Ende der Waldsperrung nicht absehbar Großer Freeden: Kranke Eschen ein Risiko für Wanderer

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Bad Iburg. Der Naturwald Großer Freeden in Bad Iburg, bekannt für seine Blütenteppiche aus Hohlem Lerchensporn im Frühling und für eine ungestörte Naturentwicklung, bleibt auch zukünftig für Waldbesucher gesperrt. Grund ist das durch Pilzbefall ausgelöste Absterben der Eschen. Ihre herabfallenden Äste und sogar umfallenden Stämme stellen eine Gefahr für Spaziergänger und Wanderer dar.

Die Landesgartenschau in Bad Iburg zieht Naturfreunde an, die auch gerne wandern gehen. Am Großen Freeden treffen sie nach wie vor auf Schilder, die ihnen das Betreten des Weges aus Sicherheitsgründen verbieten. Die Verbotsschilder wurden im vorigen Frühjahr von den Niedersächsischen Landesforsten an den Zugängen zum Kammweg des Naturwalds aufgestellt.

„Im Winter 2016, dem Winter vor der Sperrung, fielen hier am Großen Freeden fünfzig Eschen, vielleicht auch noch mehr um. Und das auch ohne starken Wind“, erinnert sich Jens Kohlbrecher, Revierleiter der Försterei Iburg. Das Eschentriebsterben machte sich zum ersten Mal deutlich in Bad Iburg bemerkbar. Es sei nicht mehr zu verantworten gewesen, dass Leute durch den Naturwald spazieren. Und gerade zur Lerchenspornblüte herrsche am Großen Freeden ein Betrieb, ähnlich dem auf dem Osnabrücker Neumarkt. „Viele unterschätzen die Gefahr herabfallender Äste. Wenn dadurch ein Unfall passiert, müssen die Landesforsten als Grundeigentümer des Großteils des Kleinen und Großen Freeden haften“, erklärt Uwe Aegerter, Dezernent im Forstamt Ankum.

Hermannsweg verlegt

Dabei ist das Wandern auf dem Kammweg über den 269 Meter hohen Großen Freeden, mitten durch den Naturwald eigentlich bereits seit 2002 untersagt, dem Jahr als das gesamte Gebiet Freeden als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde. Im Zuge der Naturschutzgebietsausweisung ist der sich darin befindende Naturwald Großer Freeden noch ein Stück erweitert worden. Der Herrmanns- beziehungsweise Kammweg, der ursprünglich die südliche Grenze des Naturwalds darstellte, führte nun mitten durch den Naturwald und sollte nicht mehr benutzt werden. Deswegen wurde er weiter nach Süden umgelegt. „Trotzdem liefen seitdem noch viele Menschen auf dem alten Weg. Deswegen mussten nun, mit der zunehmenden Gefahr der kippenden Eschen, die Sperrungs-Zeichen her“, sagt Jens Kohlbrecher.

Förster dürfen die kranken Eschen im Naturwald nicht einfach entfernen. Das 1974 als Naturwald ausgezeichnete Freeden-Gebiet dient dem Naturschutz und waldökologischen Untersuchungen der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchanstalt mit Sitz in Göttingen. In die dynamischen Prozesse des Naturwalds darf der Mensch nicht eingreifen, der Wald bleibt sich selbst überlassen, Totholz bleibt liegen, Naturverjüngung wird nicht beeinflusst, so dass im Idealfall nach längerer Zeit wieder urwaldähnliche Strukturen entstehen. In den anderen Bad Iburger Waldteilen hingegen darf eine Holzernte stattfinden, im Naturschutzgebiet Freeden unter bestimmten Auflagen. „Auch auf dem Laga-Areal im Waldkurpark gibt es kranke Eschen. Dort haben wir alle Verdachtsfälle bereits vor der Laga entnommen“, erklärt Jens Kohlbrecher.

„Man kann nur abwarten“

Er habe den Eindruck, dass das Eschentriebsterben in diesem Jahr nicht ganz so schnell voranschreite wie im letzten. Das liege am trockenen Wetter, welches keine guten Bedingungen für die Pilze darstelle. Unternehmen könnten die Förster nichts gegen die Baumkrankheit. „Man kann nur abwarten“, meint Jens Kohlbrecher. Wenn der Pilz bleibe, würde ein Großteil der Eschen absterben, ähnlich wie bei dem Ulmensterben, das um die Jahrtausendwende im Freeden stattfand. „Der Anteil an Ulmen im gesamten Baumbestand machte allerdings nur 5 Prozent aus, heute sind es 0,5 Prozent“, so der Förster.

Eschen hingegen wachsen neben den Buchen zahlreich im Freeden. Sie kommen entweder in feuchten Auen entlang der Bäche oder an den trockenen, flachgründigen Kalkhängen vor, denn sie vertragen sehr gut zwei Extreme: Nässe und Trockenheit. Es sei davon auszugehen, dass rund ein Prozent der Eschen resistent gegen die Pilzkrankheit ist und dass eben diese vitalen Bäume die Gefahr überleben. Den Platz der vielen anderen abgestorbenen Eschen wird womöglich eine andere Baumart übernehmen.

„Zur Zeit der Lerchenspornblüte ist die Sperrung ein Wermutstropfen, denn aus der Höhe des Großen Freedens wirkt sie besonders beeindruckend“, findet Bad Iburgs Bürgermeisterin Annette Niermann. Schade sei auch, dass nun keine Führungen über den Großen Freeden mehr angeboten werden können. „Wir haben wirklich vieles geprüft, aber das Haftungsrisiko ist zu hoch. Es gibt keine Möglichkeit der Versicherung“. Ansonsten bleibe der Naturwald ja aber weiter für Spaziergänger erlebbar. „Wir haben viele Wanderwege im Freeden die um den Naturwald herum führen. So zum Beispiel die wetterfeste, weil asphaltierte Waldchaussee von der Wassertretstelle bis nach Hankenberge“. Auch die ausgewiesenen Wege im Naturschutzgebiet im Bereich des Kleinen Freeden seien weiter begehbar. Auch dort sei im Frühling die Lerchenspornblüte zu bestaunen. Einzelne Eschen, die ein Risiko für die Waldbesucher darstellen werden dort gefällt.


Eschentriebsterben

Das Eschentriebsterben, auch bekannt als Eschenwelke, ist eine Baumkrankheit, die durch den aus Ostasien eingeschleppten Pilz „Falsches Weißes Stängelbecherchen“ verursacht wird. In Asien besiedelt er als harmloser Blattpilz die dort heimischen Eschenarten. Vermutlich wurde der Pilz mit importierten Eschenpflanzen nach Europa eingeschleppt.

Die Pilzsporen infizieren im Sommer die Blätter der Esche, von wo aus der Erreger in die Triebe vordringt, die dadurch absterben. Eindeutige Krankheitssymptome beobachtete man erstmals in den frühen 1990er Jahren in Polen. Von dort aus breitete sich der Erreger epidemisch schnell im natürlichen Verbreitungsgebiet der Gemeinen Esche aus.

Quelle: waldwissen.net; Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

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