BIM: „Parkgebühren sofort wieder abschaffen“ Bad Iburger Bürger diskutierten Verkehrskonzept Innenstadt

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Karsten Schöwing, Heinz Masur, Annette Niermann und Ulla Burkard (von links) engagieren sich für die Weiterentwicklung des Verkehrskonzept Bad Iburger Innenstadt.
Foto: Petra PieperKarsten Schöwing, Heinz Masur, Annette Niermann und Ulla Burkard (von links) engagieren sich für die Weiterentwicklung des Verkehrskonzept Bad Iburger Innenstadt. Foto: Petra Pieper

Bad Iburg. Der Verein Bad Iburger Marketing (BIM) macht sich für die sofortige Abschaffung der Parkgebühren in Bad Iburg stark.

Unter der Moderation von Verkehrsplaner Heinz Mazur vom Büro PGT Umwelt und Verkehr diskutierten auf der Bürgerversammlung am Mittwoch rund 50 Gewerbetreibende, Anwohner und Politiker über die Weiterentwicklung des Verkehrskonzepts nach der Laga.

Ziel des bereits in Gang gesetzten Umgestaltungsprozesses sei es, die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu verbessern, sagte Bürgermeisterin Annette Niermann. Als erste Erfolge nannte sie die „sitzbare Stadt“, aufgestellte Bänke und Blumenkübel, sowie die Verdrängung von Dauerparkern aus der Innenstadt durch die Parkraum-Bewirtschaftung. Sie würde sich langfristig mehr Bewegungsraum für Fußgänger und Radfahrer wünschen, weniger Autos in der Innenstadt würden die Qualität für alle weiter verbessern

Parkgebühren als Bedrohung für den Einzelhandel

Die BIM legte indessen dar, dass eine fortgesetzte Parkraumbewirtschaftung mit Gebühren für den Einzelhandel eine existentielle Bedrohung darstelle. Es gebe gegenwärtig deshalb so viele freie Parkplätze, „weil die Kunden fernbleiben“, so der Tenor. Karsten Schöwing stellte eine von BIM und IHK gemeinsam durchgeführte Kunden- und Anliegerbefragung vor. Mehr als 1500 Teilnehmer, davon rund die Hälfte auswärtige Kunden, hatten dazu fünf Fragen zu ihrem Einkaufsverhalten beantwortet. Das herausragende Ergebnis für Schöwing: „Die Hälfte aller Befragten kündigt an, bei Fortführung der Parkgebühren die Innenstadt künftig weniger zu besuchen.“ Und tatsächlich habe eine Kundenfrequenzanalyse unter den Kaufleuten bereits einen Rückgang um 25 Prozent im November ergeben. Viele Kunden hatten in Kommentaren erklärt, bereits jetzt oder demnächst Nachbarorte wie GMHütte aufzusuchen, in denen keine Parkgebühren erhoben würden. Die BIM warnt davor, mit der Beibehaltung der Gebühren eine Abwärtsspirale in Gang zu setzen, die die Erfolge der Laga konterkarieren und die Existenz vieler Händler und Gastronomen bedrohen würde.

Aussprache

In der anschließenden sehr sachlichen Aussprache wurden Vorschläge gesammelt, welche räumlichen und zeitlichen Handlungserfordernisse gesehen werden und wie das Thema Parken zukünftig gehandhabt werden soll. Hans Schlotheuber machte deutlich, dass es um die Bedürfnisse von zwei verschiedenen Kundengruppen gehe, um die der Bürger, die ihre täglichen Besorgungen erledigen oder Ärzte besuchen, und um die der Touristen. Während für die „Flaneure“ die Aufenthaltsqualität im Vordergrund stehe, zähle für die anderen der Versorgungsaspekt. Dass der Handel beide Käuferschichten brauche, sei Konsens, so Schöwing. Für die Zukunft sei eine noch stärkere Ausrichtung Bad Iburgs auf Tourismus und Gesundheit unverzichtbar, aber die Umstellung müsse mit Augenmaß geschehen. 

Kommen die Laga-Besucher wieder? 

Um zu sehen, ob die Laga-Besucher wiederkommen, brauche es ein oder zwei Jahre, in denen aber der Einzelhandel nicht mit Parkgebühren belastet werden dürfe. Um die Aufenthaltsqualität zu steigern, könne der Durchfahrtsverkehr durch Schwellen vermindert und verlangsamt werden. Eine Anwohnerin schlug vor, die Zahl der Parkplätze an der Großen Straße zu verringern und die verbleibenden vor allem für Behinderte und Kurzparker vorzuhalten, so ergebe sich mehr barrierefreier Bewegungsraum für alle. Eine künftige Bewirtschaftung der Parkflächen solle wieder mit Parkscheiben erfolgen und müsse unbedingt klarer kommuniziert werden als bisher, forderte Ulla Burkard, denn „wer einmal ein Knöllchen bekommen hat, kommt nicht wieder“. Nazih Musharbash brachte die alte Idee eines Parkhauses am Hagenpatt in Erinnerung, während Hans Tovar erklärte, dass der Förderverein Bad Iburg das Konzept der „Bewegten Stadt“ von der Tegelwiese bis in die Innenstadt führen wolle.

Profil schärfen

Bad Iburg müsse überlegen, wie es sein Profil schärfen wolle, sagte der Verkehrsplaner, ob es zukünftig, wie etwa Bad Bentheim, vom Einzelhandel abrücken und stärker zur touristischen Nutzung und Wohnbebauung der Innenstadt tendieren wolle. Bis dahin gelte es, einige offene Fragen zu klären, etwa welche Besuchergruppen in die Stadt kommen und wie sie gelenkt werden sollen, wie hoch der tatsächliche Parkplatzbedarf ist und ob sich durch mehr Elektromobilität und demografischen Wandel das Besucherverhalten ändert.

Karsten Schöwing plädierte im Namen der Kaufmannschaft an den Rat, nicht so lange zu warten und in seiner Sitzung am Nikolaustag für die Belange des Einzelhandels und eine Abschaffung der Parkgebühren zu stimmen.


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