Landkreis legt Betrieb vorerst still Bad Iburg: Schwerwiegende Tierschutzverstöße im Schlachthof?

Osnabrück. Auf einem Rinderschlachthof in Bad Iburg soll es zu schwerwiegenden Tierschutzverstößen gekommen sein. Der Landkreis Osnabrück hat den Betrieb für diese Woche stillgelegt, die Staatsanwaltschaft ließ die Räumlichkeiten am Mittwoch durchsuchen. Der Schlachthof war auf Anfrage unserer Redaktion zu einer umfassenden inhaltlichen Stellungnahme nicht bereit.

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Ein Rind in einem Viehtransporter. Foto: dpa/Wolfgang KlugeEin Rind in einem Viehtransporter. Foto: dpa/Wolfgang Kluge

Von Dirk Fisser

Es werde gegen namentlich noch nicht bekannte Verantwortliche des Schlachthofs ermittelt, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg unserer Redaktion. Der Verdacht: Tiere sollen bei der Anlieferung tierschutzwidrig behandelt worden sein. Am Mittwoch seien deswegen die Geschäfts- und Produktionsräume in Bad Iburg durchsucht worden. „Zum Ergebnis der Durchsuchungen können noch keine näheren Angaben gemacht werden“, teilte der Sprecher mit.

Kreis untersagt Schlachtung

Bereits seit Montag dürfen in dem Betrieb vorläufig keine Tiere mehr geschlachtet werden. Der Landkreis Osnabrück als Kontrollbehörde habe eine entsprechende Anordnung erlassen, sagte Sprecher Burkhard Riepenhoff. Den Amtstierärzten der Veterinärbehörde sei am Montag Videomaterial von Redaktionsmitgliedern der RTL-Sendung „Stern.tv“ vorgeführt worden.

Es seien „schwerwiegende Tierschutzverstöße“ zu sehen gewesen, so der Sprecher des Landkreises. „Als sofortige Reaktion hat der Landkreis Osnabrück deshalb noch heute verfügt, dass in dem Schlachthof zunächst in dieser Woche nicht mehr geschlachtet werden darf“, sagte Riepenhoff am Montagabend. Es sei eine Verfügung herausgegeben worden, dass der Schlachthof bis zum 23. Oktober gesperrt sei. Zudem sei der Betrieb amtlich versiegelt worden. Tatsächlich waren die Betriebstore am Dienstagmorgen in Bad Iburg verschlossen.

Foto: Jörn Martens

Auf Anfrage unserer Redaktion äußerte sich der Anwalt des Unternehmens nicht detailliert zur vorläufigen Stilllegung des Betriebes. Selbstverständlich werde man aber mit den Behörden kooperieren, hieß es.

Die Veterinäre beim Kreis haben offenbar keine Zweifel an der Echtheit der Bilder. Das ebenfalls eingeschaltete niedersächsische Landwirtschaftsministerium hatte nach Auskunft einer Sprecherin bereits am 2. Oktober die Strafanzeige gestellt, die wohl zur Durchsuchung am Mittwoch führte.

Aktivist: Tiere erbärmlich behandelt

Das Filmmaterial aus Bad Iburg stammt von Tierrechtsaktivisten des Vereins „Soko Tierschutz“. Gründer Friedrich Mülln bestätigte, dass er Anfang vergangener Woche Anzeige gegen den Betrieb im Landkreis Osnabrück gestellt hat. Über einen längeren Zeitraum seien die Zustände auf dem Schlachthof filmisch dokumentiert worden, sagt Friedrich Mülln (Foto).  

Foto: dpa/Sven Hoppe


Insgesamt seien dabei fünf Terabyte Filmmaterial entstanden. Mülln zum Inhalt: „Das übersteigt alles, was wir bisher in anderen Fällen gesehen haben.“ Die Tiere seien „erbärmlich“ behandelt worden. 

Auch tote Tiere angeliefert?

Nach Informationen unserer Redaktion sollen die Aufnahmen aus Bad Iburg zeigen, wie nicht mehr transportfähige Tiere unter Zufügen von Schmerzen ins Schlachthaus getrieben werden. Zum Teil sollen die liegenden Rinder mit einer Art Seilwinde von den Transportern gezogen, Kälber indes von Transportern herab ins Gebäude geworfen worden sein. Es bestehe zudem der Verdacht, dass auch tote Tiere angeliefert worden seien, hieß es aus dem Landwirtschaftsministerium. Was mit den Kadavern geschah, ist unklar. Die Bilder, auf die sich das Ministerium bezieht, sollen nach dessen Angaben wohl zwischen Mitte August und Mitte September dieses Jahres entstanden sein. 

Laut Kreissprecher Riepenhoff hätten die Anlieferung und Schlachtung der Rinder eigentlich von Tierärzten im Auftrag des Landkreises überwacht werden müssen. Nicht transportfähige Tiere dürfen nicht an einen Schlachthof geliefert werden - erst recht keine toten Tiere. Die Veterinäre – so die Kreisverwaltung – hätten keinen Alarm geschlagen. Der Kreis zog daraus vorläufige Konsequenzen:

„Die von diesen gezeigten Fällen betroffenen nebenberuflich für den Landkreis Osnabrück tätigen Tierärzte werden vorerst nicht mehr eingesetzt, auch nicht in anderen Schlachthöfen.“ Burkhard Riepenhoff, Sprecher des Landkreises Osnabrück


Der Landkreis werde im Zuge der weiteren Prüfungen auch seinen eigenen amtlichen Kontrollen hinterfragen, betonte Riepenhoff. Der Anwalt des Betriebes stellte auf Anfrage unserer Redaktion klar, dass täglich ein amtlicher Tierarzt anwesend sei, der den Gesundheitszustand der Tiere kontrolliere.

Nach Auskunft des Landwirtschaftsministeriums in Hannover schlachtet der Betrieb 150 bis 160 Tiere pro Woche, die Jahresleistung liegt bei etwa 7000 Rindern. Damit zählt er zu den kleineren Rinderschlachthöfen in Deutschland. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 wurden laut Bundesamt für Statistik insgesamt 3,5 Millionen Rinder hierzulande geschlachtet.

Foto: dpa/Bernd Wüstneck



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