Ein guter Sommer für den Wein Osnabrücker Winzer hoffen auf edle Tropfen

Von Greta Lenzing

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Bad Iburg/Hagen. Die Winzer rund um Osnabrück blicken auf einen erfolgreichen Sommer zurück. Die Temperaturen verhalfen ihren Pflanzen zu schnellem Wachstum und lassen auf einen süßen Jahrgang hoffen.

Ein kühler Weißwein war für viele in diesem Sommer eine willkommene Erfrischung. Einen ganz besonderen Weißwein konnten auch in diesem Jahr wieder sechs Mediziner genießen, die sich im Osnabrücker Kinderhospital kennenlernten. Nach Feierabend finden sich die leidenschaftlichen Hobbywinzer Dirk-Michael Künnemeyer, Michael Ollefs, Olaf Konrad, Frank Brewe, Johannes Störmann und Stephan Theiling zusammen und bauen seit 2004 am Hagener Borgberg ihren eigenen Weißwein an. Und hoffen auf eine tollen 2018er Jahrgang Frank Brewe, im Hauptberuf Kinderarzt, bestätigt, dass dieser Sommer wohl „in jeder Hinsicht besonders“ war.

Ernte im August

Wenn die sechs Freunde jetzt mit der Ernte beginnen und etwa 1,2 Tonnen Traubengut sammeln, beginnt der Verarbeitungsprozess, an dessen Ende sich zeigen wird, ob sich das Wetter auch wirklich im Geschmack des Weines bemerkbar machen wird. Brewe ist zurückhaltend mit Prognosen, denn er weiß, dass auch „auf den letzten Metern noch etwas schief gehen kann“. 2014 etwa „vergammelte“ ein ganzer Jahrgang.

Bislang verlief aber alles nach Plan. Das Pflanzenwachstum wurde auch durch den anhaltenden Frost im Frühjahr nicht beeinträchtigt. Frost Anfang Mai wäre jedoch ein Problem geworden, denn da beginnt die Blüte und „ohne Blüte keine Trauben“, erklärt Brewe.

Süßer Wein

Durch die lang anhaltende Trockenheit im Sommer, hofft Brewe, könnten sich hohe Oechslegrade, also eine intensive Süße, für den kommenden Wein ergeben. Er vermutet aber auch, dass das Säurespiel, dass sich bei Weißweinen durch warme Tage und kühle Nächte einstellt, dieses Jahr nicht allzu spannend ausfallen wird. Mit Sicherheit sagen lässt sich das allerdings erst, wenn der Wein die Vergärung, Filterung und unterschiedliche Ruhephasen hinter sich hat und auf Flaschen gezogen wurde. Das ist für gewöhnlich Ende Februar oder Anfang März der Fall. Zwischen 650 und 800 Flaschen ergeben sich für die Mediziner. Da sie ausdrücklich keine Wirtschaftsinteressen mit dem Weinanbau verfolgen, genießen sie den Wein übers Jahr verteilt gerne mit Freunden oder Familie.

Kaum Schädlinge

Brewe berichtet außerdem, dass der „Pilzdruck“ auf die drei in Hagen angepflanzten Sorten Solaris, Phoenix und Merzling dieses Jahr gering war und deshalb wenig „Medizin“ zur Schädlingsbekämpfung angewandt werden musste. Allerdings musste aufgrund der Trockenheit gewässert werden.

Diesen Eindruck bestätigt auch der Jungwinzer Jan Brinkmann aus Bad Iburg. Er freut sich, dass dieses Jahr dank des trockenen Wetters, kein einziges Blatt von Pilzen befallen wurde und er ganz ohne chemischen Pflanzenschutz auskam. Auf 1,5 Hektar wurden am Iburger Urberg dieses Jahr die ersten Jungpflanzen eingesetzt und „es läuft besser als erwartet“, sagt Brinkmann. Seine Pflanzen knackten die Zwei-Meter-Marke bereits zwei Monate früher als erwartet. Allerdings rechnet Brinkmann frühestens nächstes Jahr mit einem Ertrag, mit dem sich dann erste Experimente durchführen ließen. Da sehe man dann, wie der Wein überhaupt schmecke und welche Hefe sich am besten für die Vergärung eigne, berichtet der Winzer, dessen eigentliche Profession die Schweinemast ist.

Jahrhundertjahrgang deutet sich an

Ein Punkt macht Brinkmann allerdings noch Sorgen: Die Grassaat, die er dieses Jahr ausgebracht hat, ist durch die Hitze nicht angegangen und kann somit im Winter nicht als Erosionsschutz dienen.

Aus den Berichten befreundeter Winzer schließt Brinkmann trotzdem: „Wer dieses Jahr bewässern konnte, der bekommt wahrscheinlich einen Jahrhundertjahrgang. Wer nicht genug Wasser hatte, muss damit rechnen, dass sein Jahrgang in die Hose geht.“


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