Waldbaumethoden im Blick Rückepferd und Vorrückraupe in Bad Iburger Revierförsterei

Von Dominik Lapp

Meine Nachrichten

Um das Thema Bad Iburg Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Beim Kooperationstag Waldbau demonstrierte Georg Steven die Arbeit mit seinem Rückepferd "Sepp". Foto: Elvira PartonBeim Kooperationstag Waldbau demonstrierte Georg Steven die Arbeit mit seinem Rückepferd "Sepp". Foto: Elvira Parton

Bad Iburg. Im Osnabrücker Land gibt es ökologisch hochwertige, schützenswerte Wälder. Davon konnte sich jetzt die Besucher des Kooperationstags Waldbau genauso überzeugen wie Landrat Michael Lübbersmann. Bei einem Rundgang durch die Revierförsterei Bad Iburg wurde detailliert der Einsatz von Rückepferden, einer Fäll- und Vorrückraupe und eines Raupenharvesters demonstriert.

Das Forstunternehmen Martin präsentierte mit seinem Raupenharvester den Einsatz in steilem Gelände und verdeutlichte, wie wirtschaftlich die Maschine für den Einschlag von sehr starkem Holz und in der Aufarbeitung von Windwurfschäden ist, aber auch dass der Raupenharvester mit Dauernassflächen und aufgrund seines geringen Bodendrucks im Gelände besser klarkommt als übliche Radmaschinen. Dagegen präsentierte die Maschinenbaufirma Pflanzelt mit ihrem Moritz eine ferngesteuerte Fäll- und Vorrückraupe, die wegen ihrer Wendigkeit und kompakten Größe zur boden- und bestandsschonenden Holzbringung eingesetzt wird.

Im Wald kommen ferngesteuerte Maschinen zum Einsatz. Foto: Elvira Parton


Dass neben den technischen Errungenschaften in der Forstwirtschaft aber auch noch immer auf echte Pferdestärken gesetzt wird, sorgte für Erstaunen unter den Fachbesuchern. Der gelernte Kfz-Meister Georg Stevens und seine Ehefrau Nicola Basten, eigentlich pharmazeutisch-technische Assistentin, hatten ihr zwölfjähriges, rund 800 Kilo schweres Rückepferd Sepp mitgebracht. Mit ihm demonstrierten sie, wie wichtig die Vierbeiner auch heute noch sind, um gefällte und entastete Baumstämme aus dem Gelände zum nächsten Waldweg zu transportieren. Das Ehepaar, das während eines Urlaubs im bayerischen Wald seine Liebe zum traditionellen Arbeiten mit Pferden entdeckte, hat sich vor mehr als acht Jahren mit einer Fuhrhalterei selbstständig gemacht.

Zweijährige Ausbildung

Der Vorteil von Pferden ist, dass sie sich auch in unwegsamem Gelände bewegen können, keine Rückegassen benötigen, weil sie die Baumstämme durch das stehende Holz ziehen und im Gegensatz zu Forstmaschinen so gut wie keine Bodenschäden verursachen. „Das gefällte Holz wird von den Pferden in die Reichweite einer Maschine gebracht“, erklärt Stevens die Aufgabe der Kaltblüter. Dafür wurden die Tiere rund zwei Jahre lang kostenintensiv ausgebildet.

„Die Ausbildung von Rückepferden ist äußerst wichtig, Pferd und Führer müssen sich blind verstehen“, erläutert Gerhard Aschoff von der Interessengemeinschaft Zugpferde (IGZ). Die Rangordnung muss klar, Pferd und Holzrücker müssen ein eingespieltes Team sein. „Bei ungeklärter Hierarchie ist Chaos vorprogrammiert“, so Aschoff. Etwa 12 Jahre kann ein Arbeitspferd zum Holzrücken eingesetzt werden. „Aber nicht länger als sechs Stunden am Tag“, verweist der IGZ-Vertreter auf den Tierschutz.

Renaissance für alte Methoden

„Das Arbeiten mit Pferden ist unter wirtschaftlichen Aspekten natürlich eine Herausforderung“, weiß auch Landrat Michael Lübbersmann. „Doch in Hanglagen sind sie wendiger als Maschinen und sie schonen die hochwertigen Waldbestände.“ 45 Euro pro Stunde bekommt ein Holzrücker beim Einsatz eines Einspänners, bei einem Zweispänner sind es 60 Euro. „Hier braucht es eine stärkere Förderung, wenn man den Wald schützen will“, so der Landrat.

Nachdem Rückepferde seit den 1960er Jahren durch landwirtschaftliche Schlepper weitgehend verdrängt wurden, werden sie aktuell im Zuge einer naturnahen Forstwirtschaft wieder zunehmend propagiert. „Wir können nicht klagen, aber es ist auch nicht so, dass die Auftragsbücher komplett voll sind“, sagt Gerhard Aschoff.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN