem Wohnzimmertisch mit Tischdecke aus Usbekistan. Foto: Carolin HlawatschZahlreiche Fotoalben mit Erinnerungen an insgesamt 27 internationale Einsätze für den Senior-Experten-Service besitzen Ursula und Reinhold Adams aus Bad Iburg. Gerne zeigen sie diese auf dem Wohnzimmertisch mit Tischdecke aus Usbekistan. Foto: Carolin Hlawatsch

Bad Iburg. Die Mongolei und China, Kolumbien und Ecuador, Äthiopien und Namibia: Alle diese Länder und noch viele andere mehr hat Reinhold Adams aus Bad Iburg in den vergangenen 20 Jahren besucht. Aber nicht als Tourist. Sondern als Seniorexperte, der in aller Welt seine berufliche Erfahrung weitergibt.

Erst vor ein paar Wochen habe er eine Anfrage für einen Einsatz in Turkmenistan am Kaspischen Meer bekommen, berichtet der 83-Jährige. Aber das schaffe er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. "Ab jetzt geht’s nur noch zur Erholung nach Mallorca!" 

Ehrenamtlich unterwegs für die Organisation SES

Seit 1998 ist Reinhold Adams für den Senior-Experten-Service (SES) tätig, einer Organisation für ehrenamtliche Fach- und Führungskräfte im Ruhestand oder in einer beruflichen Auszeit. Der SES entsendet seine Experten in alle Teile der Welt, wo ihr berufliches Wissen gefragt ist. Die Seniorexperten unterstützen kleine und mittlere Unternehmen, öffentliche Verwaltungen, soziale und medizinische Einrichtungen oder auch Institutionen der Grund- und Berufsbildung. Sie helfen im Handwerk, bei der Wartung und Bedienung von Maschinen, bei der Fachkräfteausbildung, bei Fragen zu Marketing und Vertrieb, im Personalwesen und in vielen weiteren Bereichen.


In Ecuador. Repro: Carolin Hlawatsch


1956 aus dem Sauerland gekommen

Reinhold Adams, der 1956 als gelernter Ledertechniker aus dem Sauerland nach Bad Iburg kam, um dort in der ehemaligen Gerberei Stapenhorst zu arbeiten, war für den SES in der Lederherstellung und -verarbeitung tätig. Dabei leitete er Lehrlinge und Arbeiter an und zeigte, wie man umweltfreundlicher produzieren kann. Stolz berichtet er: 

Auf Java habe ich das Team dazu bringen können, 60 Prozent der unnötigen Chemikalien abzusetzen.


Mit Ehefrau Ursula auf gepackten Koffern gelebt

Sein erster Einsatz im April 1998 führte ihn in die mongolische Hauptstadt Ulan Bator. Adams' Sohn Jörg arbeitete dort ebenfalls als Ledertechniker und wusste, dass in einem riesigen Gerberkomplex Hilfe benötigt wird. "Er brachte mich auf den SES, woraufhin ich mich direkt im Büro in Bonn vorstellte." Bei seinen teilweise monatelangen Auslandseinsätzen wurde der Seniorexperte fast immer von seiner Frau Ursula begleitet – auf eigene Kosten, wie die 84-Jährige betont. "Oft waren wir bei Privatleuten untergebracht. Dann war es nicht so teuer, und wir hatten Anschluss an die fremde Kultur." Bad Iburg sah das Paar zeitweise nur selten. "Wir hatten die Koffer zu Hause noch nicht wieder ausgepackt, da ging es schon weiter."

Blick ins Fotoalbum weckt Erinnerungen 

Wenn die beiden heute in ihrem Wohnzimmer die Fotoalben öffnen, entspinnt sich eine Reihe von beeindruckenden und abenteuerlichen Erzählungen. Beispiel: Seite 3, Indonesien. "Das Leder Javas sind Fischhäute. Die werden dort zu Portemonnaies oder Handy-Etuis verarbeitet", erinnert sich Reinhold Adams beim Ansehen der Bilder.


Dieses Foto aus dem Album der Adams zeigt sie zusammen mit ihrem Dolmetscher und einem Freund in Usbekistan. Repro: Carolin Hlawatsch


Immer ein Dolmetscher an seiner Seite

"Unbefangen und frei" haben sich die beiden Senioren nach eigenen Angaben selbst in den für sie unbekanntesten Gegenden bewegt. Genau das schien das richtige Rezept: "Na klar fallen wir zum Beispiel in den Straßen von Äthiopien extrem auf. Unsicher haben wir uns aber nie gefühlt. Überall waren die Menschen sehr herzlich und bemüht uns ihr Land zu zeigen", berichtet Reinhold Adams, dem vom SES stets ein Dolmetscher zur Seite gestellt wurde. Seine Übersetzerin in Mexiko sei eine Deutsche gewesen, die mit einem Mexikaner mit aztekischen Wurzeln verheiratet war. "Dieser Mann gab uns eine private Führung durch die Ruinenstädte Teotihuacán. Intensiver konnten wir dieses Weltkulturerbe gar nicht erleben." 

Wochenenden zum Reisen genutzt

Während Reinhold Adams in der Woche als Seniorexperte volle Arbeitstage absolvierte, nutzte das Paar die Wochenenden, um das jeweilige Land kennen zu lernen. In Namibia beobachteten sie Antilopen, Löwen und Elefanten am Rand des Etosha-Nationalparks. In der Mongolei wurden sie von einer befreundeten Nomadenfamilie zum Festessen in die Jurte eingeladen. Adams erinnert sich: 

Eine Ziege wurde direkt vor Ort geschlachtet, ihr Fleisch und Innereien im Wechsel mit Kartoffeln in eine Milchkanne geschichtet und über dem Feuer gegart.


Niere, Leber, Lunge: Aus Höflichkeit habe er nichts ablehnen wollen, erklärt Adams. "Zum Glück gab es selbst gebrannten Wodka dazu." 

Vorbild für andere Rentner

Sein letzter Auftrag führte den Bad Iburger 2017 in die Ukraine nach Kiew. Von den politischen Unruhen habe er nichts mitbekommen, allerdings die ablehnende Haltung vieler Ukrainer gegenüber Russland wahrgenommen. All diese tiefen Einblicke und Erfahrungen hätten sein Leben sehr bereichert, stellt Adams fest. Die Arbeit als Seniorexperte im SES könne er jedem Rentner nur ans Herz legen.


Senior-Experten-Service

Der SES ist als Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit weltweit tätig. Seine ehrenamtlichen Einsätze finden in erster Linie in Entwicklungs- und Schwellenländern und in Deutschland statt. Die Geschichte der Stiftung beginnt nach eigenen Angaben 1983 mit dem ersten Experteneinsatz in einer landwirtschaftlichen Kooperative in Brasilien. Mittlerweile ist die Zahl der SES-Einsätze im Ausland auf über 30.000 gestiegen und die Zahl der Einsatzländer auf 160.

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