Feier mit Gästen aus Litauen Gymnasium Bad Iburg: 20 Jahre Schüleraustausch

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asr/pm Bad Iburg. 2003 war Litauen noch nicht in der EU. Zu diesem Zeitpunkt war es gerade erst unabhängig geworden, da knüpfte das Bad Iburger Gymnasium als eine der ersten Schulen zarte Bande zu einem Gymnasium in Pagegiai. Diese Bande haben bis heute gehalten und einen lebendigen Schüleraustausch nach sich gezogen. Jetzt feierten beide Schulen in Bad Iburg das 20-jährige Bestehen ihrer Freundschaft.

Die kommissarische Schulleiterin Christiane Schneider begrüßte zum Festakt viele Ehrengäste. Schulleiter, ehemalige Schulleiter, Lehrer und Schüler des Algimanto-Mackaus-Gymnasiums waren ebenso anwesend wie Vertreter aus Politik und Verwaltung in Pagegiai. „Das Gymnasium Bad Iburg ist eine Europaschule“, sagte Schneider. Die Freundschaft zur Partnerschule sei ein fester Bestandteil des Schulprogramms. Litauen und Deutschland seien heute ausgesöhnte Partner, aber 1993, als der Schulaustausch begonnen habe, sei von Freundschaft zwischen den Ländern noch nicht die Rede gewesen. „Es ging zunächst um Wiederaufnahme der vertrauensvollen Beziehung in der Politik“, so die Schulleiterin. Das Jahr 1993 war eine Zeitenwende. 1500 Schüler haben seitdem an dem Austausch teilgenommen. Das Schöne daran sei, dass dieser Austausch ermögliche, dass Schüler nicht nur übereinander, sondern miteinander lernen.

Susanne Breiwe vom Landkreis Osnabrück lobte das Bad Iburger Gymnasium als weltoffen, mutig und schon immer interessierter und innovativer als andere Schulen. Es sei eine der ersten Schulen gewesen, die Europaschule wurden. Die meisten Schulen hätten zu Litauen erst 2004 Kontakt aufgenommen, als das Land der EU beigetreten sei.

Besonders eindrucksvoll war die Ansprache von Margret Zumstrull, ehemaliger Schulleiterin in Bad Iburg. Sie war vor 20 Jahren dabei, als ein paar Schüler aus Bad Iburg zum ersten Mal nach Litauen reisten. „Litauen war ein halbes Jahrhundert lang hinter dem Eisernen Vorhang abgeriegelt gewesen, und keiner wusste, was uns erwartet“, so Zumstrull. Die bedingungslose Gastfreundschaft der Litauer sei es schließlich gewesen, die die Gruppe schier vom Hocker gehauen habe. „Wir wurden mit Brot und Salz, Musik und Tänzen empfangen“, berichtete sie. Tief beeindruckt von dem Aufenthalt, kehrte die Gruppe zurück. „Es flossen Tränen, und trösten konnte nur der bevorstehende Gegenbesuch“, sagte die ehemalige Schulleiterin. „Wir waren der Meinung, dass wir uns furchtbar anstrengen müssten, um den Litauern auch einen solchen Aufenthalt bieten zu können.“

Unter den litauischen Rednern war auch Vytautas Stanisauskas, der stellvertretende Landrat der Selbstverwaltung in Pagegiai. Er dankte nicht nur den Verantwortlichen des Bad Iburger Gymnasiums, sondern im Besonderen auch Werner Kiupel, Vorsitzendem der Litauenhilfe am Gymnasium Bad Iburg. Der Iburger Lehrer und seine Frau Heidi fanden bei einem privaten Besuch, als sie den familiären Wurzeln nachspüren wollten, eine Lebensaufgabe. Mehrmals im Jahr schicken sie dringend gebrauchte Hilfsgüter mit ihrer Litauenhilfe Bad Iburg auf den Weg, um dort Kindern und behinderten Menschen das Leben etwas zu erleichtern. Kiupel wurde deshalb 2005 zum Menschen des Jahres in Pagegiai gewählt.

Neben Grußworten von Jurozas Zuklija, ehemaligem Schulleiter in Pagegiai, und Ernestas Mickus als Gesandtem des Botschaftsrates der Republik Litauen in Berlin hörten die Gäste auch Beiträge der Elternvertreter und der Schüler, die Projektergebnisse des diesjährigen Schüleraustausches vorstellten. Den musikalischen Rahmen gestalteten der Elternchor, das GBI-Orchester unter der Leitung von Barbara Tiemann und ein Schülerchor, bestehend aus deutschen und litauischen Jugendlichen. Beeindruckend waren auch die Volkstänze, die die litauischen Gäste vorführten. Sie trugen zu einer herzlichen Veranstaltung bei.

Einen weiteren Festakt hatte den litauischen Gästen bereits einen Tag zuvor die Stadt Bad Iburg im Rittersaal beschert. Seit fünf Jahren verbindet Pagegiai auch eine offizielle Partnerschaft mit Bad Iburg, maßgeblich initiiert von Werner Kiupel. Da der Vertrag damals im Rittersaal des Iburger Schlosses unterzeichnet wurde, bildete der Saal auch zum fünfjährigen Bestehen den Rahmen für Festakt und Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.

Musikalisch begleitet wurde die Feierstunde vom Orchester des Gymnasiums Bad Iburg, und die litauische Delegation unter der Leitung des stellvertretenden Landrats Vytautas Stanisauskas zeigte sich beeindruckt vom Rittersaal und seiner ungewöhnlichen Malerei. Bürgermeister Drago Jurak, der selbst bereits die litauische Stadt besucht hat, betonte, dass man eine solche Städtepartnerschaft mit Leben füllen müsse, auch wenn der Alltag es kaum zulasse. Und so habe die Partnerschaft das Leben auf beiden Seiten bereichert, indem man sich gegenseitig besser habe kennenlernen können. „Daher bin ich froh, dass Sie uns anlässlich des Jubiläums besuchen“, erklärte Jurak, „denn man muss sich Zeit nehmen für Freunde.“ Landrat Stanisauskas sagte, die Partnerschaft sei ja noch sehr jung, aber er sei sich sicher, dass man gerade auf dem Gebiet des Tourismus noch enger zusammenarbeiten könne und solle. Er wünschte sich, dass man eine gemeinsame Arbeitsgruppe bilde, um konkrete Projekte für die Zukunft auszuarbeiten.


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