#ohnemeinenphysiotherapeuten Gemischte Gefühle nach Treffen mit Gesundheitsminister

Von Greta Lenzing

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Bad Iburg. 220000 Unterschriften hat Tim Maller aus Bad Iburg für seine Initiative zur Verbesserung des Physiotherapieberufs gesammelt. Mitte September hat er in Berlin den Gesundheitsminister Jens Spahn und den Bundestagsabgeordneten Roy Kühne getroffen.

Der selbstständige Bad Iburger Physiotherapeut Tim Maller startete am 1. Mai unter dem Hashtag #ohnemeinenphysiotherapeuten eine Online-Petition, um auf die schlechte Berufssituation der Physiotherapeuten aufmerksam zu machen. Besonders die Ausbildung, die mit hohen Kosten verbunden ist und die knapp bemessenen Behandlungszeiten, die in keinem Verhältnis zum durchschnittlichen Verdienst der Physiotherapeuten stehen, waren Anlass für ihn eine Kampagne ins Leben zu rufen die schnell prominente Unterstützer fand, wie unter anderem den Arzt und Fernsehstar Eckhat von Hirschhausen und die Volleyball-Nationalspielerin Maren Fromm.

Die Unterschriftensammlung war ein erster Schritt zur Verbesserung der Berufs- und Ausbildungssituation der Physiotherapeuten. Ein Gespräch mit dem Gesundheitsminister Mitte September Jens Spahn war ein zweiter. Trotzdem ist der der Überzeugung, dass längst nicht alles getan ist.

Als er am 13. September die gesammelten Überschriften offiziell an den CDU-Politiker Roy Kühne übergab, der ebenfalls gelernter Physiotherapeut ist und aktuell Mitglied des Gesundheitsausschusses, unterstützten bereits 220000 Menschen seine Forderungen. Auch Bad Iburgs Bundestagsabgeordneter Matthias Seestern-Pauly kam kurzfristig vorbei, nachdem Maller ihn angerufen hatte.

Verbesserungen, die Maller fordert, wären unter anderem die Schuldgeldfreiheit, die Einführung eines Studiums zum Bachelor of Science, die Anhebung der Kassensätze und die Erhöhung der Behandlungszeiten. Mittlerweile verlässt laut Maller jeder vierte Physiotherapeut den Beruf. Das liege auch daran, dass aufwendige und teure Zusatzzerfitikate erworben werden müssten, ohne die bestimmte Behandlungen nicht mit der Krankenkasse abgerechnet werden könnten. Maller fordert deshalb die Integration dieser Zertifikate in die Ausbildung.

Hier wird für Maller ein weiteres Problem sichtbar. Die Zertifikate werden von Verbänden vergeben, die damit Geld verdienen. Diese Verbände wiederum seien die auserwählten Verhandler, die mit dem Gesundheitsminister Jens Spahn im Kontakt blieben: „Es ist auch ein interner Kampf.“

Auch an dem Donnerstag, als er im Anschluss an die Übergabe zum Gespräch mit Jens Spahn eingeladen war, saßen die Verbände mit am Tisch.

Davon überzeugt, dass sich nun etwas ändern wird, ist der Iburger nicht. Maller berichtet: „Die Atmosphäre war total locker und angenehm, direkt nach den Fotos hat der Minister die Krawatte ausgezogen und uns zugehört“, trotzdem sei die Durchsetzung neuer Forderungen im Politikbetrieb nicht einfach. So kommt es, dass die auf den Weg gebrachten Veränderungen aus Mallers Sicht, den Ball vor allem anderen Akteuren zuspielen, statt direkt zu helfen.

„Das Treffen war vor allem eine PR-Aktion“, ist der Physiotherapeut sich sicher. Kurze Zeit später ist auf dem Twitter-Kanal des Gesundheitsministeriums zu lesen: „Jens Spahn hat heute wichtige Anregungen aus der Praxis aufgenommen“.

Trotzdem glaubt Maller, dass mit den gesammelten Unterschriften Druck aufgebaut werden konnte. Er hofft, dass er auch Roy Kühnes eigenes Soforthilfeprogramm für Heilmittelerbringer durch seine Petition unterstützen konnte.


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