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Behörde verfügt Stilllegung Landkreis lässt Fleisch aus Bad Iburger Schlachthof untersuchen

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Foto: Soko TierschutzFoto: Soko Tierschutz 

Osnabrück. Das Fleisch aus dem Schlachthof in Bad Iburg soll auf Belastungen hin untersucht werden. Das teilte der zuständige Landkreis Osnabrück auf Anfrage mit. Zuvor hatte die Behörde die unbefristete Stilllegung des Betriebes angekündigt.

Die Fachleute aus der Kreisverwaltung würden Proben bei Abnehmern des Betriebes ziehen, so Sprecher Burkhard Riepenhoff. Zudem seien andere Veterinärämter in Deutschland informiert worden, sofern sich Kunden des Schlachthofes in deren Zuständigkeitsgebiet befänden. 

Die Adressen hat die Verwaltung von der Staatsanwaltschaft Oldenburg erhalten. Die Ermittler hatten bei einer Durchsuchung des Betriebes am 10. Oktober zahlreiche Unterlagen gesichert. Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch heimlich gedrehte Aufnahmen in dem Betrieb. Tierrechtler des Vereins „Soko Tierschutz“ hatten sie veröffentlicht. Zu sehen sind mutmaßlich schwerwiegende Tierschutzverstöße. 

Neben dem Tierquälerei-Vorwurf gehen die Behörden nun offenbar auch gezielter der Frage nach, ob das Fleisch überhaupt für den Verzehr geeignet war. Laut niedersächsischem Landwirtschaftsministerium besteht der Verdacht, dass auch tot angelieferte Tiere in dem Betrieb weiterverarbeitet worden sind. Das ist verboten.

Kein europaweiter Rückruf

Ein europaweiter Rückruf wird indes nicht gestartet. Abnehmer des Bad Iburger Schlachthofs war unter anderem ein Fleischgroßhändler in Belgien. In welchem Umfang dieser Ware aus dem Landkreis Osnabrück bezogen und weiterverkauft hat, ist unklar. Nach Veröffentlichung der Aufnahmen aus dem Schlachthof kündigten die Belgier die Zusammenarbeit auf.

Auf Anfrage unserer Redaktion teilte die belgische Behörde für Lebensmittelsicherheit mit, dass sie bislang keine Informationen aus Deutschland erhalten habe. Es sei Aufgabe der deutschen Behörden, das Fleisch daraufhin zu untersuchen, ob es für den Konsum geeignet sei, so eine Sprecherin. Es gebe diesbezüglich bislang keine amtlichen Maßnahmen in Belgien.

Landkreis plant dauerhafte Stilllegung

Der Landkreis Osnabrück hatte den Schlachthof zunächst bis zum Dienstag, 23. Oktober, stillgelegt. Sprecher Riepenhoff sagte am Montag auf Anfrage unserer Redaktion, dass „heute im Laufe des Tages die Verfügung des Landkreises zugestellt wird, mit der dem Schlachthof unbefristet untersagt wird, zu schlachten oder Lebensmittel in Verkehr zu bringen.“ Damit wäre der Betrieb faktisch stillgelegt. Die Verantwortlichen könnten dagegen rechtlich vorgehen.

Parallel dazu läuft beim Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ein Verfahren zum Entzug der EU-Lizenz. Das hatte es in der Vergangenheit schon einmal gegeben. Nach Umbaumaßnahmen und dem Wechsel des Geschäftsführers durfte der Betrieb aber weiter produzieren.


Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen den Geschäftsführer des Betriebes sowie gegen zwei Veterinäre, die im Auftrag des Landkreises Osnabrück den Betrieb hätten überwachen sollen. Auf Anfrage hieß es in Oldenburg, die Auswertung des Bildmaterials und bei einer Durchsuchung sichergestellter Unterlagen dauere noch an. Der bisherige Anwalt des Schlachthofs ließ eine Anfrage unserer Redaktion in der vergangenen Woche unbeantwortet.  

Miriam Staudte, Sprecherin der Grünen im niedersächsischen Landtag für Tierschutz, sagte, die Schließung des Schlachthofs dürfe nicht die einzige Konsequenz sein. „Es geht hier nicht um einen Einzelfall, sondern es besteht ein strukturelles Kontrolldefizit in ganz Niedersachsen.“ Es brauche mehr Personal und mehr Kontrollen entlang der gesamten Produktionskette, so Staudte.


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